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RAFFAEL

Entwurf für eine thronende Muttergottes mit Kind und dem heiligen Nikolaus von Tolentino

um 1503-04

Feder in Braun, einige Linien in schwarzer Kreide, Griffelspuren
Inv. Nr. 376 (Erworben durch Johann David Passavant auf der Versteigerung der Sammlung König Wilhelm II. in Den Haag 1850)

23.3 × 15.4 cm

zur  Biographie

Zu den größten Schätzen der Graphischen Sammlung im Städel Museum zählt die Gruppe der Zeichnungen Raffaels, die der Kennerschaft und dem Weitblick von Johann David Passavant, dem Inspektor der Sammlungen von 1840 bis 1861, zu verdanken sind. In dieser Gruppe macht die reizende Federzeichnung einer thronenden Muttergottes mit Kind und dem heiligen Nikolaus von Tolentino den Anfang. Raffael schuf sie im Alter von etwa 20 Jahren, in einer Zeit, als er, noch unter dem Einfluss der Werke von Pietro Perugino, mit den ersten Altargemälden für Auftraggeber aus seiner umbrischen Heimat beschäftigt war.

In einer Pfeilerarchitektur thront die Muttergottes auf einem hohen, von einem Baldachin bekrönten Thron, zu dem podestartige Stufen emporführen. Auf dem leicht nach vorne gestellten rechten Bein hält und präsentiert sie das Christuskind, das die Betrachter anschaut und sie mit seiner kleinen Hand segnet. Unmittelbar vor dem Thron steht auf der linken Seite der jugendliche Nikolaus von Tolentino, ein heiliger Mönch, der im 13. Jahrhundert in Mittelitalien wirkte und dort besonders verehrt wurde. Er ist an dem Stern auf seiner Brust zu erkennen, denn er wurde angeblich von solch einem Stern begleitet. Die rechte Hälfte der mit leichten, flüssigen und dennoch mitteilsamen und charakterisierenden Federstrichen ausgeführten Zeichnung ist frei gelassen. Das Blatt diente wahrscheinlich der Präsentation bei einem Auftraggeber, dem das Prinzip der geplanten Komposition erläutert werden sollte. Vielleicht ging es dabei um den 1505 vollendeten und in einer Kirche in Perugia aufgestellten »Ansidei-Altar« (heute in der National Gallery in London), der einen ganz ähnlichen Thron und einen halbrunden oberen Abschluss zeigt. Rechts und links begleiten Muttergottes und Kind im ausgeführten Altar der heilige Nikolaus von Bari und Johannes der Täufer. Es ist ein reizvoller Gedanke, dass Raffael in seiner ersten Idee für den Altar irrtümlich den »falschen« heiligen Nikolaus dargestellt haben könnte.


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