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SEBASTIANO DEL PIOMBO

Studie für die Martha in der »Auferweckung des Lazarus«

um 1517-19

Schwarze und weiße Kreide auf blauem, geripptem Büttenpapier
Inv. Nr. 399 (Erworben durch Johann David Passavant auf der Versteigerung der Sammlung König Wilhelm II. in Den Haag 1850)

28.2 × 22.7 cm

zur  Biographie

Die skeptische Martha wollte an die Auferweckung ihres verstorbenen Bruders Lazarus durch Christus nicht glauben. Als man das Grab öffnete, unterstrich sie ihren Zweifel durch den Ausruf »Herr, er riecht schon!« (Johannes 11; 39). Diesem Moment gibt Sebastiano del Piombo in seiner Kreidezeichnung auf blauem Papier Ausdruck: Martha wendet sich ab und macht mit beiden Armen eine heftige Geste der Abwehr.

Die »Auferweckung des Lazarus«, vollendet 1519, heute in der National Gallery in London, ist das größte Gemälde des venezianischen Malers Sebastiano del Piombo, der seit 1511 in Rom arbeitete. Dort geriet er in den Konkurrenzkampf zwischen Raffael und Michelangelo. Als Kardinal Giulio de’ Medici zum Bischof der südfranzösischen Stadt Narbonne ernannt worden war, bestellte er bei Raffael ein großes Gemälde der »Transfiguration Christi« für die Kathedrale dieser Stadt. Möglicherweise auf Betreiben Michelangelos wurde Sebastiano kurz darauf mit der »Auferweckung des Lazarus« als gleich großem Pendant für denselben Ort beauftragt. Michelangelo unterstützte Sebastiano bei diesem Gemälde mit Zeichnungen; gleichwohl entschied sich Giulio de’ Medici am Ende, nur Sebastianos Gemälde nach Südfrankreich zu schicken, die bei Raffaels Tod 1520 kurz vor der Vollendung stehende »Transfiguration« aber für sich selbst zu behalten.

Die Studie zur Martha gehört nicht zu den Zeichnungen, die Michelangelo so hilfreich lieferte, sondern ist von Sebastiano ausgeführt. Im Gegensatz zu Raffael baut er seine Figur nicht von innen, von der Anatomie her auf, sondern gibt ihr durch feste, große Gewandformen Ausdruck und Form. Die Technik der Kreidezeichnung auf blauem Papier, mit der er zum Beispiel Hautoberflächen modelliert oder die Stofflichkeit der Kleidung und des aus der Tracht der römischen Campagna entlehnten Kopfschmucks zur Geltung kommen lässt, kommt aus der venezianischen Tradition. Über der Martha sind noch einige weitere erstaunte Betrachter des Wunders skizziert, die Gestalt rechts neben ihr könnte eine Überlegung zur Figur des Lazarus sein, die aber schließlich nach einem Entwurf Michelangelos gestaltet wurde. Johann David Passavant erwarb das Werk gemeinsam mit den Zeichnungen Raffaels 1850 bei der Versteigerung der Sammlung König Wilhelms II. von den Niederlanden für das Städel Museum.

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