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ADAM ELSHEIMER (1578 - 1610)

ADAM ELSHEIMER

1578 - 1610

Elsheimer (Ehlsheimer; Elzheimer), Adam, dt. Maler, Zeichner, Radierer, get. 18. 3. 1578 Frankfurt am Main, begr. 11. 12. 1610 Rom (San Lorenzo).

Ältester Sohn von Martha Reuß und dem Schneider Anthonius E. aus Wörrstadt (ab 1577 Bürger von Frankfurt am Main), Bruder von Johann E. Der Fam.-Name geht vermutl. auf das bei Wörrstadt gelegene Elsheim zurück. E. signiert regelmäßig „Ehlsheimer“. Schüler des bed. Glasmalers Johann Vetter d.Ä; 1596 Reise nach Straßburg zus. mit dessen gleichnamigem Sohn. Dort lernt er Friedrich Brentel d.Ä. und die Glasmaler-Fam. Link kennen. Schon E. 16. Jh. war Frankfurt am Main v.a. wegen der Verlage bek., denen u.a. das Atelier von Philipp Uffenbach Stiche lieferte.

Über Uffenbach muß E. mit den Graphiken von Albrecht Dürer und Albrecht Altdorfer in Berührung gekommen sein. In der Frankfurter Dominikanerkirche befanden sich der weitbekannte Heller-Altar von Dürer sowie der Hochaltar von Hans Holbein d.Ä. und mehrere Werke von Matthias Grünewald. E. erhält von Uffenbach den Auftrag, Rad. für Cornelis Houtmans „Reisebericht nach Ost-Indien“ (1595–97) zu fertigen.

Kurz darauf soll der junge E. nach Bayern gezogen sein. Eine Zchng mit der Allegorie der Zeichenkunst, sign. „Adamus Ehlsheimer von Franckfurtt 98“, entsteht für das Album amicorum eines unbek. Münchners. In Bayern sieht E. Altarstücke von Altdorfer, dessen Einfluß während E.s gesamter Laufbahn sichtbar bleibt. Vermutl. kommt E. im Laufe des Jahres 1598 in Venedig an, wo er sich mit Hans (I) Rottenhammer zusammentut. Den einzigen Hinweis auf ihre Verbindung bezeugt die Unterschrift auf dem von E. gefertigten Portr. des Wenzel Hollar: „faisoit son aprentisage a Venise ches Johannes Rottenhammer, gran deseignateur, et tres bon painctre, neau moins surpassoit son maistre de beaucoup“.

Bei den häufig kleinfigurigen Gem. auf Kupfer war Rottenhammer stark von Paolo Caliari (gen. Veronese), Jacopo Palma (gen. Il Giovane) und der Fam. Bassano beeinflußt worden. Durch seine Landsleute kommt E. in die Einflußsphäre dieser großen Meister. Neben ital. Kunst gibt es in Venedig auch namhafte dt. Werke, z.B. Dürers Rosenkranzfest-Altar. Außerdem ist hier ein wichtiges Zentrum der zeitgen. Graphikproduktion.

Kurz vor April 1600 erreicht E. Rom, wo er die letzten zehn Jahre seines Lebens tätig ist. Er freundet sich mit Johannes Faber an, einem Kräuterheilkundigen, Arzt von Papst Paulus V. und Freund von Peter Paul Rubens. Er findet auch Kontakt zu Paul Bril. 1606 konvertiert E. zum Katholizismus und heiratet Carola Antonia Stuarda († 1620), die zuvor mit dem Maler Nicolas de Breul aus Verdun verheiratet war. Dabei treten Faber und Bril als Zeugen auf. Stuarda ist schott. Abkunft und hat vermutl. Verbindung zum Kreis protestant. Briten in Frankfurt am Main. 1606 wird E. Mitgl. der Accad. di San Luca. 1608 Geburt des einzigen Sohnes Giovanni Francesco, der 1629 in den Orden des hl. Bernard eintritt. Aus dem kurz nach seinem Tod aufgenommenen Inv. ist ersichtl., daß E. nur wenig Besitztümer hatte (Andrews, 1972).

