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POMPEO GIROLAMO BATONI (1708 - 1787)

POMPEO GIROLAMO BATONI

1708 - 1787

Batoni (Battoni), Pompeo Girolamo, ital. Maler, * 25. 1. 1708 Lucca, † 4. 2. 1787 Rom. Sohn des Goldschmieds Paolino B. und der Chiara Sesti.

Auf Wunsch des Vaters Ausbildung zum Goldschmied mit ersten Unterweisungen im Zeichnen in der väterl. Werkstatt. Diese Ausbildung prägte bei B. ein Empfinden für Feinheit, Präzision und „ornamentale Eleganz“ (Clark), das seinen Stil als Maler auszeichnete. In den letzten Jahren in Lucca besuchte B. die Zeichen-Akad. von Giovanni Domenico Lombardi und Domenico Brugieri, den damals bedeutendsten Malern der Region.

Am 7. 5. 1727 reiste B. zum Stud. der Malerei nach Rom, finanziell unterstützt von seinem Paten Alessandro Guinigi sowie sieben weiteren Adligen aus Lucca. Als Geschenk der Republik für den Papst führte er einen goldenen Kelch mit sich, den er entworfen und an der Cuppa mit 6 in ovale Felder eingeteilte Szenen aus der Passion und dem Volto Santo von Lucca, am Fuß mit Symbolen der Eucharistie in Bas-Relief-Technik verziert hatte. In Rom besuchte B. die Priv.-Akad. von Sebastiano Conca und Agostino Masucci, studierte Raffael im Vatikan und in der Villa Farnesina und zeichnete antike Skulpt. in der Slg des Vatikan.

B.s Heirat mit Caterina Setti, der Tochter des Kustos der Villa Farnesina, im Nov. 1729 war für B.s Gönner in Lucca Anlaß, ihm ihre finanzielle Unterstützung zu entziehen, so daß B. gezwungen war, durch den Verkauf von Kopien antiker Skulpt. und durch Bemalung von Fächern seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Diese Fächer können heute nicht mehr identifiziert werden, sollen aber von so erlesener Schönheit gewesen sein, daß sie von der Aristokratie erworben wurden. Aus der Ehe mit Catarina Setti gingen fünf Kinder hervor, die Söhne Paolo (1733–87) und Felice (1739–98), die Töchter Maria Chiara, Francia und Anna Maria. In jener Zeit arbeitete B. häufig mit anderen Künstlern zus., so mit Jan Frans von Bloemen und Hendrik Frans van Lint, für deren Landschaften er die Fig. malte.

Am 21. 12. 1747 zweite Heirat mit Lucia Fattori, mit der er mehr als 10 Kinder hatte, darunter die Töchter Rufina (1755–84), eine begabte Sängerin und Musikerin, und Benedetta Maria, Min.- Malerin und berühmte Kopistin der Gem. ihres Vaters u.a. Maler. Die Söhne Domenico (1760–1806) und Romualdo (7. 2. 1763–22. 9. 1819) traten mit Felice als Mitarb. in die väterl. Werkstatt ein. Die Familie lebte von 1750–59 in der Via della Croce, später in einem großen Haus in der Via Bocca del Leone 25 mit Atelier, Räumen für die Abendzeichenklasse und Ausst.

Am 19. 12. 1741 Wahl zum Mitgl. der Accad. di S. Luca, hatte danach zahlr. Ämter inne, u.a. 1752–55 zus. mit Marco Benefial als „Direttori de’ Forestieri“ verantwortl. für Kontakt und Beaufsichtigung der Künstler von außerhalb Roms und des Kirchenstaates. 1756–59 hatte er das Amt mit Anton Raphael Mengs und 1760/61 mit Francesco Caccianiga inne. 1771, ’73, ’77, ’79, ’83 und ’86 einer der beiden Stimmatori di Pittura, verantwortl. für die Beilegung von Unstimmigkeiten, einschließl. der Bewertung von Gem. Wichtigstes Amt innerhalb der Accad. war das Direktorat der Accad. Capitolino del Nudo 1756, ’58, ’59 und ’62.

