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LYONEL FEININGER (1871 - 1956)

LYONEL FEININGER

1871 - 1956

Feininger, Lyonel (Léonell Charles Adrian), US-amer. Maler, Zeichner, Graphiker und Karikaturist, * 17. 7. 1871 New York, † 13. 1. 1956 ebd.

Vater von Andreas und T. Lux F. Erstes von drei Kindern des Geigers Charles (Karl) F. und der Sängerin und Pianistin Elizabeth Cecilia, geb. Lutz. Aufgrund der häufigen Konzertreisen der Eltern lebt F. zeitweise gemeinsam mit seinen beiden Schwestern Helen und Elsa bei der Familie Clapp in Sharon/Conn.

1880 Beginn des Geigenunterrichts durch den Vater, F. erlangt dabei die für seine zukünftige künstler. Tätigkeit bedeutsame Fähigkeit, durch diszipliniertes Arbeiten kreative Freiheit zu gewinnen. Lernt gleichzeitig Kompositionsschemata kennen, die ihm später beim Konzipieren seiner Bildkompositionen nützl. sind. 1883 Besuch bei den Großeltern in Columbia/S. C. und im Sommer Aufenthalt am St. Laurence-Strom gemeinsam mit dem Vater. Mit diesem im Aug. 1885 an den Niagara-Fällen. F. ist frühzeitig von den Errungenschaften der Technik (Eisenbahnen, Seilbahnen, Segelschiffen und Dampfern sowie Brücken) fasziniert. Er baut selbst Schiffsmodelle und zeichnet viel. 1887 verdient er sich als Laufbursche an der Wall Street Geld, während seine Eltern in Europa auf Konzerttournee sind. Reist im selben Jahr nach Deutschland, wo er am 26. Okt. in Hamburg von Bord geht. Statt des geplanten Musikstudiums in Leipzig (Verzögerung durch Ausfall des Lehrers) nimmt er mit Zustimmung der Eltern Zeichenunterricht an der Allg. Gewerbeschule in Hamburg. An der Oster-Ausst. der Schule 1888 mit 13 Zchngn beteiligt.

Noch im selben Jahr zieht F. nach Berlin um und besteht dort am 1. Okt. die Aufnahmeprüfung für die Kgl. Akademie. Er besucht die Klasse des Malers Ernst Hancke. Entwirft das Titelblatt für die „Fest-Zeitung“ der Akademie. 1889 fertigt er erste Zchngn für die Humorist. Blätter.

1890/91 Schüler am Jesuiten-Collège St. Servais in Lüttich zur Erweiterung seiner Kenntnisse in der frz. Sprache. Besucht von dort aus Brüssel. Entdeckt den Reiz got. Archit. und die Atmosphäre ma. geprägter Städte. 1891 kehrt er nach Berlin zurück und studiert zunächst an der priv. KSch von Adolf Schlabitz, nach deren Schließung wieder an der Akad., in der höheren Antikenklasse von Woldemar Friedrich (bis 1892). Im Sommer auf Rügen. 1892 erneuter Rügen-Besuch. Im Herbst erste Reise nach Paris, zeichnet im Atelier des ital. Bildhauers Filippo Colarossi.

Im Mai 1893 Rückkehr nach Berlin, wo F. als Illustrator und Karikaturist seinen Lebensunterhalt verdient. Bereits ab 1890 arbeitet er für dt., ab 1894 auch für amer. Mag. und Zss. (Humorist. Blätter, Ulk, Lustige Blätter, Das Narrenschiff, Harper’s Young People u.a.). Lernt 1900 in Berlin Clara Fürst, die Tochter des Malers Gustav Fürst, kennen, beide heiraten im Folgejahr. Am 14. 12. 1901 Geburt der Tochter Lore; am 18. 11. 1902 der zweiten Tochter Marianne. 1901–03 mit Zchngn auf den Ausst. der Berliner Sezession vertreten. Zeigt 1904 13 Karikaturen auf der „Großen Berliner Kunst-Ausst.“.

F. gehört um die Jh.-Wende zu den gefragtesten Karikaturisten Deutschlands. Mit seinen skurrilen, überlängten Figuren und den Versuchen, Bewegung in der Zweidimensionalität darzustellen, hat er eine unverwechselbare Handschrift geschaffen. Daneben erprobt er bereits, v.a. in der Gest. von Titelblättern, Farbzusammenstellungen und experimentierte mit Farbwirkungen; auf die dabei gewonnenen Erfahrungen sollte er später in der Malerei zurückgreifen. 1905 lernt F. Julia Berg (geb. Lilienfeld) kennen.