Neben den wesentlichsten Schriften von Ovid, Flavius Josephus, Leon Battista Alberti und Giovanni Boccaccio finden sich im Nachlaß einige, teils unvoll. Gemälde. Bemerkenswert auch Wachsfigürchen, die E. als Vorlagen zu Bildfiguren nutzt. Versch. Quellen verweisen auf E.s melanchol. Gemütszustand, der seiner Produktivität oft hinderlich war. Rubens nimmt hierauf 1611 in einem Brief an Faber Bezug und bringt E.s Geistesverfassung mit dem vergleichsweise bescheidenen Umfang seiner Produktion in Zusammenhang.

E.s Aussehen ist durch ein Selbstbildnis (Florenz) überliefert, dem einzigen Werk auf Lw., sowie durch Stiche von Hendrik Hondius (I) und Hollar. Keines der Gem. datiert E. selbst, wodurch sich eine Werk-Chronologie als schwierig erweist. Als früheste bek. Arbeiten gelten drei Zchngn der Periode 1596–98. Die Fama-Zchng (Karlsruhe) entsteht wahrsch. während der Reise 1596 nach Straßburg. Im selben Jahr fertigt E. den oberen Teil der Zchng Kampf gegen die Türken, deren Rest von Vetter voll. wird. Die einzige erh. Vorstudie der Ill. zum „Reisebericht nach Ost-Indien“ von Houtman ist zwar ledigl. eine Kopie nach einer Rad., zeigt jedoch bereits einen versierten Zeichner. Die gemalte Kopie (Hampton Court Pal.) nach Dürers Graphik Die Hexe (Hollstein, Nr 68) ist viell. E.s frühestes erh. Gemälde. Die Komp., bei Dürer in hellem Tageslicht, wird von E. in ein Nachtstück verwandelt und steht damit am Anfang von E.s lebenslanger Faszination für nächtl. Darstellungen. Ebenso aus der Frühzeit stammen: Hl. Elisabeth, die Kranken besuchend (London) und der Hausaltar mit sechs Szenen aus dem Leben Mariens (Berlin). Letzterer ist augenscheinl. vom Dürerschen Heller-Altar inspiriert und zeigt in rudimentärer Form E.s poet. Lsch.-Auffassung. Das Bild Sintflut (Frankfurt am Main) weist deutl. den Einfluß der Fam. Bassano auf und ist somit wahrsch. um 1599 in Venedig entstanden. Von der ebenfalls nächtl. Christopherus-Darst. befindet sich die urspr. Version in der Ermitage zu St. Petersburg.

Die beeindruckende Hl. Fam. mit Johannes (Berlin) gehört wohl angesichts der künstler. Verwandtschaft mit Rottenhammer sowie der gelungenen Verarbeitung der Altdorfer-Einflüsse zu den Komp. in E.s venez. Zeit. Letzteres wird v.a. in den Girlanden der Engel und der verfeinerten Wiedergabe von Farnen und der übrigen Vegetation sichtbar. Das Bild ist stilist. nahe verwandt der Taufe Christi (London), wo erstmals E.s typ. Lsch.-Hintergrund in optima forma zu sehen ist. Das Brennende Troja (München) und der Hl. Paulus auf Malta (London) werden zu den frühesten röm. Schöpfungen gerechnet. Das erste Bild steht in der ikonogr. Trad. nächtl. Darst., wie sie z.B. von Pieter Schoubroeck, als ein Vertreter der sog. Frankenthaler Schule, bek. sind. In der älteren Lit. wird die stilist. Verwandtschaft zw. dem Œuvre von E. und dem der versch. Gruppen-Mitgl. behandelt, wobei regelmäßig auf Gem. wie die „Predigt“ (München, AP) und „Il Contento“ (Basel) verwiesen wird.