Im Sommer 1786 verschlechterte sich B.s Gesundheit, bes. das Sehvermögen, beträchtl.; Anfang Okt. erlitt er einen Schlaganfall, der ihn fast völlig arbeitsunfähig machte, am 1. 2. 1787 zweiter Schlaganfall, der drei Tage später zum Tode führte. Obwohl B. hohe Summen für seine Gem. erzielte, hinterließ er kein Vermögen. Finanzielle Schwierigkeiten der Fam. führten zum sofortigen Verkauf eines bedeutenden Teils seines Besitzes, bes. des Inv. der Werkstatt. Bis zum E. des Jh. wurden Werke aus dem Bes. der Erben verkauft. – Boni beschrieb ausführl. B.s unermüdl. Auseinandersetzung mit Raffael und führte die ästhet. Grundlagen von B.s Stil auf Raffaels Werk sowie auf das Stud. der Natur und Antike zurück. Clark wies nach, daß B. zw. 1728 und 1730 auch von den beiden zeitgen. röm. Malern Francesco Fernandi, gen. Imperiali, und Agostino Masucci beeinflußt wurde. Auf Imperiali deuten in dem Gem. Jungfrau und Kind mit den sel. Pietro, Castora, Forte und Lodolfo, entstanden 1732–33 f¨ur S. Gregorio al Celio, das Impasto, die plast. Behandlung der Gewänder, die Physiognomien als auch die mon. Komposition. Von Masucci übernahm B. die klaren, erzähler., individuell ausgeprägten Formen, Gesten und die Oberflächenbehandlung. Mögen auch B.s Biographen den Einfluß zeitgen. Maler auf B. unterbewertet und B.s Orientierung an Raffael und den Seicento-Klassizismus überbetont haben, ist es gerechtfertigt zu behaupten, daß B.s Interesse für die frühe röm. Malerei ihn zu einem klassizist. Stil individueller Prägung führte. Clark schätzte Venedigs Triumph, 1737 für den venez. Botschafter Marco Foscarini gemalt, „wegen seines Stils als das fortschrittlichste Gem. in Europa bis M. der 50er Jahre des 18. Jh., vielleicht sogar bis 1761, als Mengs das etwas weniger qualitätvolle, aber populärere Gem. ’Der Parnaß’ für die Villa Albani malte“. B.s Stil, der sich in den 30er Jahren formte, war sofort anerkannt; bis 1740 war er in Rom als Maler fest etabliert und wurde bes. wegen seiner hist. Gem. berühmt. B. arbeitete damals überwiegend für ital. Auftraggeber, zu deren wichtigsten die Kirche gehörte. Er schuf auch Gem. zu mytholog. Themen und Andachtsbilder für die Aristokratie, u.a. für die Familien Gerini und Riccardi in Florenz, Sardini, Buonvisi, Talenti, Conti und Mazzarosa in Lucca, Merenda in Forlì. Sehr rasch nacheinander entstanden so wichtige Werke wie Christus übergibt Petrus die Schlüssel, 1742; Mariä Verkündigung, 1743, für Papst Benedikt XIV.; Verzückung der hl. Katharina von Siena, 1743, für die gleichnamige Kirche in Lucca sowie Jungfrau und Kind mit dem hl. Johannes Nepomuk, 1742 durch Marchese Pietro Emanuele Martinengo für die Kirche S. Maria della Pace in Brescia in Auftrag gegeben. Bei diesen Arbeiten übernimmt B. erfolgreich die Rhetorik und kraftvolle Malweise von Künstlern des Seicento wie Guido Reni. Jedoch nimmt er den stark emotionalen Ausdruck geistiger Extase zugunsten einer eher meditativen und kontemplativen Auffassung zurück. B. bekannte sich zu den grundlegenden Thesen der klass. Kunsttheorie, ohne die Ansichten Mengs zu teilen. Die Gem. der 40er Jahre offenbaren sein Streben nach idealer Schönheit und Harmonie sowie das Bemühen, Gefühle der menschl. Seele in einer an Annibale Carracci erinnernden Weise wiederzugeben. Unter den themat. Bildern dieser Periode kann Das Opfer der Iphigenie, 1741/42, als Meisterwerk des frühen Stils angesehen werden, während Arbeiten wie Herkules am Scheideweg, 1742; Der Tod des Meleager, 1743; Die Erziehung des Achilles mit seinem Pendant Achilles und die Töchter des Lycomedes, 1746, weniger überzeugend sind.