Trennung von seiner Frau Clara, reist mit Julia in das Ostseebad Graal. Im Frühjahr 1906 erster Weimarbesuch bei Julia, die im Herbst 1905 ihr Studium an der dortigen Großherzogl. KGS begonnen hatte. F. entdeckt seine Bildmotive in der Umgebung Weimars, u.a. entstehen die ersten Zchngn der Kirche von Gelmeroda. Vertrag mit der Chicago Sunday Tribune über die beiden Comicserien The Kin-der-Kids und Wee-Willie-Winkie’s World. Im Juli 1906 mit Julia nach Paris. F. zeichnet wieder im Atelier Colarossi. Er verkehrt im Café du Dôme. Freundschaft mit Jules Pascin. Jetzt entstehen auch Arbeiten für das frz. Blatt Le Témoin. F. zeichnet in Arcueil, Meudon und Longueil. Am 27. 12. 1906 Geburt des ersten Sohnes Andreas.

Das Jahr 1907 markiert den Beginn seiner Karriere als Maler, es entsteht das erste Ölbild, ein Stilleben, dem Lsch. und Stadtansichten folgen. Gleichzeitig zeichnet F. weiterhin Karikaturen, von denen einige später in der Zs. Licht und Schatten veröff. werden (1911–13). Den Sommer verbringt F. in Deutschland, wo er vor den Motiven malt, in Güntherstal b. Freiburg sowie auf der Insel Rügen, in Baabe und Lobbe. Im Herbst wieder in Paris, dort sieht er Werke von Cézanne. F.s erste Öl-Gem. sind am Impressionismus orientiert, jedoch im Kolorit von einer gewissen erdhaften Tonigkeit. Sie vermitteln den Eindruck des Gebauten eher als den einer flüchtigen Impression.

Im Frühjahr 1908 führt eine Reise von Paris nach London zur ersten Begegnung mit Bildern von William Turner. Am 25. 9. 1908 heiraten Julia und F. in London. Beide weilen zwischenzeitl. immer wieder auch in Deutschland. F. malt seine ersten Mummenschanz-Bilder, figurative Komp., die auf dem Reservoire an Gestalten des Karikaturisten fußen und im Kolorit die Kenntnis der Malerei der Fauves verraten.

Mit diesen grotesken, collageartig zusammengefügten Phantasien – absonderl. maskierte und kostümierte Figuren in rätselhaftes Geschehen verstrickt, agieren an kulissenartigen, realitätsnahen Schauplätzen – schafft sich F. eine eigenständige Bildsprache, die den Beginn seines Weges zur bildner. Befreiung bezeichnet. 1909 bezieht er eine neue Wohnung in Berlin-Zehlendorf, welche er erst nach der Berufung an das Bauhaus in Weimar aufgeben wird. Am 5. 4. 1909 Geburt des zweiten Sohnes Laurence, am 11. 6. 1910 des dritten Sohnes T. Lux. Auf der Ausst. der Berliner Sezession, deren Mitgl. er seit 1909 ist, stellt F. ein erstes Öl-Gem. aus.

Anläßl. seiner Teiln. am Salon des Artistes Indépendants 1911, auf dem er mit sechs Gem. vertreten ist, erste Begegnung mit dem Kubismus, die seine weitere stilist. Entwicklung stark beeinflußt, und Kontakt mit Robert Delaunay. 1912 lernt F. die „Brücke“-Maler Ernst Heckel und Karl Schmidt- Rottluff kennen, schließt sich der Künstlergruppe nicht an, bleibt aber Heckel und Schmidt-Rottluff, der 1915 sein Porträt (Nürnberg, GNM) malt, zeitlebens verbunden. Beginn der Freundschaft mit Alfred Kubin.

In F.s Schaffen gewinnt die Archit.-Komp. immer größeren Raum, während das Figurenbild stark zurücktritt. Gleichzeitig beginnt er unter dem Eindruck all dieser Begegnungen seine prismat. Bildstrukturen zu entwickeln. 1913 bezieht F. ein Atelier in Weimar, es setzt eine intensive Arbeitsphase in den thüring. Dörfern ein, allein die Kirche von Gelmeroda malt er in diesem Jahr dreimal. Die dort entstandenen Skizzen (Natur-Notizen) bleiben bis zu seinem Lebensende eine der wichtigsten Quellen für zukünftige Bilder.

