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LUCAS CRANACH DER JÜNGERE (1515 - 1586)

LUCAS CRANACH DER JÜNGERE

1515 - 1586

Nach einer Ausbildung in der väterlichen Werkstatt hat Lucas Cranach d. J. offenbar gemeinsam mit seinem älteren Bruder Hans dort mitgearbeitet. Als der letztere 1537 auf einer Italienreise stirbt, wächst der Einfluß des jüngeren Sohnes; möglicherweise hat ihn der Vater zu seiner rechten Hand oder sogar zum Teilhaber gemacht. Die Änderung des Werkstatt-Signets, das seit 1537 eine Schlange mit liegenden Flügeln zeigt, könnte symbolischer Ausdruck einer solchen Reorganisation sein. 1541 heiratet Lucas Cranach d. J. Barbara Brück (1518-1550), die Tochter des kurfürstlichen Kanzlers Georg Brück, 1551 in zweiter Ehe Magdalena Schurff (1531-1606), eine Nichte Philipp Melanchthons. Aus beiden Ehen hatte er neun Kinder. Wie der Vater bekleidete auch der Sohn politische Ämter als Ratsherr, Stadtkämmerer und Bürgermeister. Als Cranach d. Ä. 1550 im Gefolge des Kurfürsten Johann Friedrich in die Gefangenschaft nach Augsburg und Innsbruck ging, übernahm der Sohn die Leitung der Werkstatt ganz, die er drei Jahre später erbte. Nach dem Tode des jüngeren Lucas Cranach trat sein Sohn Augustin (1554-1595) an seine Stelle, dessen Schaffen jedoch im Dunkeln bleibt.

Die beiden ersten Bilder, die Lucas Cranach d. J. mit ziemlicher Sicherheit selbst verantwortet haben muß, sind die 1551 entstandenen großen Querformate mit dem schlafenden bzw. dem erwachenden Herkules und den Pygmäen. Für den Riesensaal des Dresdener Schlosses gemalt und heute in der dortigen Gemäldegalerie Alte Meister zu sehen, spielen sie auf den Gewinn der Kurwürde durch Moritz von Sachsen an, der als neuer Herkules gefeiert wird. Für den Dresdener Hof arbeitet Cranach anschließend immer öfter, ohne formell in dessen Dienste zu treten. Das Patronat der ernestinischen Fürsten dünnt hingegen aus; 1555 stiften diese als letzten großen Auftrag einen Epitaphaltar mit der erzprotestantischen Allegorie von Sündenfall und Erlösung in die Weimarer Stadtkirche. Bezeichnend für die Suche nach neuen Formen ist der Colditzer Altar von 1584, heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, ein Flügelaltar in Herzform für August von Sachsen. Daneben bedient Cranach die steigende Nachfrage bürgerlicher und adliger Protestanten nach Epitaphien, bei denen die Stifter auf neuartige Weise eng in die dargestellte Bildhandlung integriert werden. Während er dabei noch weitgehend den vom Vater ererbten Fundus an Kompositionen ausschöpft, betritt er mit seinen Bildnissen künstlerisches Neuland; in ihnen ist am ehesten der genuine Beitrag des jüngeren Cranach zur europäischen Kunstgeschichte zu suchen.

Seit der Mitte der 1550er Jahre entstehen zahllose Bildnisse fürstlicher Auftraggeber in Dreiviertel- oder Ganzfigur, die zu den Höhepunkten manieristischer Porträtkunst gehören, weil sie repräsentative Strenge der Komposition mit sensibler Stilisierung des Linienflusses, flächenhaftes Ausbreiten von preziöser Stofflichkeit mit monumentaler Körperlichkeit aussöhnen. Eine lichte, oft kühle Palette mit apart gebrochenen Tönen und kräftiger Schattenschlag der Figuren auf den neutralen, oft himmelblauen oder eisgrauen Fond zeichnet die weit über Sachsen hinaus beliebten Bildnisse aus. Kurfürst Joachim II. von Brandenburg in der Sammlung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Potsdam oder die Markgräfin Elisabeth von Ansbach-Bayreuth in der Münchener Ahen Pinakothek sind beredte Beispiele. Ob das Bildnis des älteren Cranach von 1550 in den Uffizien als Werk des Sohnes anzuschließen ist, bleibt umstritten. Ebenso ist die Händescheidung innerhalb der Werkstattproduktion vor 1550 trotz vielversprechender Ansätze bei Werner Schade noch nicht abgeschlossen; sie scheint bei den Holzschnitten etwas klarer als bei den Tafeln.1 Vielleicht kann sie erst im Rahmen einer längst fälligen monographischen Bearbeitung des jüngeren Lucas Cranach präzisiert werden.

LITERATUR: Ausst. Kat. LUCAS CRANACH D. Ä. UND LUCAS CRANACH D. J., Berlin 1937; Werner SCHADE, Die Malerfamilie Cranach, Dresden 1974; B. HINZ, in: AKL 22,1999, S. 173f. 1 Schade hat u. a. vorgeschlagen, den Passionszyklus für Cöln an der Spree von 1538, heute in den Staatlichen Schlössern und Gärten, und den Altar für St. Wolfgangin Schneeberg Cranach d. J. zu geben, und sich für die inzwischen weitgehend akzeptierte Zuschreibung einiger Porträts, z. B. des Bildnisses einer Frau von 1539 in der Thyssen-Sammlung und der Bildnisse des kursächsischen Rates Jobst von Hayn und seiner Frau von 1541 in der Stuttgarter Staatsgalerie ausgesprochen; vgl. SCHADE (1974), S. 77-95.

Lucas Cranach der Jüngere, Bildnis Philipp Melanchthons, 1559

Lucas Cranach d. J.: Bildnis Philipp Melanchthons

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