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LUCAS CRANACH DER ÄLTERE (1472 - 1552)

LUCAS CRANACH DER ÄLTERE

1472 - 1552

Lucas Cranach wird 1472 in Kronach als Sohn eines Malers geboren, bei dem er vermutlich lernt und nach den Wanderjahren einige Jahre als Geselle mitarbeitet. Als Künstler faßbar wird erst der Dreißigjährige um 1502/03 in Wien, wo er u. a. Humanisten aus dem Universitäts-Milieu als Kunden gewinnt: So porträtiert er Johannes Cuspinian und dessen Gattin (Winterthur, Sammlung Oskar Reinhart) sowie einen weiteren Gelehrten. Sein Stil ist in diesen Jahren verblüffend innovativ, expressiv und bewegt wie auf der Kreuzigung in Schrägansicht von 1503 in der Alten Pinakothek in München, dann wieder so lyrisch und atmosphärisch wie auf der Ruhe auf der Flucht von 1504 in der Berliner Gemäldegalerie, seinem frühesten signierten Bild. Auch wegen des farbensprühenden Kolorits, das er um diese Zeit pflegt, sind Parallelen zur Donauschule unverkennbar; doch ist unklar, ob und wie ein Austausch konkret stattgefunden hat.

Noch im selben Jahr wird Cranach als Nachfolger von Jacopo de Barbari vom sächsischen Kurfürsten Friedrich dem Weisen in das Amt des Hofmalers berufen und zieht 1505 nach Wittenberg. Zu seinen Aufgaben gehört nicht nur die Anfertigung von Gemälden mit sakraler und profaner Thematik, sondern auch die Ausmalung von Schlössern und das Entwerfen von Wappen, Medaillen, Kostümen, Festdekorationen und Renndecken, sowie das Fassen von Möbeln, Schlitten und Wagen und das Anstreichen von Häusern und Zäunen. Als Anerkennung verleiht ihm der Kurfürst 1508 ein Wappen mit der Figur einer geflügelten, bekrönten Schlange mit Ring im Maul, die Cranach von da an als Werkstattsignet einsetzt. Im gleichen Jahr reist er im Auftrag seines Herrn in die Niederlande, wo er den späteren Kaiser Karl V. als achtjährigen Knaben porträtiert und von der Begegnung mit modernster niederländischer Malerei, insbesondere mit Werken des Quentin Massys, profitiert. 1509 sorgt er mit 123 Holzschnitten für die Illustration des Wittenberger Heiltumsbuchs.

Einige Jahre später heiratet Cranach Barbara Brengbier († 1541), die Tochter eines Gothaer Ratsherrn, die gegen 1513 und 1515 die Söhne Hans und Lucas zur Welt bringt, gefolgt von den drei Töchtern Barbara, Ursula und Anna. Beide Söhne arbeiten später in der Werkstatt mit, die offenbar rasch expandiert, um die ständig wachsende Nachfrage nach den Markenartikeln mit dem Schlangenzeichen zu befriedigen. Die Rentabilität ist offenbar hoch; 1528 steuert Cranach als reichster Bürger Wittenbergs: Er besitzt Häuser und Gärten, u. a. in bester Lage am Marktplatz, und handelt mit ihnen, ebenso wie mit Büchern und Papier, betreibt eine eigene Druckerei und ab 1520 die Apotheke der Stadt mit Süßweinausschank. Mit dem zunehmenden Wohlstand geht der soziale Aufstieg einher: Seit 1519 ist Cranach ständiges Ratsmitglied und wird dreimal zum Stadtkämmerer und Bürgermeister gewählt.

Schon zu Beginn der Reformation zögert Cranach nicht, sich als Bildpropagandist in ihren Dienst zu stellen. Den Anfang machen Holzschnitte zur Illustration der Lutherschen Bibelübersetzung und der Kampfschrift "Passional Christi und Antichristi", sowie gestochene Porträts des Reformators. Bald folgten gemalte Luther-Bildnisse, die der erhaltenen Anzahl nach zur Grundausstattung eines jeden Protestanten von Rang gehörten. Daß sie keineswegs naiver Verehrung entsprangen, sondern programmatisch gemeint waren, zeigt der Umstand, daß sie in der Regel paarweise mit Pendants ausgeliefert wurden, die Katharina von Bora, Luthers Frau, oder Melanchthon zeigten. Als sich gegen 1530 eine protestantische Ikonographie mit neuen Bildthemen wie der Allegorie von Sündenfall und Erlösung herausbildet, greift Cranach auch diese in Druckgraphik und Tafelbild auf.

