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© Samuel L. Francis Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2013

SAM FRANCIS

Red Spot / Roter Fleck

1953

Aquarell, Gouache auf Velin
Inv. Nr. SG 3360

35 × 27 cm

zur  Biographie

»Red Spot«, ein frühes Werk des Amerikaners Sam Francis, erfordert kontemplative Betrachtung. Es bildet nicht ab, sondern schildert das Leben von Farbe und Form, von Licht und Dunkelheit. Die Zeichnung entstand 1953 in Paris und zeigt im Stil vergleichbarer Gemälde jener Jahre die für Francis typische Bildstruktur aus wuchernden Farbflecken. Es ist ein überwiegend schwarzes, aber bewegtes Raumgefüge aus dicht schwebenden Formen, die über den Bildrand hinausgreifen und so die Vorstellung einer kontinuierlichen Unendlichkeit hervorrufen. Die Dynamik der zunächst fast monochrom wirkenden Komposition wird durch den am oberen Bildrand aufscheinenden roten Fleck offensichtlich und spürbar. Aktiv verweist diese farbige Zone, ebenso wie an anderen Stellen zurückhaltender durchbrechendes Orange und Spuren von Blau, auf die versetzte Schichtung der Tusche. Im lebhaften Wechsel hatte der Künstler mattes und glänzendes Schwarz mittels zahlreicher Pinselstriche übereinandergesetzt.

Der an der amerikanischen Westküste aufgewachsene Sam Francis studierte zunächst Psychologie und Medizin, bevor er, während einer jahrelangen Rekonvaleszenz nach einem Flugzeugabsturz im Dienst der U. S. Air Force, zu malen begann. Nach dem Kunststudium an der California School of Fine Arts zog es Francis 1950 in die anregende Atmosphäre des Paris der fünfziger Jahre. Für kurze Zeit arbeitete er an der Académie von Fernand Léger, schloss sich aber schon bald der Gruppe junger amerikanischer Maler um Jean-Paul Riopelle an. Mit Vehemenz trieben sie die Malerei an ihre Grenzen und fanden vor dem Hintergrund des amerikanischen »all over« eines Jackson Pollock zu neuen malerischen Formsprachen.

Von besonderem Einfluss für die Entwicklung von Francis war dabei seine Auseinandersetzung mit der Tradition der französischen Malerei, mit dem frühen Matisse, mit Cézanne, mit dem späten Monet und Bonnard. Ihre Farbigkeit und Formvorstellungen verband er mit der unendlichen Weite des so andersartigen amerikanischen Raumgefühls. Als »Amerikaner in Paris« nahm Francis 1952 an der von Michel Tapié initiierten Ausstellung »Signifiants de l’Informel« teil. Die malerische Verdichtung der frühen Kompositionen wird nach der späteren Begegnung des Künstlers mit der ostasiatischen Kunst und Gedankenwelt aufgebrochen. Sie weicht einem offenen, gleichsam befreiten Farbauftrag auf hell belassenen Flächen, so dass Bildräume von strahlender Farbigkeit und Energie entstehen. Letztlich ist das gesamte Werk von Sam Francis von einem poetisch anmutenden Nuancenreichtum im Umgang mit Licht und Farben geprägt.

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