Mittlerweile ergab sich überzeugend, daß diese Arbeiten Adriaen van Stalbemt zugeschr. werden müssen, womit auch die Beziehung zur Frankenthaler Gruppe wegfällt. In der Komp. Judith und Holofernes (London) wird in der kräftigen Clair-obscure-Beleuchtung, der Wiedergabe der Figuren sowie in den heftigen menschl. Emotionen der Einfluß von Caravaggio evident. Auch die Art des zierl. gemalten Stillebens läßt stark an vergleichbare Elemente auf Gem. des ital. Meisters denken. Der Engel in E.s Steinigung des Stephanus (Edinburgh) greift unverkennbar die entsprechende Figur von Caravaggios berühmten „Mattheus“ der Contarelli-Kap. von San Luigi dei Francesi in Rom auf (wobei Caravaggio die Lichtquelle stets außerhalb aufscheinen läßt, während bei E. die versch. Lichtquellen gerade die wichtigsten Elemente innerhalb der Komp. bilden). In den Szenen des Kreuz-Altars (Frankfurt am Main) flankieren sechs Begebenheiten der Suche und Auffindung des wahren Kreuzes die zentral angeordnete Verherrlichung mit zahlr. Figuren aus dem AT und NT. Die einzelnen Tafeln befanden sich lange Zeit in versch. engl. Slgn; vor einigen Jahren konnte die Rekonstr. voll. werden. Der sog. Kleine Tobias (Frankfurt am Main) verdeutlicht das Wesen von E.s Kunst. Die delikate Behandlung der Figuren in betont bescheidener Haltung befindet sich in Harmonie mit der wechselvollen Lsch., in der Lichtreflexe kompositor. dominieren.

In der Aurora (Braunschweig) konzentriert sich E. v.a. auf die Wiedergabe der Lsch. bei Tagesanbruch. Urspr. waren zwei verhältnismäßig große Figuren, viell. Polyphemus und Galatea, in die linke Ecke gemalt. Dieses Paar ist evtl. von Hendrick Goudt mit einem Spaziergänger übermalt worden. Die feinsinnige Wiedergabe des Morgenrots ist einmalig in der Lsch.-Malerei des 17. Jh. Il Contento (Edinburgh; auch Entführung der Fortuna gen.) wurde von Joachim von Sandrart als E.s absolutes Meisterwerk beschrieben, obwohl das Gem. vom Künstler selbst nicht mehr voll. wurde. Das kuriose Thema ist dem span. Roman von Mateo Alemán, Vid y hechos del picaro Guzman de Alfarache, Ma. 1599, entlehnt, dessen ital. Übersetzung 1606 erschien.

Die meisterhafte Flucht nach Ägypten (München) ist ohne Zweifel die bemerkenswerteste nächtl. Lsch. der Malerei des 17. Jh. Das Bild weist vier versch. Lichtquellen auf: Mond, Sterne, Fackel und offenes Feuer, an dem sich einige Figuren wärmen. Die Arbeit wird lt. einer zeitgen. Aufschrift 1609 dat. und ist nahezu gleichzeitig mit Galileo Galileis Veröff. über das Milchstraßensystem entstanden. E.s Wiedergabe der Sternenkonfigurationen ist jedoch nicht wiss. und basiert vermutl. auf Beobachtungen ohne opt. Instrumente. Die Flucht nach Ägypten ist wahrsch. E.s am meisten bewundertes Gem., sowohl Rembrandt als auch Rubens fertigten danach Varianten an.

Die neuere Forsch. reduzierte die Zahl der Gem., die mit E. in Verbindung gebracht werden, erheblich; bei den Zchngn ist die Reduktion noch drastischer. So werden die 179 Zchngn des sog. Frankfurter Klebebandes heute allg. E.s Nachf. Goudt zugeschrieben. Möhle (1966) sieht noch in 68 Bll. Arbeiten von E. Diese Zahl wurde durch Andrews (1971) auf 25 vermindert. Seitdem wurden aber auch zwei Zchngn, völlig überzeugend, dem gezeichneten Opus hinzugefügt: Bad der Bathseba (Amsterdam, Aukt.) und Ein Künstler in Verzweiflung (seit 1998 im Bes. der Staatl. GrS, München). Außerdem tauchte kürzl. eine unbek. Feder-Zchng der Flucht nach Ägypten im Pariser Kunsthandel auf (BurlMag 144:2002, XXVI).