Auf Einladung von Franz Marc, den Kubin auf F. aufmerksam gemacht hatte, nimmt er 1913 mit fünf Gem. am „Ersten Deutschen Herbstsalon“ in der Gal. Der Sturm von Herwarth Walden teil. Austritt aus der Berliner Sezession. F. entwirft für den Spielzeugfabrikanten Löwenthal Eisenbahnzüge aus Holz, deren geplante Serienproduktion jedoch durch den Ausbruch des 1. WK verhindert wird. 1915 trifft F. in Berlin den amer. Maler Marsden Hartley. Im Juni 1916 stellt er in der Gal. Der Sturm in Berlin gemeinsam mit Conrad Felixmüller aus, 1917 folgt hier seine erste Einzelausstellung. Den Sommer diesen Jahres darf F., dessen Bewegungsfreiheit durch den Krieg als „feindl.“ Ausländer eingeschränkt ist, aufgrund einer speziellen Bewilligung in Braunlage im Harz verbringen. 1918 setzt eine intensive Auseinandersetzung mit dem Medium des Hschn. ein.

In dem kurzen Zeitraum 1918–20 entsteht der wesentl. Teil seines Œuvres in diesem druckgraph. Verfahren, womit er sich als einer der bedeutendsten Holzschneider des 20. Jh. ausweist. Gleichzeitig arbeitet er dabei für sich an der Lösung des formalen Problems der Verankerung des Raumes in der Zweidimensionalität des Bildes. 1918 wird F. Mitgl. in der von César Klein und Max Pechstein initiierten Novembergruppe. 1919 tritt er der Dresdner Sezession Gruppe 1919 bei und unterzeichnet das Programm des Arbeitsrates für Kunst. In Berlin Begegnung mit dem Kunsthistoriker Alois J. Schardt, die zu einer lebenslangen Freundschaft führt. In diesem Jahr Berufung F.s als Formmeister in die Druck-Wkst. an das von Walter Gropius in Weimar gegr. Staatl. Bauhaus. Er fertigt den Titel-Hschn. Kathedrale für das Bauhausmanifest.

Als Beweis der zunehmenden Anerkennung seines Werkes ist der Erwerb des Gem. Vollersroda III (später ausgetauscht gegen Teltow II) durch die NG in Berlin zu werten. 1920 Übersiedlung nach Weimar. Das Anger-Mus. in Erfurt richtet seine erste Einzel-Ausst. in einem Mus. aus.

1921 erscheint eine Mappe mit zwölf seiner Hschn. als Auftaktedition der Bauhausdruckerei. Im gleichen Jahr nimmt F., dessen bes. Verehrung Johann Sebastian Bach gilt, seine kompositor. Tätigkeit wieder auf, die erste Fuge entsteht (Uraufführung 1924 am Bauhaus; bis 1928 komponierte er zwölf Fugen in versch. Variationen). Obwohl F. Kompositionspraktiken aus der Musik, wie die Variation eines Themas oder die Satztechnik des Kontrapunktes, in seiner bildkünstler. Arbeit zu nutzen vermochte, hat er selbst immer auf die strikte Trennung seiner musikal. und gestalter. Arbeit geachtet. Ganz offensichtl. bestand jedoch zw. seinem musikal. und seinem bildner. Denken eine Verwandtschaft in der Strukturierung. Als erstes amer. Mus. erwirbt 1921 das Detroit Inst. of FA mit Raddampfer II (1913) ein Bild von F. 1923 werden erstmalig Werke von F. in den USA gezeigt.

Im Anger-Mus., Erfurt, wird ihm ein Arbeitsraum zur Verfügung gestellt. Es entstehen Zchngn und Aqu. von der Stadt, denen später die bedeutenden Gem. Barfüßerkirche in Erfurt I (1924, Stuttgart, SG), Barfüßerkirche in Erfurt II (1926, Minneapolis, Walker AC) und Regler-Kirche (1930, Boston, MFA) folgen. 1924 gründet F. zus. mit Wassily Kandinsky, Paul Klee und Alexej von Jawlensky die Ausst.-Gemeinschaft „Die Blaue Vier“ (The Blue Four), wodurch sich, vermittelt durch Emmy (Galka) Scheyer, besonders die Ausst.-Tätigkeit in den USA verstärkt; die erste Gruppen-Ausst. findet 1925 in der New Yorker Charles Daniel Gall. statt.

