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GIOVANNI BATTISTA TIEPOLO

Singende und musizierende Engel: Deckenentwurf für den Dom zu Udine

um 1726

Feder in Braun, Pinsel in zwei Brauntönen, in Rot, Grün, Violett und Grau, über grauer Kreide
Inv. Nr. 14188

51.5 × 76.1 cm

zur  Biographie

Der großformatige Entwurf zur Ausmalung der Halbkuppel, die die Kapelle des Heiligen Sakraments im Dom von Udine überwölbt, ist eine der wenigen erhaltenen frühen Zeichnungen von Giovanni Battista Tiepolo und zudem in einer farbigen Technik ausgeführt, die sonst bei ihm nur selten zu finden ist. Der noch junge Tiepolo wurde 1726 von Venedig nach Udine im Friaul berufen, wo er Deckengemälde im Erzbischöflichen Palast und im Dom ausführte. Diese Fresken stehen mit am Beginn seines Werdegangs als wohl größter Ausstattungsmaler des 18. Jahrhunderts, dessen Werke nicht nur in Italien, sondern in ganz Europa gefragt waren. Auf dem Blatt des Städel Museums sind die Proportionen der Halbkuppel und des sie durchschneidenden Fensters in präzisen, festen Kreidelinien vorgegeben.

Darüber skizzierte Tiepolo mit lockeren, schnellen Federstrichen seine Entwürfe, die er dann virtuos mit dem Pinsel farbig ausführte. Links und rechts in den Ecken sind musizierende Engel zu sehen; zu den Klängen ihrer Instrumente singen vier weitere Engel, die in zwei Gruppen auf halber Höhe links und rechts des Fensters angeordnet und von schwebenden Putten begleitet sind. Ein weiterer Putto sitzt ganz oben auf einer Wolke, die durch eine gemalte Deckenöffnung nach unten quillt. Die Lichtführung folgt dem natürlichen Licht, das durch das Fenster in der Kuppel einfällt. Der Entwurf stand offenbar früh im Entstehungsprozess des Deckenfreskos, denn die ausgeführte Fassung zeigt erhebliche Veränderungen. Aus der Entwurfszeichnung sind neben der Öffnung zum Himmel nur die zwei Gruppen der singenden Engel übernommen. Tiepolo werden die Veränderungen nicht schwer gefallen sein. Sein lebhaftes Temperament und sein schneller Geist sprechen aus der Zeichnung; trotz des rasanten Tempos, in dem er Feder und Pinsel führte, sind die Gestalten leicht und präzise charakterisiert. Sie lösen sich, wie es das illusionistische Ziel des Entwurfes war, von der Wand und scheinen über den Köpfen der Menschen im Raum zu schweben.

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