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ROSSO FIORENTINO (GIOVANNI BATTISTA DI JACOPO) (1494 - 1540)

ROSSO FIORENTINO (GIOVANNI BATTISTA DI JACOPO)

1494 - 1540

Der Künstler wurde am 8. März 1494 in dem Florentiner Gemeindebezirk San Michele Visdomini geboren. Die Bezeichnung „Rosso“ verdankt er seiner roten Haarfarbe. Über seine Ausbildung zum Maler ist nur bekannt, was Vasari, der mit ihm befreundet war, berichtet: Er schildert Rosso als einen eigenwilligen Autodidakten, der nach dem Karton Michelangelos gezeichnet, sich aufgrund abweichender Auffassungen aber keinem Meister wirklich angeschlossen habe.

In Zahlungsdokumenten erscheint er zuerst im Herbst 1513, die betreffenden Werke, zusammen mit anderen ausgeführte Wappen, sind verloren. Aus dieser Zeit stammt auch das – stark beschädigte – Fresko der „Himmelfahrt Mariä“ im Kreuzgang der SS. Annunziata in Florenz. Am 26. Februar 1517 schrieb Rosso sich in die Arte dei Medici e Speziali ein. Im selben Jahr bestellte der Direktor des Ospedale S. Maria Nuova, Leonardo di Giovanni Buonafé, die auch als „pala dello Spedalingo“ bekannte Altartafel, die vom Auftraggeber zurückgewiesen und später mit veränderten Heiligen in die Dorfkirche S. Stefano in Grezzano verschoben wurde (heute Florenz, Uffizien).

Zugleich betätigte sich Rosso schon früh als Porträtist, wie das 1518 datierte Bildnis eines Mannes mit Brief (Verbleib unbekannt) zeigt. In den Jahren 1521/22 entstanden erstmals Werke für auswärtige Auftraggeber: die „Kreuzabnahme Christi“ für Volterra sowie die Darstellung der thronenden Madonna mit Kind und den Heiligen Johannes d. T. und Bartholomäus für Villamagna (Volterra, Pinacoteca sowie Museo diocesano). Nach Florenz zurückgekehrt, schuf Rosso 1522 das „Dei-Altarbild“ für S. Spirito, im Folgejahr „Die Vermählung Mariens“ sowie das rätselhafte Bild „Moses verteidigt die Töchter Jethros“ (Florenz, Galleria Palatina, San Lorenzo und Uffizien). Diese Erfolge ermutigten ihn Ende 1523 oder Anfang 1524, in Rom sein Glück zu suchen. Hier freskierte er in der Cesi-Kapelle in S. Maria della Pace die Erschaffung Evas und den Sündenfall, schuf Tafelbilder wie „Die Beweinung Christi mit vier Engeln“ (Boston, Museum of Fine Arts) oder „Der Tod Kleopatras“ (Braunschweig, Herzog-Anton-Ulrich-Museum) sowie Vorlagen für Stiche, die Jacopo Caraglio ausführte. Nach der Plünderung Roms durch die Truppen Karls V. im Jahre 1527 flüchtete Rosso nach Umbrien, wo in den folgenden Jahren Hauptwerke wie „Die Beweinung Christi unter dem Kreuz“ (Sansepolcro, Kirche San Lorenzo) und „Der auferstandene und verherrlichte Christus mit heiligen Frauen sowie der Bevölkerung von Città di Castello“ (ebd., Kathedrale) entstanden.

Die Arbeit an dem zuletzt genannten Bild wurde durch den Einsturz des Atelierdachs unterbrochen, bei dem Rosso Verletzungen erlitt. Nach seiner Genesung ging der Künstler nach Arezzo, wo ihm die Compagnia della SS. Annunziata ein Freskoprojekt in der gleichnamigen Kirche anvertraute. Der über vier Lünetten und die Gewölbekalotte verteilte Marien-Zyklus, dessen komplexes Programm wohl auf den Humanisten Pollastino zurückgeht, kam jedoch ebenso wenig über die Entwurfsphase hinaus wie eine von der Fraternita dei Laici in Auftrag gegebene Schutzmantelmadonna.

Im Herbst 1529 abermals durch anrückende Truppen vertrieben, kehrte Rosso kurz nach Umbrien zurück und begab sich anschließend nach Venedig, von wo aus er sich, unterstützt durch Pietro Aretino, bei Franz I. von Frankreich als Hofmaler bewarb. Ab November 1530 bereits in Frankreich nachgewiesen, schuf er dort vor allem den Freskozyklus der Galerie von Fontainebleau. „Maître Roux“, der sich Vasari zufolge einer als falsch erwiesenen Beschuldigung eines Mitarbeiters wegen vergiftet haben soll, starb am 14. November 1540 im Alter von nur sechsundvierzig Jahren.

Rosso war der wohl originellste, eigenwilligste Künstler seiner Generation, dessen Leben von Anfang an außerhalb der Norm verlief und ihn früh in Konflikt mit seinen Auftraggebern brachte. Er war, wie Kurt Kusenberg treffend formulierte, „der Prototyp des humanistisch gebildeten, intellektuellen, problematischen Künstlers der antiklassischen Bewegung“, dessen „konstruktivistische, von nervöser Energie erfüllte Kompositionen [...] eine starke Fähigkeit zur Abstraktion mit einer Neigung zum Phantastischen und Bizarren“ verbinden. Seine aus seiner spannungsreichen Persönlichkeit gespeiste Kunst blieb trotz der auf seine Zeitgenossen ausgeübten Faszination am Ende unerreicht.

Rosso Fiorentino (G. B. di Jacopo), Madonna mit Kind, Johannes dem Täufer und der heiligen Elisabeth, um 1511

ROSSO FIORENTINO (GIOVANNI BATTISTA DI JACOPO): Madonna mit Kind und Johannesknaben

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