Der Sturz des Magiers Simon stellt den Höhepunkt in B.s Entwicklung als Historienmaler dar. Das Altarblatt, 1746 von der Reverenda Fabbricca di San Pietro in Auftrag gegeben, um das Bild gleichen Inhalts von Vanni zu ersetzen, wurde 1755 voll. Dieser Auftrag bedeutete höchste Ehre für einen Künstler, und B. wollte ein höchst anspruchsvolles Werk sowohl in bezug auf Umfang und Komplexität der Komposition als auch Vielfalt an Gebärden und Ausdruck schaffen. Obwohl er viel Zeit für das Werk aufwandte und andere Aufträge ablehnte (so 1754 den für das Altarblatt Martyrium des hl. Torpé für die Kathedrale in Pisa), wurde das Gem. negativ aufgenommen und 1757 aus St. Peter entfernt. Dieser Mißerfolg markierte einen Wendepunkt in B.s Laufbahn. Hatte er bisher gleichermaßen relig. und mytholog. Gem. sowie Portr. geschaffen, widmete er sich nun verstärkt der Bildnismalerei, malte kein Altarblatt für eine röm. Kirche mehr, noch bemühte er sich um Aufträge für themat. Bilder. B. verdankt seinen außerordentl. Erfolg als Portr.-Maler Briten und Iren, die auf ihrer Europareise, der „Grand Tour“, Rom besuchten. B. blieb der Trad. des „Grand Tour-Portr.“ verhaftet, die auf die vorhergehende Generation, insbesondere Francesco Trevisani, zurückgeht, unterschied sich aber durch seine frische Farbgebung, präzise Zeichnung und glatte Malweise.

B. trug auch zur Verbreitung einer neuen Auffassung der Bildniskunst bei: Der Porträtierte sitzt in ungezwungener Haltung im Freien, umgeben von klass. Statuen oder antiken Fragm., oft auch vor dem Hintergrund klass. Gebäude. Die Portr. der 50er Jahre weisen auf den Ursprung des neuen Stils hin, nämlich die engl. Portr. von Van Dyck, die B. von Stichen gekannt haben muß. Von diesen Portr. übernahm er Posen, Konventionen und Kostüme, bes. gelungen bei den ganzfigurigen Bildnissen von Sackville Tufton, 8th Earl of Thanet, 1752–54, und Thomas William Coke, 1774.

