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DEODATO DI ORLANDO (1284 - 1315)

DEODATO DI ORLANDO

1284 - 1315

Von keinem anderen bedeutenden italienischen Maler der Zeit um 1300 sind mehr signierte und datierte Werke erhalten als von Deodato di Orlando. Anfangs war sein Wirken eng mit seiner Heimatstadt Lucca verknüpft. Erstmalig im Jahre 1284 als Mitglied des Großen Rats erwähnt, dürfte er vor 1266 geboren worden sein, denn das passive Wahlrecht konnte frühestens mit achtzehn Jahren ausgeübt werden. Über seine künstlerische Ausbildung ist nichts bekannt, doch ist verschiedentlich vermutet worden, daß sie im Umfeld der Lucchesen Bonaventura und Marco Berlinghieri erfolgte.

Wann er dagegen das über dem Grabmal des 1274 verstorbenen Bonagiunta Tignosini in San Francesco erhaltene Fresko ausführte, ob unmittelbar nach dem Tod des dort Bestatteten (Boskovits) oder erst 1285-1295 (Garrison), ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden. Zu Beginn der 1280er Jahre entstand Garrison zufolge ein Brettkreuz in Pisa (Museo Nazionale di S. Matreo). Einen sicheren Anhaltspunkt innerhalb seines OEuvre bildet dagegen das signierte und 1288 datierte Brettkreuz, welches ursprünglich für die Kirche S. Cerbone in Lucca bestimmt war (heute Museum Villa Guinigi). Die weiteren datierten Werke sind: ein Brettkreuz aus dem Jahre 1301 für den Konvent der Klarissen in S. Miniato al Tedesco, ein zugleich signiertes Dossale aus demselben Jahr im Museo Nazionale di San Matteo in Pisa sowie die derzeit verschollene Madonna aus dem Jahre 1308, ehemals in der Sammlung Hurd in New York. Der ihm zugeschriebene, umfängliche Freskenzyklus in S. Piero a Grado bei Pisa ist zwischen 1300 und 1312 zu datieren. Ein wahrscheinlich 1314 ausgeführtes, 1786 zerstörtes Mosaik über einer Seitentür der Kathedrale von Lucca ist nur durch eine Zeichnung bekannt.

Im Jahre 1315 wurde Deodato letztmals in einer Verpachtungsangelegenheit erwähnt, 1331 war er bereits verstorben. In einer Quelle des nachfolgenden Jahres als "Datuccio Orlandi de Luca pictore et rebelle" bezeichnet, war der Maler offenbar auch in die politischen Wirren seiner Zeit verwickelt, die ihn wiederholt zwangen, Lucca zu verlassen. Deodato war nicht nur als Maler, sondern dem Dokument von 1315 zufolge auch als Schildmacher tätig. Osvald Siren hat denn auch Deodatos manchmal frei gravierte Goldgründe, die für ihre Zeit eine Seltenheit darstellen, von der Gravur von Metallgegenständen herleiten wollen. Der oft der Mittelmäßigkeit bezichtigte Künstler war sicher kein spektakulärer Erneuerer, wird aber in seiner Bedeutung für den Lucchesisch-Pisanischen Raum oft unterschätzt.

LITERATUR: B. C. KREPLIN, Are. "Deodatus Orlandi": in: THIEME-BECKER, Bd. 9 (1913), S. 88; Osvald SIRÉN, Toskanische Malerei im XIII. Jahrhundert, Berlin 1922, S. 121-132.; Evelyn SANDBERG-VAVALÀ, La croce dipinta italiana e l'iconografia della passione, Verona 1929, S. 797-800; Edward B. GARRISON, Toward a New History of Early Lucchcse Painting; in: AB 33 (1955). S. 18-31; BERENSON, Italian Pictures. Central Italian and North Italian Schools (1968), Bd. 1, S. 107; Jens T. WOLLESEN, Die Fresken von San Piero a Grado bei Pisa, Bad Oeynhausen 1977; Miklós BOSKOVITS, Mus. Kat. Gemäldegalerie Berlin, Katalog der Gemälde. Frühe Italienische Tafelmalerei, ans dem Italienischen übersetzt und redigiert von Erich SCHLEIER, Berlin 1987, S. 31; John RICHARDS. Art. "Deodato (di) Orlandi"; in: DICTIONARY OF ART, Bd. 8 (1996), S. 767

Deodato di Orlando, Trauernder Johannes, um 1300

Deodato Orlandi: Trauernder Johannes

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