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CLAUDE LORRAIN (CLAUDE GELLÉE)

Landschaft mit rundem Turm und Meeresbucht

um 1635-40

Kreide, Feder und Pinsel in Grau-Braun, Rötel
Inv. Nr. 1266

15 × 21.8 cm

zur  Biographie

Die kleine, mit den sparsamen Mitteln Feder und Pinsel ausgeführte Zeichnung, in der der Blick vom Mittelgrund mit dem massigen runden Turm über eine weit entfernte Stadtsilhouette zu einer Baumgruppe im Vordergrund geführt wird und dabei zwanglos die ganze Tiefe der hügeligen Küstenlandschaft durchmisst, ist wie ein vollendetes Gemälde ausgeführt. Ein Spektrum von ganz dunklen Flächen bis hin zum unbezeichneten, hellen Papierton erzeugt ein poetisches, stimmungsvolles Licht, das die ganze Landschaft erfüllt und sie träumerisch und zeitlos erscheinen lässt. Zugleich hat Claude, wie die Konstruktionslinien in Rötel zeigen, viel Sorgfalt auf eine ausgewogene Verteilung der Bildelemente verwandt.

Der Lothringer Maler Claude Lorrain, der als Heranwachsender nach Rom kam und dort fast sein ganzes langes Leben blieb, unternahm Ausflüge in die malerische Umgebung der Stadt und zeichnete nach der Natur. Auf diese Weise erarbeitete er sich Motive und Lichtwirkungen. Aus den Studien entwickelte er Landschafts-Kompositionen, die in Ölgemälde von ganz eigenem, »klassischem« Ausdruck mündeten. Seit den 1630er Jahren waren Claudes Landschaften hoch begehrt; oft entstanden sie als Auftragsarbeiten für Angehörige der gehobenen Gesellschaft, für Fürsten und hohe kirchliche Würdenträger.

Die »Landschaft mit rundem Turm und Meeresbucht« ist eine Kompositionsstudie, wurde aber nicht als Ölgemälde ausgeführt. In ähnlicher Form findet sie sich allerdings in einem 1637 entstandenen Bild, das der Sekretär des französischen Botschafters in Rom in Auftrag gegeben hatte. Etwa um diese Zeit, sei es als Vorüberlegung zum Gemälde, sei es als nachträgliche Variante, wird auch die Zeichnung entstanden sein, die dann als eigenständiges Kunstwerk bewahrt wurde. Im späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert gelangte sie in die Sammlung von Johann Friedrich Städel, der wohl durch seine internationalen Kontakte, durch den englischen oder französischen Kunsthandel, auf den in Deutschland weniger beachteten Claude Lorrain aufmerksam wurde.


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