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DIRCK VAN BABUREN (1594/95 - 1624)

DIRCK VAN BABUREN

1594/95 - 1624

Baburen, Dirck (Jaspersz) van, * wahrsch. um 1594/ 95 Utrecht, † 21. 2. 1624 ebd. Entstammt einer angesehenen Familie aus Wijk bei Duurstede/Prov. Utrecht.

Der Vater, Jasper van B., stand im Dienst der Baronin Gertruijd van Bronckhorst van Battenburg, Vicomtesse von Utrecht. Dies läßt eine überdurchschnittl. Ausbildung vermuten. Erstmals 1611 als Schüler von Paulus Moreelse in Utrecht nachweisbar. Da B. zu dieser Zeit etwa 16jährig war, handelt es sich wahrscheinl. um sein letztes Lehrjahr.

Vermutl. brach er kurz nach 1611 nach Italien auf, da er in diesem Jahr letztmals in der Utrechter Malergilde verzeichnet ist. Ein Gem. Martyrium des hl. Sebastian (verloren) in der Chiesa dei Servi in Parma trug auf der Rückseite B.s Namen und das Datum 1615. In Rom fühlte er sich zu den Malern um Manfredi hingezogen; 1619/20 lebte er mit dessen Mitarb. David de Haen im Pfarrbezirk San Andrea delle Fratte in derselben Straße, in der in jenem Jahr auch Manfredi wohnte. B. erhielt neben priv. auch wichtige öffentl. Aufträge.

Seine wichtigsten ital. Bilder entstanden in Zusammenarbeit mit D. de Haen für die Capp. della Pietà in S. Pietro in Montorio in Rom, wo sich eines seiner berühmtesten Bilder, die Grablegung von 1617, befindet. Diese Komposition, schon damals kopiert, verrät ein aufmerksames Stud. der Grablegung Caravaggios (Rom, Pin. Vaticana). Der stilist. Bezug zu Manfredi und seiner Darst. dieses Themas ist in den beiden Versionen der Dornenkrönung von 1621/22 (Utrecht und Kansas City) deutlich.

In Rom war B. im Umkreis des Kardinals Borghese tätig, für den er eine Gefangennahme Christi malte (Rom, Gall. Borghese), sowie für den Marchese Vincenzo Giustiniani, für den er die Fußwaschung Christi arbeitete (Berlin, Staatl. Mus.). Man glaubt, daß B. jener „Teodoro“ ist, den der Marchese in seinem berühmten, an Teodoro (Dirck van) Amayen gerichteten Brief von 1620 über die Kunsttheorie zitiert.

Wichtig ist auch, daß B. von Giustiniani in die 11. Kategorie eingeordnet wird, nur wenig unter die höchste 12., zu der nur Caravaggio, die Carracci und Guido Reni gehören. Über B. berichtet auch Mancini, der die Capp. della Pietà in seine Considerazioni (1621/22) einbezieht und den Maler als 21- oder 22jährigen erwähnt, der gerade die Gem. für S. Pietro in Montorio voll.

Diese biogr. Informationen stimmen mit den dokumentierten Daten über seine Familie und seine Geburt überein. Der Zeitpunkt der Rückkehr B.s nach Utrecht ist umstritten, v.a. wegen der versch. Versionen seines Gem. Christus unter den Schriftgelehrten (Oslo) von 1622. Indes wurde nachgewiesen, daß die eigenhändige Replik, zunächst in der Slg Mansi in Lucca, erst 1676 als Mitgift zur Ehe eines Mitgl. der Familie Van Diemen aus Amsterdam hierher gelangte. Es ist auch aus anderen Gründen wahrsch., daß B. um 1622 nach Utrecht zurückgekehrt war, vielleicht schon im Sommer 1620, vor der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten zw. Spanien und Holland am Ende des Waffenstillstandes von 1621.

Außerdem legen der Stil und das Sujet des Jungen mit der Maultrommel (Utrecht, Central Mus.), sign. und dat. 1621, sowie sein starker Einfluß in Holland eine Ausführung nach seiner Rückkehr nach Utrecht nahe. Die geschlossene, künstl. beleuchtete Komposition mit Halbfigur ist die erste in Utrecht gemalte Darst. eines Musikanten caravaggesken Typus. Dieses Bild führte zus. mit dem Flötenspieler von 1622 die Version der Einzelfigur des Musikanten in Holland ein, wie sie von Manfredi schon in der Gruppe verwendet wurde.

In Utrecht besuchte B. häufig Hendrick Ter Brugghen und wahrsch. teilten die beiden einen Arbeitsraum mit Gehilfen und Lernenden, denen sie die Neuheiten der caravaggesken Malerei vermittelten. Obwohl B. vermutl. schon vor seinem 30. Geburtstag starb, gab er der Kunst in Utrecht sowie der Entwicklung der Historien- und Genremalerei in Holland vor Rembrandt, auch durch die Verbreitung der „manfrediana methodus“, vielfältige und wichtige Anregungen. Seine Gem. wurden von Cryspin de Passe, Cornelis Bloemaert und Johann Friedrich Leonart gestochen.

R. Morselli

© Allgemeines Künstlerlexikon, Internationale Künstlerdatenbank, K.G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München/Leipzig.

Dirck van Baburen, Singender junger Mann, 1622

Dirck van Baburen: Singender junger Mann (Detail)

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