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ANNIBALE CARACCI

Studie zu einer ruhenden Venus

um 1602

Feder in Braun über schwarzer Kreide, Pinsel in Braun, weiße Kreide auf blauem Papier
Inv. Nr. 4060

27.8 × 37.8 cm

zur  Biographie

Die Studienzeichnung diente der Vorbereitung eines großen Gemäldes mit schlafender Venus und spielenden Putten (heute im Musée Condé, Chantilly), das Annibale Carracci für die Ausstattung der Privatgemächer des Kardinals Odoardo Farnese (1573–1626) im Jahr 1602 ausgeführt hat. Wohl inspiriert von Gemälden Tizians in der eigenen Sammlung, ließ sich der Kardinal neben der »Venus« eine umfangreiche Dekoration erotischer mythologischer Szenen entwerfen. In den Jahren zuvor hatte Carracci für denselben Auftraggeber das große Deckenfresko der Galleria Farnese im Palazzo Farnese in Rom geschaffen, das mit einer modernen Erneuerung der klassischen Malerei der Epoche Raffaels einen bedeutenden Einfluss auf die Kunst des 17. Jahrhunderts ausgeübt hat.

Auf dem großen Bogen blauen Papiers skizzierte Carracci zunächst die Umrisse der schlafenden Venus in schwarzer Kreide und modellierte dann ihren üppigen Körper durch Verreiben von schwarzer und weißer Kreide. Danach fasste er die Figur mit einer Konturlinie in Feder ein, die, immer wieder innehaltend, nicht die ondulierende, dekorative Schönheit eines manieristischen Konturs sucht, sondern wie eine Stütze des plastischen Volumens wirkt. Die auf diese Weise herausgearbeitete sinnliche Körperlichkeit ist durch die Armhaltung der Schlafenden gesteigert (hier folgte Carracci dem Vorbild einer berühmten antiken Skulptur, der »Schlafenden Ariadne« in der Sammlung des Vatikan). Der über den Kopf gelegte linke Arm gibt den Körper preis, während der rechte zur Brust zurückgeführt ist. Diese Geste mag des Erotischen zu viel gewesen sein, denn in den beiden anschließenden Federstudien oben rechts und links erwog Carracci dafür alternative Haltungen. Interessant sind die beiden eigenhändigen Signaturen, die auf die Bedeutung verweisen, die der Künstler seinen Zeichnungen gab und vielleicht sogar die Praxis von Kunsthändlern reflektieren, solche Studienblätter zu zerschneiden und einzeln zu verkaufen.

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