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CERANO (GIOVANNI BATTISTA CRESPI) (1575 - 1632)

CERANO (GIOVANNI BATTISTA CRESPI)

1575 - 1632

Crespi, Giovan(ni) Battista (gen. il Cerano; Cerrano; Serrano), ital. Maler, Zeichner, Plastiker, Architekt, Arrangeur von Festapparaten, * ca. 1565–70 Cerano/Novara, † 23. 10. 1632 (an Schwind- und Wassersucht) Mailand (Pfarre S. Eufemia), tätig in der Lombardei.

Enkel von Giovanni Pietro C. Da dok. Nachweise fehlen, erlauben erst die Forsch. von A. Nova (1983) und M. Rosci (DBI 1984, ’87) genauere Aussagen über C.s Geburtsdatum und -ort. Mitgl. einer Maler-Fam.: Enkel von Giovanni Pietro, Sohn des Raffaele, Bruder von Ortensio und Giulia C. Wahrsch. Schüler seines Vaters; künstler. Formung im Bereich des späten piemontes.-lombard. Manierismus. Vor 1587 führt er eine Zchng (Mailand, Ambrosiana) für das Frontispiz von De origine seraphicae religionis franciscanae aus. Dies belegt einen frühen Kontakt zum röm. und bolognes. Kulturkreis und den Franziskanern (die zu den wichtigsten Auftraggebern seiner gesamten Karriere gehören), der ihm durch den Autor des Buches, den Ordensgeneral Francesco Gonzaga, vermittelt wurde.

Kurz nach 1590 führt er einige Fresken und Statuen in der Tribuna der Kirche der Madonna del Campo presso Mortara aus, 1591 erhält er vom Grafen Renato Borromeo eine Zahlung für Malereien, wahrsch. für dessen Pal. in Mailand, was den frühen Kontakt zu dieser Fam. bezeugt, die in den nachfolgenden Jahrzehnten einige der wichtigsten Aufträge an C. erteilte. Im April 1594 führt der Bischof von Novara, Carlo Bascapè, eine Pastoralvisite im Novaresischen durch, ein Terminus post quem für den Auftrag zu den Altarbildern für die Pfarrk. von Cerano und das Oratorium des Gonfalone in Trecate.

Um 1595 malt C. eine Reihe von Fresken in S. Francesco in Trecate. Bis zu dieser Zeit zeigt er sich v.a. an das Erbe von Gaudenzio Ferrari gebunden, ebenso wie sein Landsmann Moncalvo und Pellegrino Tibaldi. Nachfolgendwerden die Einflüsse der internat. bekannten Rudolfinischen und röm. Manieristen, der Umwandlung durch die Sienesen und v.a. von Francesco Barocci (der dem Kardinal Federico Borromeo, dem Bruder von Renato, bes. teuer war) immer offensichtlicher. Daher vermuteten die Forscher eine Romreise um 1595/96, wahrsch. im Gefolge des Mailänder Bischofs (Rosci, Kat. 1964, ’84; Valsecchi, 1973). 1598 ist C. mit Sicherheit in Mailand, wo er einen Brief an den Kardinal Federico schreibt, mit dem Projekt einer Säule für S. Carlo ad Arona.

Im selben Jahr dok. ist der Auftrag für ein Altarblatt im Dom mit der Darst. des Hl. Joh. Bapt. (später ausgef. von Melchiorre Gherardini). Gleichzeitig mit den Altarbildern malt der junge C. am E. des Jh. eine Reihe von kleinen und mittleren Kabinettstücken auf Holz, Schiefer oder Kupfer, die in der manierist. Erlesenheit die Fähigkeit des Künstlers zeigen, sich den Erfordernissen der Auftraggeber und der Bestimmung der Gem. anzupassen (Erzengel Michael, Öl/Holz, Mailand, MCiv.; Flucht nach Ägypten, Madrid, Prado; Martyrium der Hll. Nabor und Felix, Öl/Holz, Mailand, Priv.-Slg; Enthauptung des Täufers; Judith und Holofernes, Lovere, Gall. dell’ABA Tadini; Madonna della colonna, Öl/ Schiefer, Mailand, Coll. Doria; Gethsemane, Isola Bella, Mus. Borromeo; Myst. Vermählung der hl. Katharina, Öl/Holz, Florenz, Fond. Longhi).

Das and. grundlegende Merkmal der Kunst C.s, die Neigung zum Pathetischen, abgewandelt nach dem bolognes. Vorbild von Bartolomeo Cesi und Ludovico Carracci und dem Florentiner Cigoli, demonstriert das erste wichtige gesicherte öff. Werk in Mailand, die Pala mit dem Gelübde der franziskan. Hll. für die Kirche der Immacolata nuova der Kapuziner (dat. 1600, 1945 in Berlin zerst.), an die urspr. vier Ovalbilder mit Werken der Barmberzigkeit von Kapuzinern (heute Brera und MCiv. Mailand) angefügt waren. 1601 dat. und sign. C. die Taufe Christi (Frankfurt am Main, Städel), die sein Interesse für die Gem. der Leonardo-Nachf. zeigt, wie sie der Kardinal sammelte.

