AUGUSTE RODIN

Eva

1881

Bronze
Inv. Nr. St. P 374 (Eigentum Städelscher Museums-Verein e.V.)

192 cm

zur  Biographie

Das 1880 begonnene Großprojekt zur so genannten Höllenpforte – eigentlich ein zweiflügeliges Bronzeportal für das einst geplante Pariser Musée des Arts Décoratifs (auf dem Gelände des heutigen Musée d’Orsay) – war für Rodin ein unerschöpfliches Reservoir von Einzelfiguren, die er immer wieder in neuen Kombinationen und Kontexten präsentierte. Auch Eva hat ihre Wurzel in diesem gigantischen Werk, in dem sie gemeinsam mit Adam das Portal flankierend ihren Platz gefunden hätte. Die Frauenfigur ist geprägt vom Moment der Erkenntnis der Scham. Dabei verbirgt sie nicht nur ihre Brust, sondern auch ihr Gesicht: Die alttestamentliche Figur aus der Schöpfungsgeschichte ist in einen individuellen Menschen verwandelt worden. Voll des Staunens beschrieb Rilke später diese Skulptur: „Und die Eva, wie weit in die Arme hineingebogen, deren nach auswärts gewendete Hände alles abwehren möchten (auch den eigenen – sich verwandelnden Leib).“ Die Oberfläche der lebensgroßen Figur ist unruhig und gibt starke Lichtreflexe in den Raum hinein ab. Dies ist nicht nur dem unvollendeten Zustand der Arbeit geschuldet – die Schwangerschaft des Modells ließ keine Vollendung zu –, sondern auch dem ausdrücklichen Bestreben des Künstlers, das Licht in impressionistischer Weise über den Körper tanzen zu lassen.



Zur Schenkung des Werkes:
Der Industrielle Georg Hartmann (1870–1954), Inhaber der Bauerschen Schriftgießerei, war seit 1920 Mitglied des MuseumsVereins wie der Museums-Administration. Und Georg Hartmann war Kunstsammler. Im Schwerpunkt besaß er mittelalterliche Plastik, doch reichte sein Interesse bis in die Moderne. Besonderen Anteil nahm Hartmann an der künstlerischen Entwicklung Max Beckmanns und an der aktuellen französischen Skulptur. 1942 gelang es ihm ? durch die Hilfe des damaligen Städel-Direktors Ernst Holzinger – die zwei monumentalen Eva-Darstellungen Auguste Rodins und Charles Despiaus’ zu erwerben. Kurz vor seinem Tod vermachte er beide dem Städel Museum als Geschenk.

12345  Bewertung: (5.00)

sagte:
Rodin an sich liebe ich ja sowieso. Aber diese Eva, die so in sich gekehrt und verletzlich wirkt und dennoch nicht schmächtig erscheint - das ist eine Ausstrahlung, der man sich nicht entziehen kann.
Geschrieben um: 14.11.2008 00:19
sagte:
Ihre Trauer und Scham ist in jedem Körperteil zu sehen. Endlich mal eine Eva, die das wahre Gefühl ausdrückt und nicht einfach nur hübsch aussieht!
Geschrieben um: 09.07.2008 14:53
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