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KARL PHILIPP FOHR (1795 - 1818)

KARL PHILIPP FOHR

1795 - 1818

Fohr, Carl (Karl) Philipp, dt. Maler, Zeichner, * 26. 11. 1795 Heidelberg, † 29. 6. 1818 Rom.

Sohn eines Sprachlehrers und ehem. Gardisten des frz. Königs, älterer Bruder des Landschaftsmalers Daniel Fohr. Erster Unterricht bei dem Univ.-Zeichenlehrer Friedrich Rottmann in Heidelberg, zus. mit dessen Sohn Carl und Ernst Fries.

1810 entdeckt ihn der Darmstädter Kammersekretär und Maler Georg Wilhelm Issel beim Zeichnen im Freien vor Stift Neuburg. Auf dessen Einladung hin geht F. 1811 nach Darmstadt und schließt Bekanntschaft mit dem Historiker und Prinzenerzieher am Darmstädter Hof, Dr. Philipp Dieffenbach, seinem späteren Biographen. Dieser stellt F. der Groß- und Erbprinzessin Wilhelmine Luise von Hessen, Schwester des Großherzogs Karl von Baden, vor.

Durch Aufträge und später durch Aussetzung eines Jahresgehalts sollte sie seine lebenslange Gönnerin werden. Auf den Wanderungen durch Odenwald und Neckartal entstehen Vorlagen für die im Winter 1813/14 ausgef. Aqu. des Skizzenbuchs der Neckargegend. Dieses seiner Gönnerin überreichte Album bildet eine Abfolge von Darst. hist. und sagenhafter Ereignisse sowie bildmäßiger Ansichten, oft mit Bezug zu der Empfängerin. Mit der zeitgen. Veduten- Produktion haben diese poet. Landschaftseindrücke wenig zu tun.

1814 nimmt die Erbprinzessin F. zu ihrem Sommeraufenthalt nach Baden-Baden mit. Durch den ebenfalls mitreisenden Dieffenbach lernt er Gesch. und Sagen des Schwarzwaldes kennen. Mit völlig neuer Eindringlichkeit schildert er nicht nur die Schwarzwald-Lsch. in atmosphär. dichten Aqu., sondern komponiert szen. hist. Ereignisse und Sagenstoffe (Badisches Skizzenbuch). 1815/16 besucht F. die Münchner Akademie. Doch nicht von demdortigen Stud., sondern von der intensiven Freundschaft mit einem Mitstudenten, von neuen Kunsterlebnissen und v.a. von neuen Landschaftseindrücken gehen die entscheidenden Impulse für seine künstler. Entwicklung aus.

Im Sept./ Okt. 1815 unternimmt er, offenbar allein, eine Fußreise durch Tirol, Oberitalien, Venedig, Friaul, Kärnten und Salzburg. Es entstehen Lsch.-Zchngn und -Aqu., denen nun keine Detailverliebtheit und Hang zum Ornamentalisieren mehr anhaftet. F.s großzügige und weiträumige Lineaturen beschreiben nicht, sondern bilden abstrakte und doch naturnahe Kürzel.

Nach seiner Rückkehr schließt er in München Freundschaft mit dem Mitstudenten Ludwig Sigismund Ruhl aus Kassel, der ihn in die romant. Dichtung einführt und in der Ölmalerei unterweist. Es entstehen Ill. zu De la Motte-Fouqué und Tieck sowie erste Ölbilder. Der Eindruck der Werke der Münchner Gal. und der Akad., bes. der Lsch. mit Regenbogen von Joseph Anton Koch mit seiner zellenartigen Bild-Archit., ist tief. In Kopien nach Dürers Rand-Zchngn zum Gebetbuch für Kaiser Maximilian II. nimmt er die schon in Heidelberg und Darmstadt begonnene Beschäftigung mit der Kunst der Dürerzeit wieder auf.