Dennoch versiegen die Aufträge von katholischer Seite keineswegs. Kurfürst Joachim II. von Brandenburg und Kardinal Albrecht von Brandenburg bestellten bei Cranach umfangreiche Altarausstattungen für ihre Stifte in Berlin beziehungsweise Halle. Obwohl zumindest das letztere Projekt, realisiert in unmittelbarer geographischer Nähe zu Wittenberg, eine deutlich gegen die Reformation gerichtete Demonstration war, hat Luther seinem Stadtmaier die Abwicklung auch dieses Auftrags anscheinend nicht übelgenommen. Die beiden Männer verband offenbar persönliche Freundschaft: Luther war Taufpate bei Cranachs Tochter Anna, Cranach Trauzeuge Luthers und Taufpate seines ersten Sohns. Cranachs Sohn Hans stirbt 1537 auf einer Italienreise; im gleichen Jahr verändert sich das Signet der Werkstatt: Die Schlange wird von nun an nicht mehr mit aufgestellten, sondern mit angelegten Flügeln gezeichnet. Der jüngere Sohn Lucas scheint im Atelier immer mehr Arbeit übernommen zu haben.

Die Bestellung des Vaters zum Hofmaler erhalten die Nachfolger Friedrichs des Weisen, Johann der Beständige und Johann Friedrich der Großmütige, aufrecht. Nach der Schlacht bei Mühlberg gerät Kurfürst Johann Friedrich 1547 jedoch in kaiserliche Gefangenschaft und muß den fünfundsiebzigjährigen Künstler als Hofmaler beurlauben. 1550 folgt dieser seinem Herrn in die Gefangenschaft und nach der Entlassung zwei Jahre später auch nach Weimar, der neuen Residenzstadt, wo er in das Haus seines Schwiegersohns, des Kanzlers Brück, zieht. Dort ist er gestorben und auf dem St. Jakobs-Friedhof beigesetzt worden.

Von Umgang und Vielfalt ihrer Produktion her ist die Werkstatt Lucas Cranachs d. Ä. im deutschen 16. Jahrhundert einzigartig. Dabei generiert der Maler in Wittenberg aus seinem individuellen Stil eine Manier, die von seinen Mitarbeitern unterschiedslos umgesetzt werden konnte: Es ist bezeichnend, daß die zwei 1534 bzw. 1537 vom Sohn Hans signierten Werke in der Madrider Sammlung Thyssen sich stilistisch kaum von den sonstigen Hervorbringungen des Ateliers in diesen Jahren abheben.

LITERATUR: Max J. FRIEDLÄNDER U. Jakob ROSENBERG, Die Gemälde von Lucas Cranach, Berlin 1932 (2. Aufl. Basel, Boston und Stuttgart 1979); Jakob ROSENBERG, Die Zeichnungen Lucas Cranachs d. Ä., Berlin 1960; Johannes JAHN, 1472-1553. Lucas Cranach d. Ä. Das gesamte graphische Werk. Mit Exempeln aus dem graphischen Werk Lucas Cranach d. J. und der Cranachwerkstatt, Herrsching o. J. [1972]; Werner SCHADE, Die Malerfamilie Cranach, Dresden 1974; Dieter KOEPPLIN U. Tilman FALK, Ausst. Kat. Lukas Cranach (Kunstmuseum Basel), 2 Bde, Basel u. Stuttgart 1974/76; Andreas TACKE, Der katholische Cranach. Zu zwei Großaufträgen von Lucas Cranach d. A., Simon Franck und der Cranach-Werkstatt (1520-1540) (= Berliner Schriften zur Kunst 2), Mainz 1992; Betthold HINZ, Lucas Cranach d. Ä., Reinbek b. Hamburg 1993; Ausst. Kat. LUCAS CRANACH. Ein Maler-Unternehmer aus Franken. Katalog zur Landesausstellung in der Feste Rosenberg (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 26/94), Augsburg 1994, Ingo SANDNER (Hg.). Unsichtbare Meisterzeichnungen auf dem Malgrund - Cranach und seine Zeitgenossen. Katalog zur Ausstellung und Tagungsband zum Kolloquium auf der Wartburg in Eisenach, Regensburg 1998; B. HINZ, in: AKL 22,1999, S. 168-173; Wetner SCHADE, Ausst. Kat. Lucas Cranach. Glaube, Mythologie und Moderne. Ausstellung im Bucerius Kunst Forum, Hamburg, Ostfildern-Ruit 2003, Bildnis eines bärtigen Mannes (Inv. Nr. 1949.i); Herkules und Omphale (inv. Nr. 1929.15); vgl. Isolde LüBBEKE, TheThyssen-Bornemisza Collection. Early German painting 1350-1550, London/Stuttgart 1991, S. 178-189, Nr. 40, 41.

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