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MATHIS GOTHART NITHART GEN. GRÜNEWALD (um 1475/80 - vor dem 1.9.1582)

MATHIS GOTHART NITHART GEN. GRÜNEWALD

um 1475/80 - vor dem 1.9.1582

In seiner 1531 erschienenen Schrift "Elementa rhetorices" zählt der Humanist und Reformator Philipp Melanchthon Albrecht Dürer, Lucas (Cranach) und einen "Matthias" als die drei berühmtesten zeitgenössischen Maler auf. Nach heutigem Urteil wird man den letzteren mir dem Schöpfer des Isenheimer Altars im Unterlinden-Museum, Colmar, der Stuppacher Madonna samt zugehörigem Flügelbild im Freiburger Augustinermuseum, der Erasmus- Mauritius-Tafel in der Münchener Alten Pinakothek, des Tauberbischofsheimer Altars in Karlsruhe, der hierzu besprechenden Standflügel vom Heller-Altar in Frankfurt und Karlsruhe und einer Handvoll weiterer Werke, sowie eines Korpus von etwa 35 ungemein ausdrucksstarken Kreidezeichnungen identifizieren.

Während sich die Konturen von Grünewalds OEuvre heutzutage relativ klar abzeichnen, gilt für seine Biographie das Gegenteil. Der Maler und Wasserkunstmacher ist anscheinend früh in Vergessenheit geraten. Der Name "Matthaeus Gruenewald", unter dem ihn der Künstlerbiograph Joachim von Sandrart im 17. Jahrhundert einführte, ist in den Quellen nicht belegt. Warum Sandrart ihn benutzte, bleibt unklar; wegen der Popularität von Sandrarts "Teutscher Académie" hat er sich jedoch eingebürgert und bis heute gehalten. Dem stellte erst 1938 Walther Karl Zülch nach intensiven Archivstudien den "historischen Grünewald" gegenüber, der in den Dokumenten des 16. Jahrhunderts als "Mathis Gothart" oder "Mathis Nithart" in verschiedenen Schreibweisen vorkommt.

Dieser aus Würzburg stammende Künstler war seit 1511 zunächst in Aschaffenburg tätig und stand zeitweise im Dienste der Mainzer Erzbischöte Uriel von Gemmingen und Albrecht von Brandenburg, von denen er zwischen 1511 und 1526 Zahlungen empfing. Für den Aschaffenburger Kanonikus Heinrich Reitzmann malte er den Maria-Schnee-Altar, von dem die Stuppacher Madonna stammt und dessen mit dem Monogramm "MGN" bezeichneter Originalrahmen sich heute noch in der Aschaffenburger Stiftskirche befindet. 1526/27 war der Maler in Frankfurt tätig, wurde aber schon 1527 nach Halle gerufen, von wo aus im Folgejahr sein Tod gemeldet wurde. 1527 beauftragte ihn die Stadt Magdeburg mit der zeichnerischen Aufnahme der Frankfurter Mainmühlen, die man nachbauen wollte.

Ein umfangreicher Nachlaß des Künstlers, der nach seinem Tode inventarisiert wurde und in dem sich Hofkleider und Malerutensilien fanden, war in Frankfurt verblieben. Als Erbe wird ein Adoptivsohn in Seligenstadt benannt; doch ist dies die einzige Verbindung Grünewalds mit der Stadt. Die auf Zülch zurückgehende Annahme, ein dort ansässiger Bildschnitzer namens Mathis sei ebenfalls mit Grünewald zu identifizieren, hat sich als falsch herausgestellt.

LITERATUR: Walther K. ZÜLCH, Der historische Grünewald. Mathis Gothardt-Neithardt, München 1938; Anton KEHL, "Grünewald"- Forschungen, Neustadt a. d. Aisch 1964; Karl ARNDT, Der historische "Grünewald". Anmerkungen zum Forschungsstand, in: H. Boockmann (Hg.), Kirche und Gesellschaft im Heiligen Römischen Reich des 15. und 16. Jahrhunderts, Göttingen 1994, S. 116-147; Christiane ANDERSSON, Art. "Grünewald, Matthias" , in: J. Turner (Hg.), The Dictionary of Art, London 1996, Bd. 13, S. 719-724; Horst ZIERMANN, Matthias Grünewald, München, London u. New York 2001; R. Riepertinger, E. Brockhoff, K. Heinemann, J. Schumann (Hgg.), Ausst. Kat. DAS RÄTSEL GRÜNEWALD, Augsburg 2002

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