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AGNOLO BRONZINO

Entwurf für das Deckenfresko in der Capella d´Eleonora di Toledo, Palazzo Veccio, Florenz

um 1540/41

Feder in Schwarz und Braun, Pinsel in Grau und Braun über schwarzem Stift, braun laviert, weiß gehöht, auf graublau grundiertem Papier
Inv. Nr. 4344 (Erworben durch Johann Friedrich Städel)

34.3 × 16.2 cm

zur  Biographie

Nach langen politischen Wirren festigte Cosimo I. (1519–1574) während seiner langen Regentschaft von neuem die Macht der Medici in Florenz. 1537 zum Herzog gewählt, heiratete er zwei Jahre später die Tochter des spanischen Vizekönigs von Neapel, Eleonora di Toledo (1522–1562). Zu demselben Zeitpunkt verlegte er seine Residenz in den Stadtpalast von Florenz, den Palazzo Vecchio. Agnolo Bronzino, Schüler und enger Mitarbeiter Pontormos, wurde beauftragt, dort eine persönliche Kapelle für die Herzogin auszumalen. Daraus entstand eines der Hauptwerke des Florentiner Manierismus, und Bronzino stieg mit ihm zum führenden Künstler am Hof Cosimos I. auf.

Die Decke der nur 20 qm großen Kapelle ist durch Bänder mit Girlanden haltenden Putten in vier Segmente geteilt, in denen jeweils ein Heiliger zu sehen ist; über der Altarwand des Raumes der Erzengel Michael, welcher zwei als Kinder auftretende Seelen gegen den Teufel verteidigt, links von ihm der Evangelist Johannes mit dem Adler, dann der heilig Franziskus, der die Wunden Christi empfängt, und schließlich der büßende heilige Hieronymus mit dem Löwen. Die Zeichnung der Graphischen Sammlung im Städel Museum, von Johann Friedrich Städel einst als ein Werk des Raffaelschülers Giulio Romano erworben, diente als »Modello« für dieses Deckenfresko und dürfte um 1540 angefertigt worden sein, um den Auftraggebern einen Eindruck von der geplanten Ausführung zu geben.

Die lavierte Federzeichnung mit Weißhöhungen auf einem graublau eingefärbten Papier lässt nichts von den leuchtenden Farben und den porzellanglatten Oberflächen des ausgeführten Freskos erkennen; sie gibt die Anordnung der Figuren, ihre Haltung und plastische Form sowie die geplante Lichtführung an. An einigen Stellen sind Abweichungen von der Vorzeichnung auszumachen; das spätere Fresko ist dann weiterhin in vielen Einzelheiten verändert, etwa durch die Umkehrung der Gruppe des heiligen Franziskus, mit der das Ensemble eine im Uhrzeigersinn kreisende Gesamtrichtung erhält. Wegen der niedrigen Höhe der Kapelle verzichtete Bronzino bei den auf Wolken schwebenden Figuren auf starke perspektivische Verkürzungen. Der heilige Michael ist mit seiner halb knienden, halb sitzenden Haltung, mit seinen »rotierenden« Gliedmaßen und der Ausrichtung auf die Bildfläche eine geradezu anti-klassische, beispielhaft manieristische Erscheinung.

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