Größenvergleich


KARL PHILIPP FOHR

Entwurf zu einem Triptychon mit Szenen aus dem Nibelungenlied

um 1817/18

Bleistift, Feder und Pinsel in Grau, laviert, Quadrierung in Bleistift auf gerippten Bütten (WZ: PM und Lilie)
Inv. Nr. 212

38.4 × 47.7 cm

zur  Biographie

Carl Philipp Fohr war ein ebenso talentierter wie unabhängiger Zeichner seiner Generation. Präzise Beobachtung und subjektive Auffassungsgabe bestimmen seine zahlreichen Naturstudien und Darstellungen südlicher Landschaft, aber auch seine Bildnisse und Interpretationen literarischer Vorlagen.

Sein Entwurf zu einem Nibelungen-Triptychon schildert im Mittelfeld den Abschied Kriemhilds vom Leichnam Siegfrieds. Die seitlichen Szenen zeigen links die Ermordung des Helden und rechts Dietrich von Bern mit dem gefesselten Täter Hagen vor der thronenden Kriemhild. Die Darstellung der stillen Trauer um den geliebten Siegfried zwischen vorhergehender Arglist und folgender Rachsucht setzte Fohr hinter eine rahmende Scheinarchitektur. Sie erinnert an das gotische Maßwerk venezianischer Palazzi, die der Student 1815 gesehen haben mag, als er von München aus auf den Spuren Dürers bis nach Venedig gereist war. Die Durchlässigkeit der Konstruktion schafft eine zurückhaltende Trennung der unterschiedlichen Handlungen und eine schmückende Betonung seiner poetisch märchenhaften Inszenierung.

Der Stoff des 1755 in Hohenems aufgetauchten Nibelungenliedes wurde im Zusammenhang der 1813 bis 1815 gegen Napoleon gerichteten Freiheitskriege von der patriotisch gestimmten Jugend begeistert aufgenommen. Der junge Fohr erhielt zu dieser Zeit durch seinen Mentor, den Historiker Philipp Dieffenbach in Darmstadt, Kenntnis von altdeutschen Dichtungen wie dem Nibelungenlied. Später, im Kreis der Heidelberger Studenten, wurde das deutsche Heldenepos gelesen, aber erst in Rom, fern der Heimat, schlug sich das Interesse in seiner Kunst nieder. Als Fohr dort im Herbst 1816 eintraf, begegnete er Peter Cornelius, der an großen Zeichnungen zum Nibelungenlied arbeitete, die 1817, ein Jahr nach dem Faust-Zyklus, als druckgraphische Folge erschienen. Sowohl die architektonische Rahmung im Titelblatt als auch die altdeutsche, von Dürers Kupferstichen abgeleitete Linienmanier und das Pathos des Nazareners unterscheiden sich wesentlich von der romantischen Auffassung des Jüngeren, seinem zeichnerischen Duktus und der spontan wirkenden Lavierung, die Figur und Raum malerisch zusammenbindet.

Der plötzliche, frühe Tod Carl Philipp Fohrs, er ertrank im Sommer 1818 im Tiber, ließ manches seiner Projekte unvollendet. Während seine ins Städel gelangten Entwürfe für ein Gruppenbild der deutschen Künstler im Café Greco einen geplanten Kupferstich vorbereiteten, bleibt nur zu vermuten, welchem Ziel der Entwurf zum Nibelungen-Triptychon dienen sollte. Die Quadrierung deutet auf eine wesentlich größere Ausführung hin, sprich für ein Gemälde, ein Transparent oder gar für ein Wandbild.


Weitere Werke

  • Die Wasserfälle von Tivoli Mehr
12345  Bewertung: ()

Noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar hinzufügen

E-Card versenden


* Pflichtfeld

Absender:






Empfänger:








Nachricht:



Copyright © 2014 Städel Museum. Alle Rechte vorbehalten.