Bei Karel van Mander und J. von Sandrart ist bereits zu lesen, daß E. wenig zeichnete. Die kleine Gruppe von Bll., die nun einstimmig E. zugeschr. wird, zeigt eckige Linienführung und betont die Kontur. Lt. Sandrart brauchte E. keine Vorstudien zu machen, da er seine Darst. bereits im Kopf gehabt habe. Diese Bemerkung erweist sich als falsch durch die Existenz eines Kartons für Das Graben nach dem hl. Kreuz (Hamburg) des Kreuz-Altars. Neben diesen Vorstudien sind heute noch ausführl. Skizzen für Il Contento (Paris; Edinburgh) erhalten. Die Zchng der Pietà in Weimar ist viell. ein erster Entwurf für das Gem. in Braunschweig.

Andere Studien-Bll. in Berlin und Amsterdam können nicht mit Gem. in Verbindung gebracht werden. In den Rad. hat E. kein vergleichbares Niveau wie in der Malerei- und Zeichenkunst erreicht. Es werden ihm mittlerweile sieben Rad. zugewiesen, von denen vier zu den frühesten Arbeiten zählen. Die übrigen drei sind nach der Vorlage seiner Gem. gefertigt (Verspottung der Ceres; Joseph und Christuskind; Großer Tobias) und ärml. im Vergleich zu Goudts Schöpfungen nach E.s Werk. Weitere graph. Reprod. nach E.s Entwürfen, wie die von Magdalena de Passe, Hollar u.a., geben eine Vorstellung von E.s verloren gegangenen Komp. (Hollstein VI, 1949).

Als E. 1600 Rom erreicht, werden die zwei maßgebendsten Strömungen der Lsch.-Malerei von Cyriacus Bril und Annibale Carracci vertreten. Der junge dt. Meister läßt sich allerdings von keinem der beiden sehr beeinflussen, doch haben seine Arbeiten mit Bril eine verfeinerte Technik gemeinsam sowie eine gewisse Monumentalität, die bei späteren Lsch. von Carracci entlehnt ist.

E. verfügt über besondere narrative Qualitäten, versteht auf wirkungsvolle und empfindsame Weise die entscheidende Episode einer Erzählung wiederzugeben. Figuren sind Teil ihrer Umgebung, die Lsch. voller feingemalter Details von Vögeln, Blumen und Pflanzen, die ungeachtet der intensiven Farbigkeit das harmon. Gesamtbild nicht stören. Ein wichtiges Merkmal ist die subtile Beleuchtung mit Lichtreflexen auf stehenden Gewässern. Es ist die Verbindung von Natur und Erzählung, die E.s Werk eine unerklärbare Qualität verleiht. E.s Aufenthalt in Rom ist eng mit dem aus Den Haag stammenden Hendrick Goudt verbunden. Dieser hält sich 1604–11 in E.s Haus in Rom auf. Er war sowohl dessen Lehrling als auch Mäzen. Sandrart, den Goudt in den Jahren 1620 in Utrecht trifft, berichtet, daß Goudt E. einschließen ließ, da er nicht genügend Gem. produziert, um seine Schuld zu begleichen, was dann auch zu E.s vorzeitigem Tod beigetragen haben soll.

Sandrarts Mitt. läßt sich nicht dokumentar. bestätigen, jedoch schreibt Rubens bereits 1611 in einem Brief an Faber, daß E. Unrecht widerfahren und es auf erbärml. Weise mit ihm zu Ende gegangen sei. Unabhängig hiervon schreibt Giulio Mancini (1620) in „Considerazione sulla Pitt.“, daß es zu großen Unstimmigkeiten zw. E. und Goudt gekommen sei, sie sich aber während E.s fataler Erkrankung versöhnt hätten.

