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PAUL KLEE (1879 - 1940)

PAUL KLEE

1879 - 1940

Klee, Paul, Maler, * 18.12.1879 Münchenbuchsee bei Bern, † 9.6.1940 Muralto bei Locarno.

K., Sohn eines Lehrers, wuchs in Bern auf. 1886-98 besuchte er dort die Schulen bis zum Abitur. Schon als Kind zeigte er musikalische Begabung, was ihm erlaubte, mit 11 Jahren als außerordentliches Mitglied im Städtischen Orchester mitzuwirken. Von frühen literarischen Versuchen ist eine Reihe von Gedichten erhalten. Das bedeutendste schriftliche Dokument sind die Tagebücher, die K. von 1897 bis Ende 1918 führte. Im Oktober 1898 reiste er zur Ausbildung nach München. Er besuchte bis 1900 die private Zeichenschule von Heinrich Knirr als Vorbereitung auf die Kunstakademie; 1900/01 studierte er für ein halbes Jahr bei Franz von Stuck. Nach einem sechsmonatigen Studienaufenthalt in Italien (1901/02) verbrachte K. die folgenden Jahre in der Abgeschiedenheit des Elternhauses in Bern. Hier verfolgte er systematisch seine Selbstausbildung zum Künstler. Erst 1903, mit dem Beginn der Radierungsfolge Inventionen, glaubte er, an einer ersten Werkgruppe von Bedeutung zu arbeiten. Parallel dazu zeichnete K. Figurenstudien, meist freie Erfindungen, in denen er, ausgehend von den Aktzeichnungen Rodins eine freiere Anwendung der Linie erarbeitete. Seit 1905 experimentierte er mit der Hinterglasmalerei.

1906 heiratete K. die Pianistin Lily Stumpf und übersiedelte nach München. Nach der Geburt des Sohnes Felix K. (1907) übernahm er dessen Pflege, während seine Frau den Lebensunterhalt für die Familie verdiente. Das Jahr 1910 markiert den Abschluß von K.s Frühwerk, jener Phase der einzelgängerischen Ausarbeitung des persönlichen Stils. Seine erste Einzelausstellung im Kunstmuseum Bern im August dieses Jahres und die beginnende Freundschaft mit Alfred Kubin waren das Signal für die allmählich wachsende Bekanntheit K.s und der Beginn seiner Beziehungen zu Künstlern der europäischen Avantgarde.

Im Februar 1911 faßte K. den Entschluß, einen Werkkatalog seiner bisherigen Arbeiten, einschließlich der Kinderzeichnungen, anzulegen. Damit schuf er nicht nur ein Hilfsmittel zur Überwachung, Klassifizierung und Ordnung seiner künstlerischen Produktion, sondern nahm auch eine Wertung dessen vor, was er für seine künstlerische Entwicklung als bedeutsam erachtete. Die Katalogisierung seiner künstlerischen Produktion setzte er mit größter Akribie bis an sein Lebensende fort. Im Mai 1911 begann K. mit den Illustrationszeichnungen zu Voltaires Roman Candide ou l'optimisme. Er schuf damit einen neuen, schemenhaften Figuren-Typus. Die Jahre 1911 und 1912 brachten K. Begegnungen, die seine künstlerische Biographie in entscheidender Weise prägen sollten. 1911 lernte er August Macke und Wassily Kandinsky, 1912 Robert Delaunay (in Paris), Hans Arp, Franz Marc und Herwarth Walden kennen. Die zweite Reise nach Paris im April 1912 vertiefte K.s Auseinandersetzung mit dem Kubismus, die Begegnung mit den Mitgliedern des "Blauen Reiters" verstärkte sein Interesse für Kinderzeichnungen. Auch mit der Avantgarde in der Schweiz, die sich in der Künstlergruppe "Der Moderne Bund" organisierte, zu der auch Hans Arp gehörte, trat K. in engeren Kontakt. 1911/12 schrieb er für die Schweizer Monatsschrift "Die Alpen" Kunstkritiken, in denen er als Vermittler und Befürworter der neuen "expressionistischen" Kunst auftrat.

Im April 1914 reiste K. zusammen mit Louis Moilliet und August Macke nach Tunesien. Der nur vierzehntägige Aufenthalt löste eine der fruchtbarsten Schaffensphasen aus. Er dokumentierte die Reise ausführlich im Tagebuch und feierte sie als seinen "Durchbruch zur Farbe". Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs setzte er seine Weltabkehr, die er im Tagebuch und im Briefwechsel mit Franz Marc programmatisch festhielt, in direkten Bezug zum Weltkrieg, dessen Sinnlosigkeit er so weit als möglich zu ignorieren suchte. Nicht zuletzt dank der während der Tunisreise gemachten Erfahrungen wurden die Jahre 1914 und 1915 zu den bis dahin fruchtbarsten in K.s Schaffen. 1916 wurde er als Soldat eingezogen. Nach seiner Versetzung zur bayerischen Fliegerschule in Gersthofen im Januar 1917 konnte er neben dem Dienst in einem eigens dafür gemieteten Zimmer malen. In den Kriegsjahren stellten sich die ersten materiellen und publizistischen Erfolge ein (1917 Ausstellung in der Galerie "Der Sturm" in Berlin). In verschiedenen Besprechungen wurde K., am nachhaltigsten durch den Schriftsteller Theodor Däubler, als große Entdeckung gefeiert.

