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PONTORMO (JACOPO CARUCCI)

Aktstudien (Zwei sitzende Männer, in einen Handspiegel blickend, und ein sitzender Knabe)

um 1515/20

Schwarze und weiße Kreide auf blauem Papier
Inv. Nr. 4288

42.2 × 27.2 cm

zur  Biographie

Zwei nackte Männer drängen die Köpfe aneinander und blicken gemeinsam in einen Handspiegel. Ihre muskulösen Körper sind in einer Kreidetechnik modelliert, der es weniger auf Genauigkeit oder Eleganz als auf Energie, Ausdruck und Suggestion ankommt. Eine gewisse Radikalität und Wildheit, die im Zeichenduktus zu liegen scheint, findet sich auch in den skizzenhaften Gesichtern unter zerzaustem Haar wieder. Der eine der Männer fasst den anderen an der Schulter, während dieser sich auf das Knie des ersteren aufstützt. Verschränkte Gliedmaßen und ein verbindender äußerer Kontur fügen die beiden, die vermutlich nach demselben Aktmodell gezeichnet sind, zu einem Doppelwesen zusammen. Im Vordergrund links ist ein sitzender Knabe oder Putto skizziert, der eine noch kompliziertere Sitzhaltung einnimmt.

Der Florentiner Maler Jacopo Carrucci, nach seinem Geburtsort »Pontormo« genannt, greift hier, zu einem Zeitpunkt, als die »klassische« Phase der italienischen Renaissance mit Raffael in Rom ihren Höhepunkt erreicht, auf eigenwillige Weise die überbordende Körperlichkeit der »maniera« Michelangelos auf. Die Zeichnung steht früh im Werk Pontormos; die Haltung des »Putto« gleicht der von Figuren aus den ersten Auftragsarbeiten des jungen Künstlers, Wandgemälden aus den Jahren von 1514 bis etwa 1520.

Die zwei aneinandergedrängten Männer können als Entwurf für eine Darstellung des Sternbildes der »Zwillinge« gelten. Über die mythologischen Zwillinge Castor und Pollux und deren Mutter Leda ist dieses Thema mit dem Haus der Medici verbunden. Sie waren als Herrscher von Florenz 1494 aus der Stadt vertrieben worden und verfolgten seit ihrer Rückkehr 1512 eine Politik der Verherrlichung ihrer früheren Regentschaft. Dabei wurden Giuliano de’ Medici (ermordet 1478) und sein Bruder Lorenzo il Magnifico (gestorben 1492) als mythische Zwillinge, ihre Mutter als Leda dargestellt. Um 1520 beschäftigte Pontormo sich mit Wandgemälden zum Thema der Leda, die nie ausgeführt worden sind, und mit denen die Zeichnung des Städel Museums im Zusammenhang stehen könnte.

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