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FRANCESCO PRIMATICCIO

Tanz der Horen, Entwurf für das zentrale Plafondbild der Galerie d´Ulysse in Fontainebleu

um 1548-49

Rötel, rötlich laviert, weiß gehöht, auf rötlich grundiertem Papier
Inv. Nr. 615

35.8 × 33.5 cm

zur  Biographie

Francesco Primaticcio, ausgebildet in Mantua durch Raffaels Schüler Giulio Romano, wurde 1532 von Franz I. an den französischen Hof berufen, wo er 1540 zum leitenden Künstler aufstieg und insbesondere für die prachtvolle Ausstattung des Schlosses von Fontainebleau verantwortlich war. Ein Höhepunkt dieser Anlage, mit der sich der französische König eine Residenz schaffen wollte, die es künstlerisch mit den großen Ensembles der italienischen Renaissance aufnehmen sollte, war die über 150 Meter lange »Galerie d’Ulysse«. Ihr Bildprogramm schilderte die Abenteuer des Odysseus, die in Bezug zu Szenen aus der Götterwelt und kenntnisreichen Allegorien gesetzt waren. Die Galerie wurde im 18. Jahrhundert abgerissen; sie lässt sich heute nur noch durch Beschreibungen, einige alte Kopien und die nicht wenigen erhaltenen Entwurfszeichnungen Primaticcios rekonstruieren, unter denen die Zeichnung des Städel Museums ein Hauptblatt ist. Im mittleren Gewölbe der Galerie, flankiert von einem Götterfest und einem Parnass mit Apollo und den Musen, stellte Primaticcio den »Tanz der Horen« dar, den unser großes und gut erhaltenes Blatt überliefert.

Die zwölf Stunden des Tages, die nach Homer die Himmelstore bewachen, erscheinen hier als junge, nackte Frauen, die sich an den Händen gefasst haben und, auf Wolken stehend, anmutig im Kreis tanzen. Räumlich über ihnen schweben in der Mitte drei weitere Frauen, die von purzelnden Putti mit Füllhörnern begleitet sind. Sie sind als die drei Grazien gedeutet worden, doch erscheint es wahrscheinlicher, dass mit ihnen die drei fruchtbare Jahreszeiten verkörpernden Töchter des Zeus und der Themis gemeint sind, die in der griechischen Mythologie gleichfalls als »Horen« bezeichnet wurden. Dieser mittlere Teil ist nachträglich in die Zeichnung eingeklebt, nachdem die ursprüngliche Passage herausgeschnitten worden war.

Primaticcio, der die illusionistischen Gewölbemalereien Correggios in Parma kannte, hat hier kühne Verkürzungen entwickelt, die die räumlich Öffnung nach oben suggerieren, während die einfallsreich abgewandelten Bewegungen der Tanzenden das Kreisen des Reigens andeuten. Der mit einem feuchten Pinsel übergangene Rötelstift dient im Verein mit feinen Weißhöhungen dazu, die üppigen Körper der weiblichen Akte zu modellieren. Zugleich sind sie durch den weißen Hintergrund in ein Gegenlicht gesetzt, das ihre Silhouetten betont und der Komposition eine ornamentale Wirkung gibt, eine formbewusste Stilisierung, die den manieristischen Tendenzen der »Schule von Fontainebleau« entspricht.

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