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FRA BARTOLOMEO (BACCIO DELLA PORTA)

Landschaft mit Torbogen-Ruine

um 1495-1508

Feder in Braun
Inv. Nr. 16240 a

20.2 × 28.4 cm

zur  Biographie

Die skizzenhaft unvollendet wirkende Federzeichnung zeigt den Ausschnitt einer Landschaft. Auf einer baumbewachsenen Anhöhe ist ein einzeln stehender Torbogen zu sehen, der eine steile Senke überragt. Das ungewöhnliche Motiv erscheint weder kopiert noch frei erfunden; es ist eine reale Ansicht, die der Künstler nach der Natur gezeichnet hat. Fra Bartolommeo hat dieselbe Anhöhe noch einmal gezeichnet – dieses Blatt befindet sich im Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam – und die Darstellung dabei mit weiteren Einzelheiten, zum Beispiel einigen fernen Häusern, zwei Wanderern, weiteren Büschen und Bäumen, ausgeschmückt. Offenbar ist die erste Skizze, das Blatt des Städel Museums, in der Landschaft selbst entstanden; nach dieser dann, wahrscheinlich im Atelier, die ausgearbeitete Version. Auch die Federproben am Rand der Städel’schen Zeichnung sind ein Hinweis auf ein spontanes, unmittelbares Entstehen vor dem Motiv. In der italienischen Malerei um 1500 ist die Landschaft noch kein eigenständiges, autonome Thema, doch wenden sich ihr die Künstler mit forschendem Interesse zu. Der Maler Fra Bartolommeo, der um 1500 Mönch im Dominikaner-Orden wurde, zeigt dabei eine besondere Haltung. Während etwa Leonardo da Vinci in Zeichnungen die unbändigen Kräfte der Natur zu erfassen sucht, andere Künstler kultivierte, dem Menschen unterworfene Gärten (als angemessene Szenerien für Figurendarstellungen) zeigen, tritt er der Landschaft mit einer unvoreingenommenen Bereitschaft zum Erleben entgegen, die in seiner Zeit einzigartig ist. Bei Fra Bartolommeo findet man eine spontan beobachtete Natur, mit der der Mensch – oft als kleine Figur in das Bild integriert – in einem offenen Austausch steht. Nur sehr wenige seiner zahlreichen Landschaftszeichnungen (das Inventar seines Nachlasses zählt 106 auf ) hat er in Gemälden verwendet. Die Mehrzahl scheint er einfach zum Vergnügen geschaffen zu haben.
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