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ERICH HECKEL (1883 - 1970)

ERICH HECKEL

1883 - 1970

Heckel, Erich, Maler, Zeichner, Graphiker, * 31.7.1883 Döbeln (Sachsen), † 27.1.1970 Hemmenhofen/Bodensee.

Nach Schuljahren in Olbernhau, Freiberg und Chemnitz am Realgymnasium, wo er 1901 mit Karl Schmidt-Rottluff Freundschaft schloß, begann H. 1904 an der TH Dresden Architektur bei Fritz Schumacher zu studieren. Nach drei Semestern brach er das Studium ab, um 1905 mit seinen Kommilitonen Fritz Bleyl, Ernst Ludwig Kirchner und K. Schmidt-Rottluff die expressionistische Künstlergemeinschaft "Die Brücke" zu gründen. Bis 1907 aus Existenzgründen noch im Architekturbüro von Wilhelm Kreis tätig, widmete er sich danach ausschließlich der Malerei, die bis etwa 1911 stark im Zeichen des kollektiven, sehr vehement gestischen, farbintensiven Brücke-Stils stand. Jährliche Sommer- bzw. Herbstaufenthalte zwischen 1907 und 1911 in Norddeutschland, besonders in Dangast, spielten dabei für H. nicht nur in der Motivik, vor allem Landschaften, Akte und Genreszenen, sondern auch bei der Entwicklung einer mehr verhaltenen, strengen und herben Stilistik eine wichtige Rolle. Eine Frühjahrsreise nach Rom 1909 hinterließ dagegen wenig Spuren.

Seit einem Berlin-Besuch 1910 mit Otto Mueller befreundet, übersiedelte H. im Herbst 1911 nach Berlin-Steglitz in das ehemalige Atelier Muellers. Neben neuen Motiven (Großstadt, Zirkus) und Kontakten zu Franz Marc, August Macke und Lyonel Feininger führte vor allem die Auseinandersetzung mit dem Kubismus und Robert Delaunay zu einer kristallin-prismatischen, farbig zurückgenommenen Formsprache (u. a. Gläserner Tag, Öl 1913, Neue Pinakothek München), die einen Höhepunkt seines Schaffens bezeichnet. In ihm gebührt dem Aquarell wie der Handzeichnung eine weitgehend eigenständige Stellung der spontanen ersten Fixierung, während die Druckgraphik, besonders der Farbholzschnitt und die Lithographie, in der Vorkriegszeit mit ihrer lapidaren Kraft sogar die Malerei dominierten. Erste Wandbildaufträge für eine Kapelle auf der Kölner Sonderbundausstellung 1912 (mit E. L. Kirchner) und in einer Galerie zur Werkbundausstellung 1914 in Köln festigten seinen Ruf.

Im Ersten Weltkrieg von 1915 bis 1918 freiwilliger Pfleger beim Roten Kreuz in Flandern, wo er u. a. Max Beckmann, Max Kaus und James Ensor begegnete, konnte H. weiter künstlerisch tätig sein. Werke wie das Selbstbildnis von 1919 (Nationalgalerie Berlin) zeigen noch die Spuren der tiefen seelischen Erschütterung. Seit November 1918 wieder in Berlin, entfaltete sich über mehrere Jahrzehnte mit jährlichen Sommeraufenthalten in Osterholz an der Flensburger Förde und vielen Reisen durch Europa (Alpen, Tessin, Frankreich, Großbritannien, Dänemark, Schweden, Norditalien, Sizilien) ein mehr hellfarbiges, lyrisch gemildertes Werk, das in vielen Stadt- und Landschaftsmotiven, Bildnissen, figürlichen Szenen und Stilleben ein gewandeltes, engeres Verhältnis zur Natur bezeugt. Es bestimmt auch noch, mit der Neigung zur Strenge, die Rückzugsposition H.s in der Ära des Nationalsozialismus, als man 1937 in der Aktion "entartete Kunst" 729 seiner Werke aus deutschen Museen entfernte, ihm aber kein Malverbot erteilte. Landschaften von seinen Reisen, u. a. 1940-42 ins Salzkammergut und nach Kärnten, dominierten zwar weiter, allerdings farbig zurückgenommen, während das Thema Tod und Tragik (u. a. Der alte Clown stirbt, Tempera 1936, Landesmuseum Schleswig) direkter sein Zeitverhältnis widerspiegelt.

Als im Januar 1944 durch Bombenangriff sein Berliner Atelier mit zahlreichen Werken, besonders Zeichnungen und allen Druckstöcken, vernichtet wurde, siedelte er im Mai nach Hemmenhofen am Bodensee über. Bis auf eine sechsjährige Lehrtätigkeit an der Kunstakademie Karlsruhe 1949-55 ist er dort mit einer Art bilanzierender Reflexion seines Lebenswerkes schon abseits vom Strom der abstrakten Moderne, aber geehrt als der Lyriker unter den Klassikern der deutschen Moderne, noch produktiv gewesen.

Zahlreiche Werke von H. befinden sich im Brücke-Museum und der Nationalgalerie Berlin, dem Landesmuseum Schleswig, Museum Ludwig in Köln und Museum Folkwang in Essen. Das Wandbild Das Leben der Menschen (1922-24) besitzt das Angermuseum Erfurt.

Günter Meißner

© Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. v. Rudolf Vierhaus, K. G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München 2005-2008.

 

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