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MARTIN KIPPENBERGER (1953 - 1997)

MARTIN KIPPENBERGER

1953 - 1997

Kippenberger, Martin, Maler, Bildhauer, * 25.2.1953 Dortmund, † 7.3.1997 Wien.

Der Sohn eines Zechendirektors begann 1972 nach einer abgebrochenen Dekorateurlehre ein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Schon die ersten 1976 in Florenz gemalten Bilder in Schwarzweiß bestachen durch scheinbar regellose Vermischung selbstgesuchter und vorgefundener Bildmotive, mit denen er seinen Aufenthalt in Italien dokumentierte. Von Anfang an verband K. die Analyse seiner unmittelbaren Umgebung und Gesellschaft mit oftmals sarkastischen Bildfindungen. K. wurde als Bürgerschreck, Neodadaist oder Punk mißverstanden, obwohl er seine Kunstproduktion konzeptuell untermauerte, strategisch plante und systematisch erweiterte. Seit Anfang der achtziger Jahre galt er als einer der umstrittensten Künstler der deutschen Szene. Bis heute irritiert seine unüberschaubare Produktion, die gleichermaßen Tafelbilder, Bilderserien, Zeichnungen, Photographien, Skulpturen, Installationen, Buchobjekte sowie Schallplatten umfaßt. 1986 ermöglichte ihm das Hessische Landesmuseum in Darmstadt mit "Miete Strom Gas" seine erste Einzelausstellung in einem deutschen Museum. 1993 gründete K. ein Museum auf der griechischen Insel Syros.

K.s künstlerische Arbeiten reflektieren sowohl die "Fun- und Erlebnisgesellschaft" der achtziger Jahre als auch den Kunstbetrieb dieser Zeit. Seine Arbeiten sind Antworten auf das vom Künstler nicht mehr glaubwürdig zu lösende Problem der künstlerischen Reduktion auf ein Thema, einen Stil, eine Moral oder ein Anliegen. Seine Kunst kann als Wechselspiel andauernder Sinnsuche, -verweigerung und Sinnumleitung verstanden werden. Seit Ende der achtziger Jahre richtete K. sein Interesse von der Dekonstruktion und den sich selbst relativierenden Bildanlässen auf die eigene Erzählweise seiner Installationen. Die Kölner Ausstellung "Heavy Burschi" (1991) mit der korrespondierenden Zeichnungsausstellung "Heavy Mädel" (Köln 1991) und der Präsentation der Serigraphien "Inhalt auf Reisen" (Frankfurt 1993) gaben hierfür ein Beispiel ab. Die Ausstellung "The Happy End of Franz Kafka's ‚Amerika’" (Rotterdam 1994) verdeutlichte ebenfalls die Darstellung einer komplexen Verschränkung der konzeptuellen Erzählweise als Produktionsstrategie ohne eindeutig vorgefaßtes Ziel. Die imaginäre Vernetzung seiner Ideen wurde am Ende seines Lebens beispielhaft durch sein "Metro-Net" (1993-97) demonstriert. Er verwirklichte seine "Metro-Architekturen" auf Syros, in Dawson City (Kanada) und Leipzig. Postum wurden nach seinen Plänen ein Lüftungsschacht in Münster und ein transportabler Metroeingang für die dokumenta X realisiert.  

Roland Schappert

© Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. v. Rudolf Vierhaus, K. G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München 2005-2008.

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