Sieben bemerkenswerte Rad. sind von Goudt nach E. bek.: Der kleine Tobias, 1608; Verspottung der Ceres, 1610; Enthauptung des Johannes, vor 1610; Philemon und Baucis, 1612; Der große Tobias, 1613; Flucht nach Ägypten, 1613; Aurora, 1613. Ledigl. die ersten drei Drucke nennen E. als Inventor; die in Utrecht entstandenen Graphiken erwähnen nur Goudt, der die Original-Gem. besaß. Derzeit wird nur ein Gem. Goudt selbst zugeschr., eine Adaption von E.s Bild Philemon und Baucis (ehem. Slg Wachtmeister; London, Aukt. Sotheby’s v. 13. 12. 2001, Nr 26). Dagegen ist die Anzahl der Zchngn von Goudt groß. Bisweilen sind sie schwer vom Vorbild zu unterscheiden. Die Rad. von Goudt machten einen enormen Eindruck auf zeitgen. und spätere Generationen von Stechern und Zeichnern, wie z.B. Jan (II) van de Velde und Willem Pietersz. Buytewech.

Der Radierer Hercules Seghers entnahm die Figuren des „Tobias und die Engel“ der Graphik von Goudt. Die Radierplatte kommt in den Besitz von Rembrandt, der sie aufs neue bearbeitet (E. Haverkamp Begemann, Hercules Segers. The complete etchings, Am. 1973, Nr 1). Ein and., eng mit E. verbundener Künstler ist Jacob Ernst Thomann von Hagelstein, der sich 1605–20 in Rom aufhält. Nur bei einem Gem., dem sign. und dat. „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ (Friedrichshafen, Städt. Bodensee-Mus.), steht Von Hagelsteins Autorenschaft fest. Die Figurentypen sind stilist. mit E.s Gem. der Drei Marien am Grab (Bonn) und Judith und Holofernes verwandt. Der Maler, der E.s Lsch.-Auffassung am direktesten folgt, ist der aus Nürnberg stammende Johann König. Aus der Korr. des in Rom tätigen Patriziers und Kunsthändlers Philipp Hainhofer (Oscar Doering, Quellenschriften zur Kunstgesch. des MA und der Neuzeit, N. F. VI, Wien 1896) stellt sich heraus, daß König E. noch kurz vor dessen Tod begegnet und 1614–30 in Augsburg weiterhin im Stil von E. arbeitet.

Rubens, der sich mit Unterbrechungen 1601–08 in Rom aufhält, freundet sich wahrsch. über Faber mit E. an. In zwei Briefen an Faber, 1609 und 1611, äußert sich Rubens anerkennend über die Arbeit von „Signor Adam“ sowie über seine freundschaftl. Gefühle für dessen Person. Im letzten Brief, einer Reaktion auf E.s Tod, bietet er an, E.s Meisterwerk Flucht nach Ägypten zugunsten von dessen Witwe in Flandern zu verkaufen.

Aus seinem Werk erweist es sich, daß Rubens E.s Il Contento aus erster Hand gekannt hat. Er entlehnt Figuren für sein Bild mit der „Opferung im Tempel“, 1620 (London, Courtauld Inst.), dem linken Teil von E.s Il Contento. Auch kopiert er eine Reitergruppe von E.s Steinigung des Stephanus in einer Zchng (London). In seinem Brief von 1611 an Faber schreibt Rubens, daß in Flandern kein Werk von E. zu finden sei, jedoch verstand er es im Laufe der Zeit, vier Gem. E.s zu erwerben: Mariä Verkündigung (Standort unbek.), Judith und Holofernes, Lsch. auf rundem Format (Standort unbek.) und Ceres (Milwaukee/Wis., Priv.-Slg). Pieter Pietersz. Lastman ist um 1606 in Rom, wo er E. getroffen haben kann.

