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JEAN DUBUFFET (1901 - 1985)

JEAN DUBUFFET

1901 - 1985

Dubuffet, Jean, frz. Maler, Zeichner, Bildhauer, * 31. 7. 1901 Le Havre, † 12. 5. 1985 Paris.

Sohn einer im Weinhandel erfolgreichen Familie. Besucht neben dem humanist. Gymnasium seit 1916 Zeichenkurse der EcBA in Le Havre. Stud.: ab Sept. 1918 Malerei an der Acad. Julian in Paris, die er nach 6 Monaten verläßt. Seither eig. Atelier und Begegnung mit Künstlern wie Raoul Dufy, Suzanne Valadon, Elie Lascaux, Max Jacob, Fernand Léger. 1920–22 Stud. alter und neuer Sprachen, Lit., Phil. und Musik. Einfluß der Dada-Bewegung, Interesse an Arbeiten geistig Behinderter, entdeckt Prinzhorns „Bildnereien der Geisteskranken“.

1923 Reise nach Italien und Militärdienst bis 1924. 1925 Rückkehr nach Le Havre, Tätigkeit im elterl. Weingroßhandel, Heirat (1927), Geburt der Tochter Isalmina (1928). 1930 Rückkehr nach Paris, Gründung eines eig. Weinhandels. 1933 mietet D. ein Atelier, malt und modelliert Masken. 1935 Scheidung, lernt Lili Carlu kennen, 1937 Heirat. 1939 zum Militärdienst eingezogen, wird er 1940 wegen Disziplinlosigkeit entlassen. Im Weinhandel tätig, den er 1942 verpachtet, um sich endgültig der Malerei mit der Absicht zu widmen, sie wie ein Laie zu praktizieren.

1944 erste Ausst.-Beteiligung in der führenden Avantgarde-Gal. René Drouin, im Herbst Einzelausstellung. André Malraux ist der erste Käufer eines Gem. von D.; Le Corbusier, Jean Paulhan, Paul Eluard und andere Intellektuelle treten für seine Kunst ein. Nach einer Schweizreise (1945) beginnt D. Kunst von Außenseitern zu sammeln und prägt für dieses Material den Begriff „art brut“. 1947 Verkauf des Weinhandels sowie erste Einzel-Ausst. in der Pierre Matisse Gall. in New York. Bis 1960 folgen dort regelmäßige Präsentationen, die zur Anerkennung D.s in den USA führen. Ende 1947 bis Frühjahr 1949 drei Reisen in die Sahara; von ihnen erhält D.s Malerei ebenso wie von einem Aufenthalt in New York (Sept. 1951 bis E. April 1952) wichtige Impulse. 1960 musikal. Experimente mit dem Maler Asger Jorn, die er 1961 allein fortsetzt. 1954 erste Skulpt. aus Abfallmaterialien, denen 1960 eine zweite Reihe von Plastiken folgt, ehe D. seit 1966 seine Bildsprache in Styropor-Skulpt. umsetzt. Sie führen, in haltbarem Polyester hergestellt, zu Mon. im urbanen Raum und zu baugebundener Bestimmung.

D.s Kunst hat ihren Ursprung in dem bewußt gesuchten Ausstieg aus trad. Vorgaben. D. versteht sich als ein Umwerter ästhet. Konventionen. Die Ikonogr. orientiert sich mit scheinbarer Naivität am banalen Alltag. Themen wie Akt, Portr., Lsch. formuliert er in einer gegen die Überlieferung verstoßenden Sichtweise um, indem er gestalter. Prozesse in engem Bezug zu materiellen Faktoren unkonventionell-elementar handhabt. In der Malerei steht bis 1960 innerhalb wechselnder themat. Zyklen eine intensive Auseinandersetzung mit der Stofflichkeit des Malauftrags im Vordergrund.

Der Farbe sind Sand, Kiesel, Asche, Teer sowie ab 1952 synthet. Substanzen beigemischt, so daß die Komp. zum Relief tendieren. 1962 leitet D. mit seinem Hourloupe-Zyklus eine radikale Abkehr von Bildern mit betonter Oberflächenwirkung ein. Den Hourloupe-Stil charakterisiert ein von mäandrischen schwarzen Linien konturiertes Gewebe unregelmäßiger Zellen, die entweder weiß belassen, in Rot oder Blau schraffiert oder ausgefüllt sind. Mit diesem linearen System „beschreibt“ D. Figürl. sowie Gegenständl. in bizarren, bewegten Schemen. Ihre Übersetzung in die dritte Dimension war eine ebenso logische Folge wie die Übertragung der Bildschrift in ein „bewegtes Bild“ auf der Bühne.

In eigens entwickelten Masken und Kostümen ließ D. 1973 in New York und Paris, 1978 in Turin Tänzer inmitten von feststehenden und mobilen Hourloupe-Figurationen auftreten. 1975 leitet D. sein Spätwerk mit einem erneuten Wechsel der Ausdrucksmittel ein. Prozeßhafte Malerei steht im Vordergrund. In der Bildreihe Théâtres de mémoire (Gedächtnistheater) konstituiert er in Anlehnung an im ital. Manierismus entwickelte Praktiken Darst., die heterogene Form- und Motivelemente bestimmen. Anschl. wird D.s Malerei expressiver und allmähl. eliminiert er die zunächst noch summarisch umrissenen Figurenchiffren aus seinen Lsch. assoziierenden Bildflächen und setzt bei einer zunehmend reduzierten Farbskala ausschl. auf malerische Impulse als Ausdrucksmittel.

A. Franzke

© Allgemeines Künstlerlexikon, Internationale Künstlerdatenbank, K.G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München/Leipzig.

Jean Dubuffet, Le violoniste au chien / Der Violinspieler mit Hund, 1952, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

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