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FRA ANGELICO (FRATE GUIDO DI PIETRO DI MUGELLO) (vor 1399 - 1455)

FRA ANGELICO (FRATE GUIDO DI PIETRO DI MUGELLO)

vor 1399 - 1455

Die Bedeutung des malenden Dominikanermönches, der sein Werk nahezu ausschließlich religiösen Themen widmete und der zu den künstlerisch bestimmenden Kräften der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gehörte, erkannten schon die Zeitgenossen. Dies zeigen nicht nur die ebenso zahlreichen wie prestigeträchtigen Aufträge für Altarbilder und Freskenzyklen, sondern auch die - erstmals 1468 dokumentierte — Bezeichnung als "angelico" in Anspielung auf die engelhaften Qualitäten seines Wesens und seiner Malerei. Die ersten Lebensjahre sind kaum dokumentiert. Das erste gesicherte Datum bildet der für 1417 bezeugte Eintritt in die religiöse Laienbruderschaft von S. Niccoló di Bari, die im Untergeschoß der Kirche S. Maria del Carmine in Florenz zusammenkam. Der Eintragung ins Mitgliederverzeichnis zufolge ("Ghuido di Piero dipintore") war er zu diesem Zeitpunkt bereits ausgebildeter Maler. Das dazu vorauszusetzende Mindestalter von achtzehn Jahren liefert den terminus ante quem für seine Geburt von 1399. Diese Fakten zogen Vasaris Behauptung in Zweifel,der Maler sei 1387 geboren worden und habe 1407 bereits sein Mönchsgelübde abgelegt. Statt dessen wird nun meist ein Geburtsjahr in den späten 1390er Jahren angenommen, zwingend ist dies aber nicht. Stilvergleiche legen eine künstlerische Ausbildung bei dem Camaldulensermönch Lorenzo Monaco nahe, der im Kloster S. Maria degll Angeli eine gutgehende Werkstatt betrieb; in dasselbe Umfeld deutet der historisch bezeugte Kontakt mit dem Miniaturmaler Battista di Biagio Sanguini. Fra Angelico scheint um 1419 in den Dominikanerorden eingetreten zu sein, 1423 wird er erstmalig als "Frate" erwähnt.

Auch Fra Angelicos Frühwerk ist unsicheres Terrain. Ein für 1418 dokumentiertes Altarbild für S. Stefano al Ponte in Florenz ist verloren, andere urkundlich datierte Werke aus dem ersten Jahrzehnt seiner Tätigkeit gibt es nicht. Eine stilkritisch erstellte relative Chronologie läßt sich daher nur schwer in absolute Jahreszahlen übersetzen. Dies gilt selbst für das S. Pietro Martire-Altarbild: Einer für 1429 belegten Zahlung ungeachtet, könnte das Gemälde Jahre früher entstanden sein. Fra Angelicos Stil um 1420 spiegelt dagegen das für S. Domenico in Fiesole geschaffene, später von Lorenzo di Credi überarbeitete Hochaltarbild (Haupttafel noch in der Kirche, Predella in London, National Gallery). Ab 1422 setzte er sich mit Gentile da Fabriano, ab 1424 mit Masaccio auseinander. Hinzu trat die Beschäftigung mit zeitgenössischer Skulptur, insbesondere derjenigen Ghibertis. Die künstlerische Produktion der 1430er Jahre ist besser dokumentiert. Damals entstanden unter anderem das Linaiuoli-Tabernakel (ab 1433), die Beweinung für das Oratorium S. Maria della Croce al Tempio von 1436 (beide Florenz, Museo di San Marco) sowie das Perugia-Triptychon von 1437 (Perugia, Galleria Nazionale dell`Umbria). Gegen Ende des Jahrzehnts begann Fra Angelico die Ausmalung von S. Marco, das, 1436 in ein Dominikanerkloster umgewandelt, mit Geldern der Medici ausgebaut wurde: Neben dem Hochaltarbild schuf er einen umfangreichen Freskenzyklus im Zellentrakt. Ab 1445/46 war Fra Angelico im Vatikan tätig, zunächst für Papst Eugen IV. (Cappella del Sacramento, zerstört), ab 1447 für Papst Nikolaus V, (Cappella di S. Pietro, zerstört; Cappella di S. Lorenzo, heute als Kapelle Nikolaus' V. bekannt). Die nebenher begonnene Freskierung der Cappella di S. Brizio in Orvieto wurde nach Fertigstellung des - nicht zuletzt von Benozzo Gozzoli ausgeführten — Gewölbes abgebrochen. Spätestens im Frühjahr 1450 kehrte Fra Angelico nach Fiesole zurück, wo er bis 1452 das Amt des Priors wahrnahm. Für — nur fragmentarisch erhaltene - Arbeiten in S. Maria sopra Minerva wurde er erneut nach Rom berufen, wo er 1455 starb.

Während Schönheit und spiritueller Gehalt seiner Kunst zu allen Zeiten Bewunderung erregten, wurde Fra Angelicos Betrag zur Herausbildung der Renaissance lange unterschätzt. Dabei verstellte ein scheinbar gotisch geprägtes Vokabular den Blick nicht nur für seine Rezeption der Neuerungen eines Gentile da Fabriano, eines Masaccio oder eines Ghiberti, sondern auch für seine Wirkung auf das Werk eines Fra Filippo Lippi, eines Domenico Veneziano, eines Piero della Francesca oder eines Alessio Baldovinetti.

LITERATUR: Diane COLE AHL, Art. "Angelico, Fra"; in: AKL, Bd. 3 (1992), S. 751-754; Venturino ALCE, Angelicus pictor. Vita, opere e teologia del Beato Angelico, Bologna 1993; Carl Brandon STREHLKE, Fra Angelico Studies; in: Ausst. Kat. Painting and Illumination in Early Renaissance Florence 1300-1450 (New York, The Metropolitan Museum of Art, 17. Nov. 1994- 10. Febr, 1995), New York 1994, S. 25-42; William HOOD, Art. "Angelico, Fra"; in: DICTIONARY OF ART, Bd. 2 (1996), S. 30-40; John T. SPIKE, Angelico, Mailand 1996: Giorgio BONSANTI, Beato Angelico. Catalogo completo, Florenz 199; Carl Brandon STREHLKE, Angelico, Mailand 1998

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