Nach seiner Rückkehr nach Amsterdam, 1607, malt er eine Vielzahl Historienstücke, in denen der Einfluß von E. unverkennbar ist. Dieser Einfluß wird v.a. in den Figurentypen ersichtl., läßt sich aber auch in der schlichten Erzählweise wiederfinden. Diesen Aspekt seiner Kunst hat Lastman an Maler weitergegeben, wie Moysesz van Uyttenbroeck, Jan Symonsz. und Jacob Symonsz. Pynas, Jan Tengnagel und Fran¸cois Venant, die zu Unrecht als Pre-Rembrandtisten angesehen werden. Von Van Uyttenbroeck sind einige Zchngn nach E.s Werk bek. (Wien, Albertina; Paris, Louvre),während versch. kleine Lsch. auf Kupfer mit alttestamentar. Staffage von Jacob Symonsz. Pynas lange Zeit unter E.s Namen geführt wurden.

Unter den fläm. Malern übernimmt David (I) Teniers E.s Stil am längsten und konsequentesten. Er hat 1600–05 in Rom wahrsch. mit E. Kontakt. Versch. seiner Arbeiten, wie z.B. „Paulus auf Malta“ (St. Petersburg, Ermitage), wurden lange Zeit als Schlüsselwerke in E.s Œuvre angesehen. Frans Franck(en) II fertigt eine freie Replik (Aschaffenburg, SG; vgl. Ursula Härtung, Frans Franken d.J., Freren 1989, Nr 255) nach E.s Vorbereitungen des hl. Laurentius auf sein Martyrium (London). Sowohl in etl. Figuren als auch in den seltsamen Lsch. kann bei Carlo Saraceni offenkundig eine Verbindung zu E. gesehen werden. Die Frauenfigur in dessen „Ariadne von Theseus verlassen“ (Neapel, MNdi Capodimonte) ist buchstäbl. ident. mit der übermalten Figur auf E.s Aurora. Auch Saracenis „Hl. Sebastian“ (Prag, Burg) ist in der Wiedergabe des Hl. und dem Verhältnis zur Lsch. mit E.s Darst. äußerst verwandt.

Durch den Mangel an dat. Arbeiten beider Meister ist ihre künstler. Beziehung schwer festzulegen, die wohl als Wechselwirkung gesehen werden kann. Eine sehr persönl. Interpretation von E.s Lsch.-Auffassung ist im Werk des aus Köln stammenden Gottfried Wals zu finden. Wals war um 1616 in Rom bei Agostino Tassi in der Lehre. In dieser Zeit muß er das Œuvre seines Landsmannes kennengelernt haben. Bei Wals, der viel auf rundem Format arbeitet, ist die Schlichtheit der gemalten Lsch. bis ins Äußerste getrieben. Im Vergleich mit den Lsch. von E. sind die von Wals weniger detailliert und in bescheidenerer Farbpalette, wodurch sie einen verträumten Char. haben. Ein anderer Landsmann, der in E.s Arbeiten einen Ausgangspunkt sieht, ist Nicolaus Knüpfer. Dieser malt sowohl eine Kopie (München, AP) als auch eine Variante des Il Contento (Schwerin, Staatl. Mus.). Versch. Künstler fertigen Kopien nach E.s Werk. Leonaert Bramer gestaltet mindestens zwei gezeichnete Kopien sowohl nach dem Brennenden Troja als auch nach Verspottung der Ceres. Auch von Cornelis van Poelenburg sind Kopien nach E. bekannt. Der aus Utrecht stammende Künstler malt eine Kopie (Stamford, Burghley House) nach E.s Latona und lyk. Bauern (Köln) wie auch ein Duplikat (Florenz, Pal. Pitti) der Hll.-Serie aus dem AT und NT (Petworth House, Montpellier). Ein Gem. von der Hand von Anastasio Fontebuoni, „Predigt des Johannes“ (Florenz, Gal. Palatina), wird von Mina Gregori (1969) zu Recht als eine Ehrenbezeigung an E. bezeichnet. Zahlr. andere Künstler, die nicht direkt mit E.s Œuvre in Beziehung gesetzt werden konnten, stützen sich dennoch auf dessen Erfindungen. So malen sowohl der Rembrandt-Schüler Salomon Koninck als auch Jan Steen eine Ceres-Darst. basierend auf E.s Vorlage (vgl. W. Sumowski, Gem. der Rembrandt- Schüler, III, Lo. 1983, Nrn 1088, 1089; London, Aukt. Christie’s v. 19. 4. 2000, Nr 24). Beide wiederum verwenden Goudts Graphik von 1610. Eglon Hendrik van der Neer fertigt einige Darst. ganz in der Auffassung E.s auf Kupfer (u.a. Karlsruhe, SKH; Glasgow, Glasgow AG and Mus.).

