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BARTOLOMEO BULGARINI (um 1300 - 1378)

BARTOLOMEO BULGARINI

um 1300 - 1378

Der zeitgenössisch nachgewiesene Sieneser Maler war lange Zeit ein Meister ohne ein erhaltenes Werk. Zwischen 1338 und 1342 ist die Ausführung verschiedener, heute aber verlorener Bicchernatafeln belegt. Im Jahre 1345 erhält er 9 Fiorini für die "pictura unius tovaglie" in der Sala dei Nove des Palazzo Pubblico. Eine Pistoieser Quelle aus den Jahren zwischen 1347 und 1350 erwähnt ihn zusammen mit Jacopo di Mino Pelliciao als einen der beiden besten Sieneser Maler. Im Jahre 1349 malte er eine Madonna für eines der Stadttore von Siena, die Porta Camollía, um 1351 eine Natività für den St. Viktor-Altar im Domchor. Ins Jahr 1353 fällt wiederum eine Bicchernatafel, die sich im Sieneser Archivio di State erhalten hat (Nr. 28), 1362 wird er mit Kollegen für die Verlegung von Duccios Maestà vom Haupt- auf den Kreuzaltar bezahlt. Im selben Jahr ist er Mitglied der Stadtregierung. 1363 Mitglied der Malergilde. Die enge Beziehung zum Ospedale S. Maria della Scala, für das er zahlreiche Altarbilder schuf, führte 1370 zu seinem Eintritt, zusammen mit seiner Frau Bartolommea, in die dort ansässige Laienbruderschaft. Ein 1373 für das Ospedale gemaltes Altarbild signierte er als "Frater Bartolomeus Dni Bulgarini". Vasari erwähnt ihn unter den Schülern Pietro Lorenzettis als "Bartolommeo Bologhini", der für S. Croce in Florenz ein Altarbild geschaffen hat.

Der Künstler starb am 4. September 1378. Die Verknüpfung der historischen Person mit dem künstlerischen Werk gelang nur über Umwege. Eine erste Werkgruppe trug B. Berenson 1917 unter dem Notnamen "Ugolino Lorenzetti" zusammen, der den kombinierten Einfluß des Ugolino di Nerio und des Pietro Lorenzettizum Ausdruck bringen sollte. Nachdem E. T. De Wald den mit diesem Komplex teilweise identischen "Ovile-Master" geschaffen hatte, schrieb M. Meiss 1931 die gesamte Werkgruppe einem einzigen Meister zu, den er 1936 mit Bartolommeo Bulgarini gleichsetzte. Diesen Vorschlag vermochten Beatson, Muller und Steinhoff 1986 durch einen Dokumentenfund zu bestätigen; In den Dominventaren von 1590 und 1594 wird Bulgarini als Autor der Natività des St. Viktor-Altares genannt, die mit dem - schon von Berenson der Werkgruppe zugewiesenen - Bild des Fogg Museum in Cambridge (Mass.) identifiziert wird.

Bulgarinis —von Ugolino di Nerio und Duccio geprägte -künstlerische Anfänge liegen wohl in den 1310er Jahren. Als frühestes Werk wird ihm eine Bicchernatafel von 1329 in Berlin zugeschrieben (M. Boskovits). Fragmente eines frühen Polyptychons bilden eine Madonna (Fogliano) sowie zwei Heilige (Siena, Pinacoteca 42, 43). Um 1340 entstanden das Polyptychon für S. Croce (Florenz, Museo deirOpera di S. Croce) sowie jenes fragmentiert erhaltene für S. Cerbone bei Lucca. Zugewiesen werden Bulgarini ferner die Bicchernatafeln der Jahre 1339, 1346 (Paris, Bibliothèque Nationale) und 1350 (Genf, Privatbesitz). Das zusammen mit dem "Meister der Palazzo Venezia- Madonna" geschaffene Viktor-Retabel ist von Pietro Lorenzetti geprägt, leitet aber zugleich eine Annäherung an Simone Martini ein, die auch Spätwerke wie die für S. Maria della Scala gemalten Madonnenbilder (Siena, Pinacoteca Nazionale 76, 80, 6T) charaktetisiert. Bulgarinis eigenständige Auseinandersetzung mit Duccio, Simone Martini und den Lorenzetti macht ihn zu einer Schlüsselfigur der Sienesischen Kunst nach 1350.

LITERATUR: VASARI, Vite (1550/1568), Bd. 1 (1966), S. 147; Bernard BERENSON, "Ugolino Lorenzetti"; in: Art in America 5 (1916-17), S. 259-275; Miliard MEISS, Ugolino Lorenzetti; in: AB 13 (1931), S. 376-397; DERS., Bartolommeo Bulgarini altrimenti derto Ugolino Lorenzetti? in: Rivista d'arte 18 (1936), S. I13-136; DERS., Nuovi dipinti evecchi problemi, in: Rivista d'arte 30 (1955), S. 107-145; Elisabeth H. BEATSON, Norman E. MULLER, Judith B. STEINHOFF, The St. Victor Altarpiece in Siena Cathedral: A Reconstruction; in: AB 68 (1986), S. 610-631; Judith STEINHOFF-MORRISON, Bartolommeo Bulgarini and Sienese Painting of the Mid-Fourteenth Century (PhD Princeton 1989), Ann Arbor 1989; DIES., Art. "Bulgarini, Bartolommeo"; in: DICTIONARY OF ART, Bd. 5 (1996), S. 164f; A. LABRIOLA, Art. "Bulgarini, Bartolomeo"; in: AKL 15 (1997), S. 109f
Bartolomeo Bulgarini, Die Blendung des heiligen Viktor, 14. Jahrhundert

Bartolomeo Bulgarini: Blendung des heiligen Viktor

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