Ende 1918 mietete K. ein Atelier im Schlößchen Suresnes in München; hier widmete er sich zum ersten Mal intensiv der Ölmalerei. Im Frühjahr 1919 engagierte er sich kulturpolitisch in der Münchner Räterepublik. Nach deren Zusammenbruch flüchtete er in die Schweiz. Hier lernte er Tristan Tzara sowie andere Vertreter der Zürcher Dada-Bewegung kennen. Die Bemühungen von Oskar Schlemmer und Willi Baumeister, K.s Berufung an die Stuttgarter Kunstakademie durchzusetzen, scheiterten. Am 1. 10. 1919 schloß K. einen Generalvertretungsvertrag mit dem Münchner Kunsthändler Hans Goltz ab. Im Mai 1920 wurde die bisher größte Ausstellung mit 363 Werken in der Galerie Neue Kunst Hans Goltz in München eröffnet. Im selben Jahr wurde K. von Walter Gropius als Prof. an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen. Mitte April 1921 übernahm K. als Formmeister die Buchbinderwerkstätte; 1922/23 leitete er das Atelier für Glasmalerei, nach der Übersiedlung der Schule nach Dessau 1925 auch eine freie Malklasse. Im Herbst 1925 erschien das Pädagogische Skizzenbuch von K., eine Kurzfassung seiner Vorlesungen für das erste Semester. In seinem Aufsatz exacte versuche im bereich der kunst in der Zeitschrift "bauhaus" (1928) verteidigte er seine Kunstauffassung gegen die rationalistischen Tendenzen am Bauhaus unter dem neuen Direktor Hannes Meyer. Zum 1. 4. 1931 löste K. seinen Vertrag mit dem Bauhaus und nahm im Oktober an der Düsseldorfer Akademie seinen Unterricht in Maltechnik auf. In beiden Städten verfügte K. über Ateliers, in denen er einen unterschiedlichen Stil pflegte. In Düsseldorf arbeitete er intensiv an den Bildern mit pointillistischem Farbauftrag; das berühmteste ist das Gemälde Ad Parnassum (1932).

Nach der Machtergreifung Hitlers veranlaßten die Nationalsozialisten im März 1933 eine Hausdurchsuchung in K.s Dessauer Wohnung. Er flüchtete daraufhin vorübergehend in die Schweiz. Am 21. 4. 1933 wurde er "mit sofortiger Wirkung" von seinem Lehramt beurlaubt und später entlassen; im Dezember 1933 emigrierte er in die Schweiz. Das Jahr 1933 wurde künstlerisch sein bis dahin fruchtbarstes. Er registrierte in seinem Oeuvrekatalog insgesamt 482 Werke, davon 314 Zeichnungen. Die erzwungene Rückkehr nach Bern war der gewaltsamste Einschnitt in seiner Biographie. In den Jahren 1934 bis 1936 verstärkten sich die Anzeichen einer künstlerischen Krise. Im Herbst 1935 erkrankte K. schwer. Die Krankheit, die später als progressive Sklerodermie diagnostiziert wurde, lähmte seine künstlerische Arbeit bis zum Frühjahr 1936 vollständig. Nach der Stabilisierung seiner gesundheitlichen Verfassung setzte seine letzte, intensivste Schaffensperiode ein, in deren Verlauf er seine Produktion regelmäßig steigerte: 1937 entstanden 264 Werke, 1938 489 und 1939 1253. K. fand zu einem lapidaren zeichnerischen Spätstil aus linearen Formelementen, der das Publikum noch Jahre nach seinem Tod befremden sollte. Im Zuge einer umfassenden Beschlagnahme von Werken "entarteter Kunst" wurden 1937 über 100 Werke K.s aus deutschen Museen entfernt. Im Februar 1940 zeigte das Kunsthaus Zürich aus Anlaß von K.s 60. Geburtstag eine große Ausstellung mit Werken der Jahre 1935-40. Es war die einzige von K. selbst konzipierte Präsentation seines Spätwerks. Die in seinem Oeuvrekatalog registrierte Zahl von 366 Werken im Schaltjahr 1940 hat Symbolgehalt, war sie doch die wörtliche Umsetzung seines Leitspruchs "nulla dies sine linea". K. starb am 9. 6. 1940 während eines Kuraufenthalts in Locarno-Muralto.

Josef Helfenstein

© Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. v. Rudolf Vierhaus, K. G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München 2005-2008.

 

Paul Klee, alea jacta, 1940, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

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Paul Klee, Blick in das Fruchtland, 1932, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

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