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WOLF HUBER

Männliches Bildnis mit Schaube und breitkrempigem Hut

1522

Schwarze und rote Kreide, mit weißer Deckfarbe gehöhlt, im Gesicht über hellbraunem Aquarell
Inv. Nr. 16336

27.7 × 21.5 cm

zur  Biographie

Das Bildnis eines Unbekannten fesselt den Betrachter durch seine unmittelbare, lebendige Präsenz. Ein junger Mann mit rundlichem Gesicht und wie gebrochen wirkender Nase, bekleidet mit dem zeittypischen schweren Mantel (»Schaube«) und einem breiten, am Rand geschlitzten Barett, schaut uns offen an. Der eigentlich wache Blick enthält zugleich etwas Gedankenverlorenes und Träumerisches, das der Unmittelbarkeit ein Element von Distanz entgegensetzt. Die Lebendigkeit der Darstellung resultiert aus gekonnt eingesetzten Asymmetrien wie den ungleich großen Augen, der leichten Kopfwendung oder der gesenkten linken Schulter, aber auch aus der zeichnerischen Ausführung. Verschiedenfarbige Kreiden über einer zarten Grundierung im Bereich des Gesichtes sowie mit Deckfarbe aufgetragene Weißhöhungen sind so ineinander verwoben, dass die Wirkung einer von innen heraus atmenden, agierenden Oberfläche entsteht. Diese der Malerei verwandte Technik verzichtet auf begrenzende Konturlinien und beruht auf dem Zusammenwirken der Farben.

Im 17. Jahrhundert galt das beeindruckende Blatt als ein von Albrecht Dürer gezeichnetes Porträt des Malers Matthias Grünewald (1475/80–1528). Zu dieser Zeit war das ursprüngliche Monogramm WH des österreichischen Malers, Zeichners und Druckgraphikers Wolf Huber zwischen linker Schulter und Blattrand bereits entfernt und durch die gefälschten Initialen Dürers unter der authentischen Jahreszahl 1522 ersetzt worden. Die Überlieferung, hier seien uns die Züge Grünewalds erhalten, ist von der Forschung widerlegt; wen die mit ihrer aufwendigen Ausführung sicherlich als eigenständiges Kunstwerk entstandene Zeichnung zeigt, wird wohl nicht mehr zu erfahren sein. Das Bildnis wurde 1978 auf der Versteigerung der Sammlung Rudolf von Hirsch für die Graphische Sammlung im Städel Museum erworben. Der Offenbacher Industrielle Rudolf von Hirsch (1883–1977) hatte vor 1933 mit Hilfe des Städeldirektors Georg Swarzenski (1876–1957) eine umfangreiche, wertvolle Sammlung von Gemälden, Zeichnungen und Plastiken aufgebaut, die dem Städel Museum versprochen war, bis von Hirsch durch die Nationalsozialisten ins Exil getrieben wurde.

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