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SANDRO BOTTICELLI (um 1444 - 1510)

SANDRO BOTTICELLI

um 1444 - 1510

Der wie sein Bruder mit dem Spitznamen "Botticelii" (ital. botticella = Fäßchen) belegte Maler gehörte zusammen mit Leonardo, Perugino, Signorelli, den Gebrüdern Ghirlandaio, den Gebrüdern Pollaiuolo und Filippino Lippi zu den bestimmenden künstlerischen Kräften im Florenz des letzten Viertels des 15. Jahrhunderts. Kennzeichnend für seinen Rang ist nicht nur die Eigenständigkeit seines künstlerischen Idioms, sondern auch seine tragende Rolle bei der Entwicklung des "neuen Stils" der Florentiner Malerei. Nach ersten Anfängen als Goldschmied begann Botticelli eine Ausbildung zum Maler bei Fra Filippo Lippi. Frühwerke wie die Madonna mit Kind und Johannes im Louvre belegen die tiefe, Stil, Komposition und Maltechnik umfassende Prägung durch seinen Meister, die Botticelli allerdings zunehmend ins Abstrakte wendete, indem er insbesondere Linie und Fläche als Ausdrucksmittel kultivierte. Erstmals 1470 als selbständiger Meister erwähnt, schrieb er sich 1472 in die Compagnia di S. Luca, die Bruderschaft der Florentiner Maler, ein. Nachdem schon für die 1470er Jahre eine umfangreiche Tätigkeit, u. a. für die Medici belegt ist, wurde er 1481 zusammen mit anderen für die Ausmalung der Sixtinischen Kapelle nach Rom berufen, auf deren Wänden er die Versuchung Christi, Moses und die Töchter Jethros sowie die Bestrafung Korahs malte. In der sich anschließenden "Reifezeit" schuf Botticelli nicht nur prestigeträchtige Sakralwerke wie die Marienkrönung für die Kapelle der Goldschmiede in der Kirche S. Marco in Florenz (Berlin, Gemäldegalerie), sondern auch seine berühmten mythologischen Szenen, allen voran die Primavera und die Geburt der Venus (beide Florenz, Uffizien), die als Verkörperung der humanistischen und poetischen Kultur am "Hofe" Lorenzo di Medicis gelten dürfen. Einen Status quasi als "Hofmaler" spiegeln auch
seine Portraits, darunter jenes mehrfach überlieferte - wohl posthume - des Giuliano de Medici. Daß es bei den mythologischen Sujets nicht allein um die Visualisierung der Antike, sondern spezifischer um die Rekonstruktion antiker Malerei ging, zeigt die um 1494 nach einer
Beschreibung Lukians gemalte Verleumdung des Apelles, die ein verlorenes antikes Original wiederzuerschaffen suchte. Botticellis außerordentliche Produktivität deutet auf die Existenz einer größeren Werkstatt. Nach 1490 geriet das Leben des Meisters offenbar in eine Krise: Historische Ereignisse, darunter der Tod des Lorenzo Magnifico 1492, die Vertreibung der Medici 1494 und die Verbrennung Savonarolas 1498, sowie die Wandlung des Kunstgeschmacks drängten ihn in die Isolation. Zu den wenigen datierten Werken jener Jahre gehört die 1500/01 fertiggestellte Mystische Geburt Christi (London, National Gallery). Zugleich zeichnete er Illustrationen zu Dantes
Divina Comedia, die sich in Berlin und im Vatikan erhalten haben. Im Jahre 1510 starb er, laut Vasari allein und von seiner Umwelt vergessen. Angesichts eines seiner Heimatstadt eng verpflichteten Schaffens jedoch galt er schon damals, wie auch heute noch, als "Florentiner Künstler" par excellence.
LITERATUR: VASARI, Vite (1550/1568), Bd. 3 (1971), S. 511-521; Herbert P. HORNE, Alessandro Filipepi Commonly Called Sandro Botticelli, Painter of Florence, London 1908 (Reprint Princeton, N. J. 1980; ital.: Florenz 1986 mit Homes unpububliziertem Katalog); LIGHTBOWN, Botticelli (1978); Gabriele MANDEL, L'opera compléta del Botticelli, mit einer Einführung von Carlo Bo, Mailand 1978; Nicoletta PONS, Botticelli. Catalogo completo, Mailand 1989; Charles DEMPSEY, Art. "Botticelli, Sandro"; in: DICTIONARY OF ART, Bd. 4 (1996), S. 493-504; Norberte MASSI, Art. "Botticelli (eigentl. Filipepi), Sandro (Alessandro)"; in: AKL 13 (1996), S.161-264
Sandro Botticelli, Weibliches Idealbildnis (Bildnis der Simonetta Vespucci), um 1480

Sandro Botticelli: Weibliches Idealbildnis (Detail)

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