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MEISTER VON FLÉMALLE, ROBERT CAMPIN (um 1375 - 1444)

MEISTER VON FLÉMALLE, ROBERT CAMPIN

um 1375 - 1444

Robert Campin wird erstmals 1405/06 als Maler in Tournai erwähnt, wo er 1410 das Bürgerrecht erwarb. Seine Herkunft ist unbekannt, sein Geburtsjahr kann auf etwa 1375 bestimmt werden. Vor 1422 heiratete Campin Ysabiel de Stoquain. Als Bürger und wohlhabender Künstler saß Campin 1425 und 1427 als einer von dreißig »eswardeurs« im städtischen Rat. Am 21. März 1429 (n. s.) wurde er wegen Zeugnisverweigerung gegen eines der führenden Mitglieder der bisherigen Stadtregierung zu einer Geldbuße und einer Pilgerreise nach St. Gilles-en-Provence verurteilt. Am 30. Juli 1432 wurde über ihn erneut, diesmal wegen Ehebruchs, eine einjährige Verbannung aus Tournai verhängt. Erst die Intervention der Gräfin von Hennegau führte zu einer Umwandlung dieser Strafe in eine Geldbuße. Robert Campin starb 1444 in Tournai.

Von den urkundlich dokumentierten Werken Campins ist nichts erhalten. Seine Identität mit dem von der älteren Forschung »Meister von Flémalle« genannten Maler ist wahrscheinhch, aber in der Forschung durchaus nicht unumstritten. Die namengebenden »Flémaller Tafeln« und das Schächer-Fragment des Städelschen Kunstinstituts gelten als unbestrittene Hauptwerke. Angesichts des regen Werkstattbetriebs, den der »Meister von Flémalle«/Campin über lange Jahre führte, ist die Frage der Eigenhändigkeit angesichts des heutigen Kenntnisstandes bei zahlreichen anderen Werken aber nicht sicher zu entscheiden.

Zusammen mit Jan van Eyck steht Roben Campin am Anfang der für uns faßbaren Entwicklung der altniederländischen Tafelmalerei. Mit Jan van Eyck teilt er das Interesse an den Erscheinungsformen der sichtbaren Welt. Anders als Jan van Eyck dient ihm die Wiedergabe von Licht- und Schatteneffekten aber weniger zur Einbettung seiner Figuren in einen atmosphärisch gegebenen Bildraum, als vielmehr zur markanten plastischen Herausarbeitung der Einzelform, die paradoxerweise gleichzeitig wieder an die Bildebene zurückgebunden wird. Als Lehrer Rogier van der Weydens und als Schöpfer eindringlicher Bildformulierungen beeinflußte Campin die Entwicklung der nachfolgenden Künstlergenerationen aufs nachhaltigste.

LITERATUR Max J. FRIEDLäNDER, Nicole VERONÉE-VERHAEGEN, Early Netherlandish Painting, Bd. II: Rogier van der Weyden and the Master of Flémalle Leiden-Brüssel 1967; Martin DAVIES, Rogier van der Weyden. Ein Essay. Mit einem kritischen Katalog aller ihm und Robert Campin zugeschriebenen Werke, München 1972; Peter H. SCHABACKER, Notes on the Biography of Robert Campin; in: Mededelingen, van de koninklijke Academie voor Wetenschappen, Letteren en Schone Kunsten van Belgie, Klasse der Schone Kunsten, 41, Nr. 2 (1980), S. 1-14

"Meister von Flémalle", Robert Campin, Flémaller Tafeln, um 1430

"Meister von Flémalle", Robert Campin: Flémaller Tafeln (Detail)

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