Größenvergleich


RAFFAEL

Studie zum Diogenes der "Schule von Athen"

vor 1510

Silberstift auf rosa-hellviolett grundiertem Papier
Inv. Nr. 380 (Erworben durch Johann David Passavant auf der Versteigerung der Sammlung König Wilhelm II. in Den Haag 1850)

24.4 × 28.3 cm

zur  Biographie

Auf der Wandfläche gegenüber der »Disputa«, die in der »Stanza della Segnatura« im Vatikanpalast die Gedankenwelt der Theologie veranschaulicht, schuf Raffael das Fresko der »Schule von Athen« als Sinnbild der Philosophie. Es zeigt in einer monumentalen klassischen Architektur eine Versammlung der größten Philosophen der griechischen Antike, die mit Schülern und Zuhörern in Erklärungen und Diskussionen vertieft sind. Der kynische Philosoph Diogenes, der eine Lehre der Bedürfnislosigkeit und der Unabhängigkeit von den Wertmaßstäben der Gesellschaft vertrat, hat sich auf Raffaels Wandbild halbnackt und leger mitten auf die breiten Treppenstufen der Wandelhalle gelagert. Er ist in ein Schriftstück vertieft und interessiert sich nicht dafür, dass er den heranschreitenden Platon und Aristoteles im Weg ist.

Die Silberstiftzeichnung des Städel Museums bereitet diese Figur auf eine für Raffaels Arbeitsweise beispielhafte Art vor. Es handelt sich um eine Studie nach einem Aktmodell, vielleicht einem Werkstattmitarbeiter, der sich für diesen Zweck bis auf eine kurze Hose entkleidet hat. Nur einige leichte, nachträgliche Striche deuten das Gewand des Diogenes an. In der Absicht, einen möglichst wirklichkeitsnahen, in der Bewegung lebendigen Körper zu zeigen, wiederholte Raffael einzelne Partien der Gestalt noch einmal, wobei er sich besonders für die perspektivische Verkürzung der Gliedmaßen und für die Gelenke interessierte. Die gewählte Haltung hat er später ohne weitere Veränderungen in das Fresko übernommen. Während die Vorzeichnung für die »Disputa« in Feder und Tinte ausgeführt ist, verwendete Raffael für die Studie zum »Diogenes« einen Silberstift auf rötlich eingetöntem Papier. Zügige, freie und dennoch sichere Linien umfahren die Körperformen und legen zugleich ihr Volumen an, welches durch schraffierte Schattenzonen weiter modelliert wird. So wie die Technik des Silberstifts hier eingesetzt ist, entfaltet sie im Verein mit dem getönten Untergrund eine koloristi he Wirkung. Auf diese Weise reflektierte Raffael beim Zeichnen zugleich die farbige Ausführung des Freskos.


Weitere Werke

  • Entwurf für eine thronende Muttergottes mit Kind und dem heiligen Nikolaus von Tolentino Mehr
  • Entwurf zur linken unteren Hälfte der "Disputa" Mehr
12345  Bewertung: ()

Noch keine Kommentare vorhanden

Kommentar hinzufügen

E-Card versenden


* Pflichtfeld

Absender:






Empfänger:








Nachricht:



Copyright © 2014 Städel Museum. Alle Rechte vorbehalten.