Aus alldem ist ersichtlich, daß E. bereits während seines kurzen Lebens einen enormen Einfluß auf viele Künstler unterschiedl. Nationalität ausübt. Die hohe Wertschätzung durch wichtige europ. Sammler hat E. selbst nicht mehr miterlebt. Über E.s Klientel ist wenig bek., doch lassen bereits die außergewöhnl. Motive wie Il Contento und Apollo und Coronis (Liverpool) recht spezif. Auftraggeber vermuten. Neben Goudt, der sieben wichtige Werke von E. besaß und nach Utrecht mitnahm, wurde bei neueren Arch.-Studien ein weiterer bed. und früher Sammler von E.s Arbeiten entdeckt: der fläm. Maler Carlo Oldrado. Aus dem von Cropper und Panofsky-Soergel 1984 veröff. Mat. geht hervor, daß er allein 17 von E.s seltenen Gem. besaß, darunter Hw., wie die Hl. Fam. mit Johannes, Taufe Christi und Brennendes Troja.

Oldrado ist ab 1604 in der Accad. di San Luca eingeschrieben und lebt an der Piazza di Spagna, nahe E.s Wohnung, daher mit ihm bekannt. Neben Goudt und Oldrado besaß auch der gemeinsame Freund Faber einige Werke von E., außerdem Bril von E. Drei Marien am Grab und zwei Versionen der Steinigung des Stephanus, dessen Orig. sich heute in Edinburgh befindet.

Die Tatsache, daß schon zu E.s Lebzeiten dessen Werk von befreundeten Malerkollegen gesammelt wird und daß Rubens eine Vorliebe für E.s Arbeiten hat, zeigt, daß E. ein „artist’s artist“ war. Der früheste bek. Sammler außerhalb des Künstlerkreises um E. war Cosimo II de Medici. Dieser erwarb, auf Anraten von E.s Kollegen Tassi, 1612 den berühmten Kreuz-Altar. Dieses priv. Altarstück wurde um 1620 mit Thomas Howard, Earl of Arundel, gegen einige Portr. von Hans Holbein (Howarth, 1985) getauscht. Arundel besaß auch E.s Latona und die lyk. Bauern sowie die drei Gem. zu Drei Domänen der Welt: Reich der Venus, Reich der Minerva und Reich der Juno (zwei in Cambridge, Verbleib des letzten unbek.). Er übergab auch einen Christophorus (Windsor Castle, Replik nach dem Bild in St. Petersburg) von E. an Karl I., der ebenfalls Die Hexe (Hampton Court Pal.) besaß. Der Herzog von Norfolk besaß den Traum des Jacob und Bekehrung des Saul (beide Frankfurt am Main). Ein weiterer bed. früher Sammler war Maximilian I. von Bayern. Dieser erwarb vor 1628 sowohl die Flucht nach Ägypten als auch Brennendes Troja. Zu dem berühmten „Holl. Geschenk“ an Charles II 1660 gehörte eine Kopie von Gerard Dou nach E.s Ceres (A.- M. Logan, The „Cabinet“ of the brothers Gerard and Jan Reynst, Am. u.a. 1979, 75–83). Es ist naheliegend, daß E.s reizvolle, aber seltene Kunst kurz nach seinem Tod in den versch. Teilen Europas äußerst begehrt war und daß zahlr. Künstler lange Zeit seiner Trad. folgten.

S. Gronert

© Allgemeines Künstlerlexikon, Internationale Künstlerdatenbank, K.G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München/Leipzig.

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