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FERDINAND HODLER (1853 - 1918)

FERDINAND HODLER

1853 - 1918

Hodler, Ferdinand, schweizer. Maler, Zeichner, * 14.3.1853 Bern † 20.5.1918 Genf.

Geboren als ältestes von sechs Kindern einer armen Schreinerfamilie, die schon früh von der Schwindsucht dahingerafft wurde, ist H.s grüblerische Suche nach gültigen Lebenswerten wohl entscheidend von dieser Erfahrung geprägt worden. Zunächst lernte er 1867-70 in Thun beim Vedutenmaler Ferdinand Sommer-Collier gefällige Souvenirs-Ansichten zu malen, ehe er sich zwischen 1871 und 1876 in Genf als Schüler von Barthélemy Menn an der Pleinairmalerei, besonders an Camille Corot orientierte. Ein neunmonatiger Spanienaufenthalt 1878/79 brachte ihm im Prado vor allem klassische Maler von Raffael bis Velázquez nahe. 1880 in eine religiöse Krise geraten, wandte er sich, schon mit der Neigung zum Herb-Idealen, lebensphilosophischen Themen zu (u. a. Die Lebensmüden, 1887, Kunsthaus Zürich). 1887 wurde ihm von der Wäscherin Augustine Dupin der Sohn Hector geboren, 1889 ging er eine wenig glückliche Ehe mit der Uhrmacherstochter Bertha Stucki ein, die 1891 geschieden wurde.

In dieser kritischen Lebensphase rang er sich um 1890 zu seinem linear-formverfestigten "Monumentalstil" durch, in dem er klassische Figurativität symmetrisch-frontal und flächig geordnet mit einem ausgeprägten "Parallelismus der Formen" verband. Sein erstes Programmwerk dieses Wandels, Die Nacht (1890, Kunstmuseum Bern), wurde in der Schweiz heftig kritisiert, in Paris aber gerühmt; 1891 reiste er dorthin. Der 1892 erfolgte Anschluß an die mystische Rosenkreuzer-Bewegung in Paris verstärkte H.s Neigung zur symbolistischen Gestaltung zentraler Themen wie Leben, Tod, Geschlechterbeziehungen usw., die künftig oft pendanthaft und in mehreren Fassungen behandelt, sein Lebenswerk bestimmen (u. a. Der Tag, 1898/1900, Kunstmuseum Bern; Die Wahrheit, 1902/03; Jüngling, vom Weibe bewundert, 1903/04; Blick in die Unendlichkeit, 1915/16, alle Kunsthaus Zürich).

Mitte der neunziger Jahre begann mit einem Auftrag für Großfiguren an den Pfeilern des Kunstpavillons der Landesausstellung in Genf 1896 H.s Karriere als Wandbildmaler, wenngleich sein 1897 preisgekrönter Entwurf Der Rückzug bei Marignano wegen massiver Gegenkampagne erst 1900 als Fresko im Zürcher Landesmuseum ausgeführt werden konnte. Aber erst nach seiner erfolgreichen Einzelschau in der Wiener Sezession von 1904 kam für ihn, der 1898 erneut geheiratet hatte (Berthe Jacques), der große Durchbruch. Mit weiteren Wandaufträgen wie Auszug der Jenenser Studenten 1813 (1908/09, Univ. Jena), Einmütigkeit (1910/13, Rathaus Hannover) wurde er zu einem der wichtigsten Überwinder der naturalistischen Historienmalerei. Die deutliche Übernahme monumentaler Gestaltungsprinzipien seit 1900 auch in die Landschaftsmalerei (besonders Motive vom Thuner und Genfer See, später das Mont Blanc-Massiv) ließ ihn außerdem zu einem der bedeutendsten Alpenschilderer werden.

1910 zum Ehrendoktor der Univ. Basel, 1912 zum Mitglied der Kunstakademie Dresden und 1913 zum Offizier der Ehrenlegion ernannt, blieb dem Überwinder des Impressionismus und Wegbereiter des Expressionismus nur noch wenig Zeit für ein Spätwerk. Es gipfelte in Selbstbildnissen, einer Landschaftsfolge vom Genfer See mit Mont Blanc und dem Zyklus zum Siechtum und Sterben der Geliebten Valentine Gode-Darel (gest. 1915), die ihm 1913 noch die Tochter Pauline Valentine geboren hatte. Während der Arbeit an dem letzten Wandauftrag Die Schlacht bei Murten (Karton von 1917 im Kunstmuseum Genf) ereilte ihn am Pfingstsonntag 1918 der Tod.

Wesentliche Werkteile befinden sich in den Kunstmuseen von Basel, Bern und Winterthur, dem Musée d'Art et d'Histoire Genf und dem Kunsthaus Zürich.

Günter Meißner

© Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. v. Rudolf Vierhaus, K. G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München 2005-2008.

Ferdinand Hodler, Genfer See mit den Savoyer Alpen (Herbst am Genfer See), 1907

Ferdinand Hodler: Genfer See mit den Savoyer Alpen

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