Zusätzl. zur aufrechtstehenden Haltung entwickelte er einen Bildtyp mit der Dreiviertel-Fig. in sitzender Stellung; der Bildrand schneidet die Fig. unterhalb des Knies ab, so daß der Betrachter engen Kontakt zur Bildebene erhält. Zu diesem Typ gehören u.a. das Portr. Henry Willoughby, zukünftiger 5. Lord Middleton, 1754, und – mit einigen Veränderungen – die Portr. Sir Edward Dering, 1758–59; Sir Richard Lyttelton, 1762; Other Hickman Windsor, 5th Earl of Plymouth, 1772. Für Frauenbildnisse übernahm B. vielfach allegor. Motive aus dem 17. Jh., orientierte sich aber auch an zeitgen. frz. Beispielen, bes. auffällig in den 50er Jahren, u.a. Sarah, Lady Fetherstonhaugh als Diana, 1751, aber auch später, wobei die Bildnisse Aleksandra Lubomirska, Gräfin Potocka, als Melpomene und Izabella Lubomirska, Gräfin Potocka, als Euterpe, 1780, bes. hervorhebenswert sind. Die Portr. der letzten Jahre – das ganzfig. Portr. von Thomas Giffard, 1784; Prinzessin Giustiniani, 1785; Gräfin Maria Benedetta di San Martino, 1785; Marchesa Brignole – belegen den grundsätzl. Wandel seines Personalstils: die Züge sind sehr weich modelliert, die gesamte Darst. ist mit großer maler. Freiheit und viel Sympathie für den Porträtierten ausgeführt. In der Regel waren zwei oder drei Sitzungen für ein Portr. notwendig, das der Künstler dann nach Abreise des Porträtierten voll. B. konzentrierte sich vornehmlich darauf, die Gesichtszüge naturgetreu wiederzugeben, er malte sie direkt auf die Leinwand mit Details der Kleidung. B. verwendete Leinwände mit standardisierten Formaten, wich davon nur ganz selten aus Gründen der Dekorativität oder bei Darst. mehrerer Personen ab. Die Rahmen für die Gem. lieferte er selbst und bevorzugte die unter dem Namen „Salvator Rosa“ oder „Carlo Maratti“ bek. gewordenen Rahmen. Die Arbeit an den hist. Gem. war wesentl. komplexer und zeitaufwendiger, da er in der Malpraxis den akad. Trad. von Rom und Bologna folgte. Er begann gewöhnl. mit flüchtigen, kleinformatigen Kompositionsentwürfen, denen genau ausgearbeitete und quadratierte Kompositions-Zchngn folgten. Posen wurden in Zchngn am Modell studiert, weitere Zchngn zu Fig., Gewändern, Händen und Köpfen angefertigt. Für wichtige Altarblätter schuf B. auch Ölskizzen zur Vorlage und Bestätigung durch den Auftraggeber. Bis 1755 wurden Gem. zu klass. und relig. Themen wegen der Kosten fast ausschließl. von der Kirche, europ. Herrschern oder der Aristokratie, die Rom besuchte, in Auftrag gegeben. Zu den wichtigsten Gem. der mittleren Periode gehören: Die Hochzeit von Cupido und Psyche; Die Familie des Darius vor Alexander, 1756 und 1775, für Friedrich den Großen; Benedikt XIV. überreicht dem frz. Gesandten, Graf von Choiseul, die Bulle „Ex Omnibus“, 1757, für Kardinal Orsini; Hektors Abschied von Andromache, 1758–60, für den 7. Earl von Northampton; Thetis betraut Chiron mit der Erziehung von Achilles und Die Enthaltsamkeit des Scipio, 1763–65 und 1770–72, für Katharina die Große; Die Heimkehr des Verlorenen Sohnes, 1773, für Kaiserin Maria Theresia; Die Hl. Familie, 1777, 1782 von Großfürst Paul I. von Rußland erworben; Die Hochzeit der hl. Katharina, 1779, nach B.s Tod im Besitz der Erben. Letztes großes Werk waren sieben Altarblätter für die Basílica da Estrˆela in Lissabon, in Auftrag gegeben von Maria I. von Portugal. In den letzten Jahren vor B.s Tod war Johann Gottlieb Puhlmann, ein Schüler von B., sein Ass. B. hatte zahlr. Schüler aus versch. Nationen, die später eigene Berühmtheit erlangten, u.a. Domenico de Angelis, John Astley, Angelo Banchero, Henry Benbridge, Vincenzo Cannizzaro,AdamoChiusole, Antonio Concioli, Edward Francis Cunningham, Carlos Espinosa, Johann Dominik Fiorillo, Giovanni Gottardi, Franz Hillner, Gaspare Landi, Andrea Lazzarini, Teodoro Matteini, Niccola Monti, Bernardo Nocchi, Pietro Pedroni, Matthew William Peters, Frediano dal Pinto, Giuseppe Pirovani, John Ramsay, Jean Pierre Saint-Ours, Stepan Serdiukov, Peter Sobolovski. D Relig.

C. M. Sicca

© Allgemeines Künstlerlexikon, Internationale Künstlerdatenbank, K.G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München/Leipzig.

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