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© VG Bild-Kunst, Bonn 2013

JEAN DUBUFFET

Le violoniste au chien / Der Violinspieler mit Hund

1952

Rohrfeder und Pinsel, Chinatusche auf Velinkarton
Inv. Nr. SG 3356

45.5 × 64.5 cm

zur  Biographie

Auf den ersten Blick sind der im Titel genannte Violinspieler und die ihm zugewandte Gestalt eines Hundes im lockeren Liniengespinst dieser Zeichnung kaum zu entdecken. Doch löst sich das anrührende Paar an zentraler Position aus seiner Umgebung. In freiem Duktus führte der Künstler teilweise parallel gehaltene Rohrfedern über das Blatt und brachte so seine Linien gleichsam disharmonisch zum Klingen. Dieser beschwingt undefinierte, flächenbezogene Raum bildet den hellen Vordergrund.

Er bietet noch weiteren vorstellbaren Gestalten Platz, doch nur Musikant und Tier sind in den andersartigen oberen Bereich der Zeichnung eingebunden. Ihn baute der Künstler mit dem Tuschpinsel aus eng gedrängten Zellformen auf, die er mit dunklen Binnenfeldern versah. Kontrastierend zu der vorn herrschenden Idylle wirkt dieser fest gefügte Hintergrund wie der Plan einer dicht besiedelten Großstadt.

Jean Dubuffet, der sich erst im Alter von 41 Jahren endgültig der Malerei zuwandte, arbeitete von Beginn an jenseits gängiger inhaltlicher und ästhetischer Normen. Wegweisend waren für ihn die Werke unangepasster, künstlerischer Außenseiter, die er selbst sammelte und für die er den Begriff der »Art brut« prägte. Die Originalität seiner trivial und zugleich human anmutenden Auffassung der menschlichen Figur und seine rauhe Malweise stießen in der Nachkriegszeit in Amerika, wo seine Werke seit 1946 durch Ausstellungen in der New Yorker Pierre Matisse Gallery bekannt gemacht wurden, auf großes Interesse. Aus Paris, dem tonangebenden Zentrum der Kunst jener Zeit kommend, arbeitete Dubuffet vom November 1951 bis zum April 1952 für mehrere Monate in New York. Hier begegnete er auch Jackson Pollock, der mit seiner »Dripping«-Technik Furore machte. Die gegenseitige Aufmerksamkeit für ihre unkonventionellen künstlerischen Bildsprachen zeigt sich bei Dubuffet sogleich in einer Reihe von gezeichneten Figuren, mit denen er die Clochards der New Yorker Bowery in seine Themenwelt aufnahm. Diese »Bowery Bums« überraschen allerdings weniger durch das im Stadtbild wahrgenommene Motiv als durch den adäquat lebhaften, flüchtigen Duktus der Federzeichnungen. Nach seiner Rückkehr aus Amerika arbeitete der Künstler zwischen Juni und Oktober 1952 an den sogenannten »Terres radieuses / Strahlenden Erden«, einer Gruppe aus 32 Zeichnungen, zu denen auch der »Violoniste au chien« gehört. Das Linienspiel und das Ausufernde dieser imaginierten Landschaften gleicht einer Antwort des Europäers Dubuffet auf das »all-over«-Prinzip des Amerikaners Pollock.


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12345  Bewertung: (5.00)

:: MBR :: sagte:
Violin..lin..lin...
i always admire artwork like this.
Geschrieben um: 10.07.2008 17:20
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