1602–04 wurde die Kirche S. Lorenzo dei Cappuccini in Novara erb., für die C. die Pala des Hauptaltars malt (jetzt Oleggio Fornacci). 1602–03 erhält C. Zahlungen für die vier großen Gem. mit der Vita des Karl Borromäus im Mailänder Dom, die auf das Vorbild von Michelangelo verweisen und die am Beginn des Prozesses der Heiligsprechung stehen. 1605 Auftrag, zus. mit Giulio Cesare Procaccini die Kap. des Tribunale di Provvisione in Mailand zu dekorieren.

Zw. 1603 und 1607 bezahlt für Stuck und Fresken in den Seitenschiffjochen der Mailänder Kirche S. Maria presso San Celso und für zwei Tempera-Gem. (Verkündigung und Heimsuchung, 1606, Sakristei); 1609 Anzahlung für das Martyrium der hl. Katharina (ebd., Seitenschiff). In das erste Jahrzehnt des Jh. gehört die Dreifaltigkeit, angebetet von Hll. der Kirche der Kapuziner von Pescarenico und der Segnende Christus mit Hll. (Civello di Villaguardia, SS. Cosma e Damiano). 1610 voll. C. die dat. Kreuzigung (Öl/Holz) der Kirche S. Lorenzo in Mortara, malt die sechs Tempera-Gem. der Wunder des hl. Karl Borromäus im Mailänder Dom (ein Fragm. mit der Caritas vom Wunder der schwierigen Geburt in der Gall. Campori, Modena).

Gleichzeitig wird ihm die Gesamtverantwortung für die Mailänder Apparate zur Kanonisierung des hl. Karl übertragen (erh. ein Tempera-Gem. mit der Darst. des Hl. Ambrosius f¨ur die provisor. Fassade des Domes und einige Versionen des Hl. Karl Borromäus in der Glorie sowie Zchngn). 1610 dat. auch die Grablegung Christi für S. Lorenzo dei Cappuccini in Novara. M. Rosci (1984) vermutete eine Romreise C.s in der Schlußphase der Kanonisierung des Karl Borromäus, v.a. angesichts der neovenetischen und Rubens’schen prachtvollen Farbigkeit in den Werken dieser Jahre, bes. in den Altarblättern in Mortara und Novara. 1614 erhält C. den Auftrag für die Zchng des Kristallreliquiars des hl. Karl Borromäus, 1614–17 malt er die Messe des hl. Gregor in der Basilica S. Vittore in Varese. Vor 1619 liefert er die Kartons für die dekorativen Skulpt. von Gian Andrea Biffi und Giacomo Buono für die Fassade von S. Paolo alle Monache.

Im zweiten Jahrzehnt entstehen auch die Madonna del Rosario (Brera), die Madonna und die Hll. Karl und Hugo von Grenoble (Öl/Holz; Pavia, Certosa) und die 1618 dat. Geburt des hl. Augustinus (Mailand, S. Marco). 1616–18 führt C. einen Briefwechsel mit dem Herzog Ferdinando Gonzaga in Mantua wegen eines Freskenauftrags für die Villa Favorita, wobei er auf die eigene geschwächte Gesundheit hinweist. Das dritte Jahrzehnt beginnt mit dem Martyrium der Hll. Rufina und Seconda (ausgef. zus. mit Giulio Cesare Procaccini und Morazzone; Mailand, Pin. di Brera), ein erlesenes Gem. mit einem starken Echo von Rubens und Van Dyck, das einen intensiven Austausch mit der zeitgen. Malerei in Genua zeigt.

Weitere Werke der frühen 1620er Jahre sind die Madonna und Hll. (ehem. Turin, Chiesa del Monte dei Cappuccini, jetzt Turin, Gall. Sabauda), die Madonna mit den Hll. Syrus und Antonius (ehem. Chiesa dei Capuccini, jetzt Pavia, Dom) und der Auferstandene Christus und Hll. von 1626 (Meda, S. Vittore) mit deutl. Einflüssen von Tintoretto und den Genuesen. 1625 entstehen die Kartons für die Lünetten der Hauptportale des Mailänder Domes und ca. drei Jahre später die Kreuzigung und Hll. für S. Protaso ad Monachos (heute Venegono, Seminario).

Gleichzeitig werden C. weitere prestigeträchtige Aufträge erteilt: in den 1620er Jahren wird er vom Consiglio Municipale mit vorbereitenden Zchngn für die Stiche der Historie di Milano für den Drucker Malatesta beauftragt. 1621–23 ist er Prof. für Malerei an der Accad. Ambrosiana und von April 1630 bis Aug. 1631 Sovrintendente für die Arbeiten am Mailänder Dom. Das unvoll. Altar-Gem. für die Kirche S. Domenico in Cremona vollenden nach C.s Tod seine Schüler (heute ebd., MCiv.), unter denen sein Schwiegersohn Melchiorre Gherardini herausragt. Die neueste Forsch. hat das Schaffen des Tiermalers C. entdeckt, das aus Stücken belebter Natur besteht, die in sakrale Bilder eingeschlossen oder auch autonome Werke für priv. Sammler sind (M. Bona Castellott, 1985; A. Morandotti, 1989; ’96).

Seine Tätigkeit als Zeichner, offensichtl. mit röm. Bezügen, ist noch im Stadium der Erforschung.

E. Casati

© Allgemeines Künstlerlexikon, Internationale Künstlerdatenbank, K.G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München/Leipzig.

Cerano (Giovanni Battista Crespi), Taufe Christi, 1601

Cerano (Giovanni Battista Crespi): Taufe Christi

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