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RAFFAEL

Entwurf zur linken unteren Hälfte der "Disputa"

um 1508-1509

Feder in Braun, zum Teil mit Nadel durchstochen, das Papier teilweise ergänzt
Inv. Nr. 379 (Erworben durch Johann David Passavant auf der Versteigerung der Sammlung König Wilhelm II. in Den Haag 1850)

28.1 × 41.6 cm

zur  Biographie

Im Jahr 1508 gelang es dem 25-jährigen, noch verhältnismäßig unbekannten Raffael, einen bedeutenden Auftrag des Papstes Julius II. zu erhalten, die Wandfresken in der »Stanza della Segnatura«, einem neu hergerichteten Repräsentationssaal im Vatikan. Raffael löste diese Aufgabe so überzeugend, dass der Papst ihm auch die Ausstattung der angrenzenden Räume übertrug. Durch die Ausmalung der »Stanzen« stieg Raffael zu einem der führenden Künstler der italienischen Hochrenaissance auf.

Die »Stanza della Segnatura« war als Bibliothek vorgesehen, und ihre Wandgemälde repräsentieren die verschiedenen Gebiete des Wissens: die Theologie, die Philosophie, die Jurisprudenz und die Poesie. Das Fresko der »Disputa«, zu dem sich besonders viele vorbereitende Zeichnungen erhalten haben, versinnbildlicht die Theologie als eine Versammlung von Heiligen, Priestern, Gelehrten und Dichtern im Himmel und auf der Erde, die vor der Dreifaltigkeit das Sakrament der Eucharistie, der Verwandlung des Brotes in den Leib Christi während d Messfeier, diskutieren.

Die Zeichnung des Städel Museums zeigt die linke untere Hälfte der Komposition. In vorhergehenden Entwurfsschritten hatte Raffael eine bewegte, intensiv miteinander agierende Figurengruppe entwickelt, die sich hinter zwei sitzenden Kirchenvätern links vom Altar versammelt hat. Um die Figuren so lebendig und wirklichkeitsgetreu wie möglich wiederzugeben, vergegenwärtigte er sich jede einzelne als Aktstudie nach einem lebenden Modell. In der Zeichnung des Städel Museums fügte er diese Einzelstudien wieder zu einer Gruppe zusammen, um das räumliche Verhältnis der Figuren zueinander und ihre erregte Interaktion miteinander festzulegen. Obwohl die Komposition schon so weit fortgeschritten war, wurde sie bis zur endgültigen Ausführung noch an mehreren Stellen verändert.

Johann David Passavant erkannte die herausragende Bedeutung dieses Blattes, das nicht nur eine meisterhafte Zeichnung ist, sondern auch Aufschluss über die Arbeits- und Denkweise des Künstlers gibt, und erwarb es 1850 für das Städel.


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