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ANTON RAPHAEL MENGS (1728 - 1779)

ANTON RAPHAEL MENGS

1728 - 1779

Mengs, Anton Raphael, Maler, Zeichner, Kunsttheoretiker, * 12.3.1728 Aussig (Böhmen), † 29.6.1779 Rom.

Der frühverwaiste Sohn des Miniatur- und sächsischen Hofmalers Ismael M. wurde bereits als Kind mit seinen Schwestern Therese Concordia und Julia Charlotte vom Vater erst in Dresden und 1741-44 in Rom ausgebildet. Dort hatte er vor allem Werke Raffaels und antike Plastiken im Vatikan und der Farnesina zu kopieren und seine anatomisch-künstlerischen Kenntnisse im Ospedale di S. Spirito und bei Marco Benefial und Sebastiano Conca zu vervollkommnen. Wieder in Dresden, erregte er bald mit seinen lebendig-repräsentativen, von emailhaftem Farbschmelz geprägten Pastellporträts (u. a. König August III., 1745) höchste Bewunderung. 1745 zum sächsischen Kabinettmaler ernannt, eröffnete sich für den hochbegabten und ehrgeizigen M. eine glanzvolle höfische Künstlerkarriere. Ein zweiter Aufenthalt in Rom seit 1746 diente besonders vertieften Studien nach Raffael, erweiterte sein Repertoire um religiöse Themen und die Öltechnik und endete 1749 mit der Konversion zum Katholizismus und der Heirat seines Modells Margherita Guazzi, Tochter eines Kutschers. Zurück in Dresden, wurde M. als Porträtist der Königsfamilie 1751 zum sächsischen Oberhofmaler ernannt und erhielt erste Aufträge zu Altarbildern der Hofkirche (u. a. Himmelfahrt Mariä). Um das Gemälde zu vollenden (erst 1766), unternahm er noch im Herbst 1751 seine dritte Italienfahrt, die den gefragten, bereits 1752 mit Ehrenmitgliedschaften der Akademien in Rom und Bologna ausgezeichneten Bildnismaler, der seit 1755 dank der Freundschaft mit Johann Joachim Winckelmann zu einem Protagonisten des Klassizismus wurde, zum Bleiben bewog. Hier erschloß er sich die antike Welt und gestaltete 1761 im statuarisch-idealisierten Deckenfresko Der Parnaß in der Villa Albani das gefeierte Programmbild eines antikisch-renaissancistisch verwurzelten Frühklassizismus, dem im folgenden Jahr sein theoretisches Hauptwerk Gedanken über die Schönheit und über den Geschmack in der Malerey folgte.

Nach der Berufung zum Hofmaler des neuen spanischen Königs Karls III. 1761 setzte M. in der produktiven, langen Wirkungszeit in Madrid (1762-69, 1774-77) den Weg zum Klassizismus mit Konzession an den hier immer noch mächtigen Spätbarock und im Wettbewerb mit dem zeitgleich in Madrid tätigen Tiepolo kontinuierlich fort. Er schmückte die Königspaläste in Madrid und Aranjuez mit Fresken antiker Mythen, malte Altarbilder und Porträts und erlangte als Mitglied der Real Academia de San Fernando (1763) und "Primer Pintor de Amara" (1766) großen Einfluß. 1766 bewilligte ihm der sächsische Hof die Nachzahlung seines Gehalts als sächsischer Hofmaler, und als er 1769 zur Wiederherstellung seiner Gesundheit über Monaco nach Italien reiste, erhielt er nicht nur hohe akademische Ehrungen in Florenz, Genua und Rom, sondern auch bedeutende Aufträge wie die Ausmalung der Stanza dei Papiri im Vatikan (Allegorie der Geschichte, 1771) und ein Altarbild für den Petersdom (Schlüsselübergabe an Petrus, 1772). 1774 wieder in Madrid, freskierte er den Königspalast mit der Apotheose des Kaisers Trajan, ersuchte aber 1776 um Erlaubnis zu einem neuerlichen Genesungsurlaub in Italien. Im Frühjahr 1777 trat er zur letzten Reise nach Rom an, wo er zwei Jahre später an Schwindsucht starb.

Noch fast ein Jahrhundert geehrt als ein Protagonist des Klassizismus von europäischer Bedeutung, dann fast ebenso lang – bis auf seine Porträtkunst – als Eklektiker geringer bewertet – , hat ihm die neuere Forschung wieder die Bedeutung eines zeitgebundenen, aber wichtigen Bahnbrechers des Übergangs vom Barock zum Klassizismus zuerkannt. Wesentliche Werkbestände befinden sich in den Staatlichen Museen Berlin, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, dem Museo del Prado in Madrid, den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München, der Staatlichen Eremitage St. Petersburg und der Graphischen Sammlung Albertina in Wien.

Günter Meißner

© Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. v. Rudolf Vierhaus, K. G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München 2005-2008.

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