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© VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Artothek

MAX BECKMANN

Zirkuswagen

1940

Öl auf Leinwand
Inv. Nr. SG 1127

86 × 119 cm

zur  Biographie

„Im Artistenwagen“ bezeichnete Beckmann sein in Amsterdam gemaltes Werk in einer Gemäldeliste von 1940. Eine undatierte Kohlezeichnung bereitet die Komposition in ihren zentralen Motiven vor. Die charakteristische Enge und Abgeschlossenheit des Bildraumes finden sich hier ebenso angelegt wie die ausgeführten Personen. Bereits 1937 entstand ebenfalls in Amsterdam das Gemälde „Geburt“ (Nationalgalerie Berlin), das inhaltlich wie kompositorisch auf das Frankfurter Bild bezogen ist. Die räumliche Enge und Beziehungslosigkeit der Figuren lassen eine ähnliche sinnbildhafte Verwendung der Bildmotive erkennen. Dass Beckmann dem Zirkusdirektor in der Frankfurter Komposition porträthafte Züge verlieh, verweist Carla Schulz-Hoffmann zufolge darauf, dass sich der Künstler als beobachtender Außenseiter der Gesellschaft verstand. Das Motiv des Emporsteigens nimmt im Œuvre Beckmanns eine bedeutende Rolle ein und findet sich bereits in dem 1921 entstandenen „Traum“ (Saint Louis Art Museum). Für den Krüppel, der dort über eine Leiter den Bildraum zu verlassen versucht, deutet sich nicht einmal eine Luke an wie später im „Zirkuswagen“. Die versuchte Flucht – und Beckmann meint hier existenzielle Rettung im umfassenden Sinn – bleibt damit im ersten Bemühen stecken. Aber auch beim „Zirkuswagen“ weiß der Betrachter nicht, ob es dem Artisten gelingt, den Bildraum zu verlassen. Zu einer letzten Erlösung kommt es im Werk Beckmanns erst mit dem „Abstürzenden“ (National Gallery, Washington) von 1950. So wird das Motiv des Aufsteigenden zu einem bedeutenden Sinnbild für Beckmanns lebenslanges Ringen mit der Wirklichkeit und die Möglichkeit, ihr zu entrinnen. Seine Malerei ist ein „figuratives Gleichnis, eine in Realien eingeschlüsselte Allegorie aus existentieller Erfahrung“ (Haftmann).

Zudem fällt die kompositorische Nähe des „Zirkuswagens“ zu den seit 1933 entstehenden Triptychen auf. Die Dreiteilung des Bildes in ein horizontal gegliedertes Mittelstück und die beiden flankierenden, vertikal orientierten Seitenfelder ist mit den entsprechenden Kompositionen der „Abfahrt“ (Museum of Modern Art, New York) oder „Versuchung“ (Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München) von 1936/37 vergleichbar.

Zirkus- und Varietémotive gehören zu den zentralen Bildthemen Beckmanns. Die von Schopenhauer geprägte Sicht des Lebens als Welttheater gewann für ihn nach den Kriegserlebnissen 1914/15 zunehmend an Bedeutung. Die Welt des Theaters und des Zirkus wurde für den Künstler zum Gleichnis für die Verstrickungen menschlicher Existenz, für Verwirrungen, die im Rollenspiel und in der Sprachlosigkeit enden. Beckmann verstand die Malerei stets als seine Möglichkeit, dem eigenen Weltverständnis zu begegnen. In diesem Sinn griff er immer wieder auf einmal gefundene Bildmotive zurück und schuf sich damit ein eigenes – zutiefst subjektiv geprägtes – Bildrepertoire.


Weitere Werke

  • Die Synagoge in Frankfurt am Main Mehr
  • Hinter der Bühne (Backstage) Mehr
  • Bildnis Fridel Battenberg Mehr
  • Die Weintraube Mehr
  • Selbstbildnis mit steifem Hut Mehr
  • Tegeler Freibad Mehr
  • Tänzerin Mehr
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