Um einer Relegation vorzubeugen, verläßt F. 1818 die Münchner Akad. und hält sich von Mai bis Okt. wieder in Heidelberg auf. Dort findet er Aufnahme in den Kreis der radikalen Studenten um Follen. Neben Lsch.-Zchngn aus Heidelberg und Umgebung entstehen Bildnis-Zchngn der revolutionär-patriot. gesonnenen Studenten, möglicherweise im Hinblick auf ein geplantes, aber nicht ausgef. Gruppenbild. Hier, wie in dem Selbstbildnis (Heidelberg, Kurpfälz. Mus.), das er seinen Eltern zum Abschied schenkt, ist in der Verbindung von hoher Abstraktion und lebendiger Aufassung der menschl. Physiognomie eine Anverwandlung Dürerscher Zeichenkunst zu spüren.

Im Spätherbst 1816 bricht F. in Begleitung seines Hundes Grimsel zu Fuß nach Rom auf, wo er seinen Freund Ruhl wieder trifft und in dessen Wohnung in der Casa Buti ein Zimmer erhält. Im Febr. 1817 schließt er Freundschaft mit dem aus Darmstadt stammenden Maler Wilhelm von Harnier, bis zur Abreise im April F.s Hausgenosse. Aus seinem Tagebuch läßt sich einiges über den Alltag F.s sowie über dessen Duell mit Ruhl erfahren. Die Gründe dieses Zerwürfnisses sind nicht ganz klar, doch entspricht der Vorfall dem leicht erhitzbaren, aufbrausenden Temperament F.s. Hier mag auch ein Grund für die Entfremdung von den Nazarenern um Friedrich Overbeck liegen, mit denen er zunächst geselligen Umgang gepflegt hatte.

F. arbeitet nun im Atelier von J. A. Koch. Es entstehen (z.T. verlorengegangene) Lsch.-Gem., in einem Fall als Auftrag von Johann David Passavant, in zwei and. Fällen für seine Darmstädter Gönnerin, darunter sein Hw., die Lsch. bei Rocca Canterano im Sabinergebirge, ein mächtiges, gleichermaßen in der Trad. klass.-heroischer Landschaftsauffassung stehendes wie romant.-verträumtes Bild. Daneben arbeitet F. an Zchngn zur dt. Dichtung (Götz von Berlichingen reitet ins Zigeunerlager, Darmstadt, Hess. LM) und Sage (Hagen und die Donaunixen, ehem. Berlin, Schloß Tegel) sowie an Darst. ital. und dt. Landschaften.

Eine chronolog. Ordnung der Zchngn aus der röm. Zeit ist aufgrund ihrer stilist. Vielfalt äußerst schwierig. Eine umfangreiche Folge von 54 Bildnisstudien von dt. Künstlern in Rom (davon 45 in Heidelberg, Kurpfälz. Mus.) zu einem als Rad. geplanten Gruppenbildnis der Künstler im Café Greco (vier Entwurfs-Zchngn hierzu in Frankfurt am Main, Städel) gehören in der Verbindung von Naturnähe und abstrakter Idealität zum Schönsten, was die dt. romant. Bildniskunst hervorgebracht hat.

Das Projekt wird nicht erst, wie man lange angenommen hat, durch F.s Tod, sondern vermutl. schon früher durch den Bruch mit der nazaren. Fraktion der Dargestellten beendet. Sein jäher Tod beim Wettschwimmen im Tiber wird von den Landsleuten in Rom mit Erschütterung aufgenommen. Der zeichner. Nachlaß wird am 4./5. 12. 1818 zugunsten der Eltern durch J. Passavant in Rom versteigert.

In F.s angesichts seines kurzen Lebens äußerst umfangreichen wie vielseitigen, von den Zeitgenossen bewunderten Werk vergegenwärtigen sich beispielhaft Aufbruch und geistige Spannbreite der dt. Romantik. Unmittelbare Nachf. findet sich nur punktuell, vor allem in der Bildnisauffassung (Theodor Rehbenitz, Julius Schnorr von Carolsfeld, später August Lucas, dessen Bildnis-Zchngn der 20er Jahre nicht ohne Kenntnis von F.s Café-Greco-Bildnissen zu denken sind).

P. Märker

© Allgemeines Künstlerlexikon, Internationale Künstlerdatenbank, K.G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München/Leipzig.

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