1924 entdeckt F. für sich das Fischerdorf Deep/Ostpommern, wo er für die nächsten elf Jahre sein Sommerdomizil findet. Damit beginnt die intensive Erschließung eines weiteren bed. Motivreservoirs – der Ostsee abseits der mondänen Seebäder, wo in der Grenzsituation zwischen Land und Wasser mit dem hohen Himmel eine ganz besondere, durch einzigartige Naturschauspiele geprägte Atmosphäre anzutreffen ist. Zusätzlich dazu besucht F. immer wieder die alten Städte der Region wie Treptow, Kolberg, Cammin oder Greifenberg zum Zeichnen. Seine Werke gewinnen in den 1920er Jahren an Transparenz und Leuchtkraft, die klar konstruierten Bilder befinden sich in einem Schwebezustand zw. Realität und Vision. Vor allem in den Aqu. dieser Zeit erreicht F. eine weitestgehende Vergeistigung bei Erkennbarkeit der Motive. Das Raumgefüge der Bilder entsteht in der Überlagerung und Durchdringung transparenter Farbflächen – letztes Ziel ist die „Übernatur“; die Transzendenz des Bildes.

Entsprechend F.s ganzheitl. Denkansatz sind Archit. und Natur gleichberechtigte Bausteine der Komp., die teilw. durch den Menschen, als eine Art Maßstab, belebt sind. Es entstehen so bedeutende Werke, wie Wolke nach dem Sturm (Vogelwolke, 1926, Cambridge/Mass., Busch-Reisinger Mus.), Stiller Tag am Meer (1926, Hamburg, Priv.-Slg), Yachten (1929, Stuttgart, SG) oder Gelmeroda XII (1929, Providence, Rhode Island School of Design Mus. of Art). Bes. interessant ist ein Blick auf das ungewöhnl. Glasscherbenbild (1927, New York, Priv.-Slg). Ganz absichtslos scheinen hier zerbrochene, getönte Glasscheiben an einer Wand gestapelt, die im durchsichtigen Hintereinander den Bildgegenstand konstituieren, wobei die reale Situation ein scheinbar abstraktes Gebilde hervorbringt. Der Betrachter steht einer Art Gebrauchsanleitung zum Bildaufbau gegenüber.

F. befindet sich als einer der bedeutendsten zeitgen. Maler Deutschlands auf einem Höhepunkt seines Schaffens. Später hat man vorrangig die Werke dieser Periode mit seinem Namen in Verbindung gebracht, wodurch die Gefahr der Verengung des Blickes auf die Gesamtpersönlichkeit des Künstlers besteht. Nach der 1925 erfolgten Schließung des Bauhauses in Weimar übersiedelt F. 1926 mit dem Inst., dem er als Prof. ohne Gehalt und Lehrauftrag weiterhin angehört, nach Dessau. Er wohnt in einem der „Meisterhäuser“ (heute Kurt-Weill-Zentrum). Dort besucht ihn 1927 Alfred H. Barr jr., der Gründungsdirektor des MMA in New York, welcher ihn 1929 mit sieben Werken in die Ausst. „Paintings by 19 Living Americans“ des MMA integriert. Damit wird F. das erste Mal als „amer.“ Maler eingestuft, während er im Jahr zuvor mit 13 Gem. in der Ausst. „Neuere Deutsche Kunst aus Berliner Privatbesitz“ im Kronprinzen-Pal. gezeigt worden war.

Durch Vermittlung von Alois J. Schardt erhält F. den Auftrag zum Malen einer Ansicht der Stadt Halle an der Saale, den er vom Mai 1929 bis in das Frühjahr 1931 realisiert. F. wird im Torturm der Moritzburg, welche das Städt. Mus. beherbergt, ein Atelier zur Verfügung gestellt. Am Ende der Arbeit steht die Halle-Serie mit elf Gem. und 29 Zeichnungen. Dieses „Porträt einer Stadt“ zählt heute zu den großen kult. Leistungen des 20. Jh. Aus Anlaß seines 60. Geburtstages veranstaltet die NG im Kronprinzen-Pal. eine umfassende Retr. seiner Werke, die in veränderter Form zuvor bereits im Folkwang Mus. Essen gezeigt worden war.

Nach der Schließung des Dessauer Bauhauses (30. 9. 1932) zieht F. 1933 nach Berlin-Siemensstadt um. Im Sommer 1935 weilt er ein letztes Mal in Deep. Im Jahr 1936 geht er auf Einladung des Kunsthistorikers Alfred Neumeyer an das Mills College nach Oakland/Calif., wo er den Sommerkurs hält. Neumeyer organisiert eine Ausst. der Werke F.s, die im Anschluß nach San Francisco wandert; eine weitere Einzel-Ausst. in der East River Gall., New York. F. reist mit seiner Frau durch Kalifornien und Neuengland, sie besuchen alte Freunde, so Emmy Scheyer in Los Angeles.

