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WILHELM LEIBL (1844 - 1900)

WILHELM LEIBL

1844 - 1900

Leibl, Wilhelm (Maria Hubertus), Maler, * 23.10.1844 Köln, † 4.12.1900 Würzburg.

Als fünftes Kind des Domkapellmeisters Karl L. in Köln geboren, arbeitete L. nach seiner Schulzeit zunächst als Schlosserlehrling und erhielt mit 16 Jahren ersten Unterricht in Öl- und Porträtmalerei bei dem Historienmaler Hermann Becker. An der Kunstakademie München studierte er seit 1864 zunächst bei Philipp Foltz und in der Antikenklasse Alexander Straehubers, anschließend in der Malklasse von Hermann Anschütz. Von 1866 bis 1868 erhielt L. seine koloristische Ausbildung in der Meisterklasse des Genremalers Arthur von Ramberg. Die Werke seiner Vorbilder Holbein und Van Dyck studierte er in der Alten Pinakothek. Nach kurzer Lehrzeit bei Karl von Piloty bezog L. 1869 mit seinen Studienkollegen Theodor Alt, Rudolf Hirth und Johann Sperl, Mitgliedern des später noch erweiterten "Leibl-Kreises", ein Atelier in der Arcisstraße in München. In dieser Zeit entstanden vorwiegend Männerbildnisse, wie etwa das einfühlsame Porträt Des Künstlers Vater Domkapellmeister Karl Leibl (1866), aber auch das psychologisch differenzierte Bildnis der Schwangeren Mina Gedon (1868/69), für das L. in Paris im Salon von 1870 die erste Goldmedaille erhielt.

Die 1869 beginnende Freundschaft mit dem französischen Realisten Gustave Courbet, der ihm 1869/70 einen Parisaufenthalt vermittelte, übte großen Einfluß auf L. aus. Durch ihn wurde L. mit Édouard Manet vertraut. Bilder wie Die Kokotte, Die alte Pariserin und Die Tischgesellschaft (alle 1869) zeugen vom Eindruck der französischen Malerei und markieren den Wandel zur Moderne. Flüssig gemalt und scheinbar improvisiert wirken die am Beispiel der französischen Impressionisten geschulten Gemälde.

L. brach den Aufenthalt in Paris mit Beginn des Kriegs von 1870/71 ab und kehrte nach München zurück, wo seine realistische Malerei auf weniger Verständnis als in Paris traf. L.s handwerkliches Können stieß bei der Münchner Künstlerschaft auf Widerstände, was ihn dazu veranlaßte, 1873 nach Graßlfing im Dachauer Moos und 1875 nach Unterschondorf am Ammersee zu übersiedeln. Dort wurden natürliche Bauernschönheiten seine bevorzugten Modelle, die er dem süßlichen Frauenideal der Gründerzeit entgegensetzte und mit äußerster Naturtreue porträtierte. Es entstanden so reife Werke wie Dachauerin mit Kind (1874/75) und Die Dorfpolitiker (1877), Szenen aus dem bäuerlichen Alltagsleben, deren emailartig glatte Oberflächenbehandlung kaum noch den Pinselstrich erkennen lassen. Nach einer kurzen Liebesaffäre, aus der ein Kind hervorging, zog der Junggeselle L. 1878 nach Berbling bei Bad Aibling, wo er sein bekanntestes Bild Drei Frauen in der Kirche (1881) schuf. Er gelangte hier von dem bisher vorherrschenden tonigen Helldunkel zu einem reinen Kolorit. Hinter der auf dem Kontrast von Farbwerten beruhenden Flächenhaftigkeit tritt die Räumlichkeit der Darstellung fast ganz zurück. Jede Einzelheit der kompositorisch geschlossenen Figurengruppe ist wirklichkeitsnah geschildert.

Gelegentlich überspitzte L. die Detailtreue der abgebildeten Einzelheiten, kehrte aber in den neunziger Jahren zum Malstil der Impressionisten zurück. Die sachliche Schärfe der Details wich einer zunehmend malerischen Behandlung seiner Motive sowie einer Vorliebe für Lichtwirkungen. L. gilt als bedeutender Repräsentant eines reinmalerischen Stils. 1892 wurde er zum Professor ernannt und zog mit Sperl nach Kutterling bei Bad Aibling. 1899 veranstaltete die Berliner Sezession eine große Leibl-Ausstellung. L. starb mit 56 Jahren in Würzburg an einem Herzleiden.

Hannah Stegmayer

© Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. v. Rudolf Vierhaus, K. G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München 2005-2008.

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