Die in Deutschland immer bedrückender werdende Situation bewegt F. dazu, eine erneute Einladung an das Mills College zum endgültigen Verlassen seiner Wahlheimat nach fast 50 Jahren zu nutzen. Zus. mit seiner Frau schifft er sich am 11. 6. 1937 nach New York ein. Aus dt. Museen werden über 400 seiner Werke im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ von den Nationalsozialisten beschlagnahmt, 19 davon sind in der gleichnamigen Ausst. in München ausgestellt. 1939 fertigt F. Entwürfe für die Außenfassade des Marine Transportation Building sowie für die Wandbilder des Masterpieces of Mod. Art Building der WA in New York an, womit sich die anfängl. finanziellen Schwierigkeiten verringern.

Malte F. nach seinem Weggang aus Deutschland zunächst keine Ölbilder, entstehen im Herbst 1939 wieder erste Gem., die noch dt. Motive widerspiegeln – Sea at Deep (1939, Priv.- Slg). Durch die Tausenden von mitgebrachten Skizzen bleiben die dt. Erfahrungen bis an sein Lebensende relevant

Vita Nova (1947, Priv.-Slg). Ab 1940 erschließt er sich die Wolkenkratzer und Straßenschluchten von Manhattan als sein wichtigstes Motiv im Alterswerk. Jetzt gewinnt die Linie, die den Werken einen graph. Char. verleiht, gegenüber dem Prismatischen wieder an Dominanz. Der Bildgegenstand wird in einem Gerüst aus sich kreuzenden Geraden festgelegt, in welches F. ganz frei und spielerisch mit der Farbe hineingeht, ohne einem Diktat der Linie zu folgen – Manhattan II (1940, Fort Worth, Mod. AM) oder Lunar Web (1951, Brooklyn/N. Y., Brooklyn Mus. of Art). Parallel zu diesem linearen Stil ist in F.s Spätwerk eine maler. Formauflösung feststellbar – Manhattan I (1940, New York, MMA) oder Shadow of Dissolution (1953, Priv.-Slg). Zunehmende Ausst.-Tätigkeit läßt den Bekanntheitsgrad des „deutschen“ Künstlers in seinem Geburtsland stetig wachsen. Er arbeitet mit der Curt Valentin Gall. in New York zusammen.

1942 gewinnt F. mit dem Gem. Gelmeroda XIII (1936) den Ankaufspreis des Metrop. Mus. in NewYork. 1944 erfolgt der endgültige Durchbruch in den USA mit der großen Retr., die ihm, gemeinsam mit Marsden Hartley, durch das MMA in New York ausgerichtet wird. Im selben Jahr beginnt die Freundschaft mit dem amer. Maler Mark Tobey. 1945 Sommerseminar am Black Mountain College in North Carolina auf Einladung von Josef Albers. Dort trifft er wieder mit Gropius zus. und schließt Freundschaft mit dem Musikwissenschaftler Alfred Einstein. Die Sommermonate verbringt F. gemeinsam mit seiner Frau an versch. Orten in Massachusetts, Connecticut und auf Long Island.

Den 80. Geburtstag begeht er 1951 im Haus von Gropius in South Lincoln/Mass. In den letzten Jahren gewinnt das Aqu. gegenüber der Ölmalerei zunehmend an Bedeutung, auch beschäftigt sich F. wieder mit der Druckgraphik, einige der wichtigsten Lith. entstehen. Sein Schaffen erfreut sich einer größer werdenden Aufmerksamkeit. 1947 wird F. Präs. und 1955 Ehrenvizepräsident der Federation of Amer. Painters and Sculptors.

F.s Werk steht singulär in der Kunst des 20. Jh., weder läßt es sich in bestimmte Stilrichtungen einordnen, noch begündete der Künstler eine Schule. Versch. künstler. Strömungen dem eig. Werk anverwandelnd, suchte F. immer den angemessenen Weg, um seinen Visionen den bestmögl. Ausdruck zu verleihen und für jede gestalter. Aufgabe die „letzte Form“ zu finden. Dieses Streben war Garant für F.s künstler. Unabhängigkeit wie auch die zeitlose Gültigkeit seines Werkes.

W. Büche

© Allgemeines Künstlerlexikon, Internationale Künstlerdatenbank, K.G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München/Leipzig.

Lyonel Feininger, Dorfteich von Gelmeroda, 1922, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Lyonel Feininger: Dorfteich von Gelmeroda

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