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FRANZ MARC (1880 - 1916)

FRANZ MARC

1880 - 1916

Marc, Franz, Maler, Graphiker, * 8.2.1880 München, † 4.3.1916 vor Verdun.

Die künstlerische Prägung erfuhr M. durch den Einfluß des Vaters Wilhelm M., eines akademischen Malers, der ursprünglich Jura studiert hatte, die religiöse Erziehung seitens der Mutter Sophie, geb. Maurice, einer streng calvinistischen Elsässerin französischer Abstammung. M. wollte zunächst evang. Geistlicher werden, dann Philologe und besuchte schließlich seit 1900 die Akademie in München. 1903 unternahm er mit seinem Studienkollegen Friedrich Lauer eine viereinhalbmonatige Reise nach Paris und in die Bretagne. In Paris sah M. zum erstenmal Werke französischer Impressionisten sowie japanische Holzschnitte. Nach München zurückgekehrt, beendete er das Akademiestudium und bezog 1904 ein eigenes Atelier. Eine mehrwöchige Reise mit seinem Bruder Paul, einem Byzantinisten, 1906 zu den Klöstern auf dem Berg Athos machte M. mit der stark konturierten, starren Bildkunst der Ostkirche bekannt. Die französischen wie auch die griechischen Einflüsse führten zu ersten Werken, die noch den dekorativen Duktus des Jugendstils verraten. Allerdings war es M.s Ziel von Anfang an, das Wesen der Natur zu erkennen und künstlerisch darzustellen. Im Formalen versuchte M. die Reinheit der Farben mittels der Auflösung des Lichtes zu erreichen. Neben graphischen Arbeiten entstanden seit 1908 kleinere Tierplastiken, die allerdings Episode blieben.

Einen entscheidenden Neuansatz verdankte M. Mitgliedern der 1909 gegründeten Neuen Künstlervereinigung München um Wassily Kandinsky sowie dem Einfluß von Hans von Marées und Vincent van Gogh. Im Februar 1910 wurden in der Münchner Galerie Brakl erstmals Werke von M. ausgestellt. Es begann die Freundschaft mit August Macke. Gegen Ende dieses Jahres entwickelte M. eine eigene Farbentheorie, indem er die Farben inhaltlich besetzte. Wenn M. seine Farbentheorie auch nicht konsequent eingehalten hat, hilft sie doch, den symbolhaften Aufbau seiner Bildkompositionen besser zu verstehen.

Vom Leben in der Großstadt angewidert, zog M. 1910 nach Sindelsdorf bei Penzberg. 1911 trat er der Neuen Künstlervereinigung München bei. Nach der ersten Ausstellung der Redaktion "Der Blaue Reiter" in der Münchner Galerie Thannhauser zum Jahreswechsel 1911/12 erschien im Mai der "Almanach", in dem M. – beeinflußt durch Friedrich Nietzsche – die Morgenröte eines neuen Zeitalters auf der Grundlage einer neuen geistigen Religion verkündete, deren Avantgarde er in Anlehnung an die "Fauves" um Henri Matisse als "Wilde" bezeichnete. M.s zunehmende Abkehr vom Menschenbild ist äußeres Zeichen seiner Vorstellung, die Umwelt wie ein Tier sehen und darstellen zu können. Durch malerisches Bloßlegen des Natürlichen in Tier und Landschaft sollte das Motiv "rein" gestaltet und somit das Paradiesische abbildbar werden. In diese entscheidende Schaffensphase fiel auch die Bekanntschaft mit Else Lasker-Schüler, aus der eine tiefe menschliche Beziehung erwachsen sollte.

Seit 1912 entstanden unorganisch-kristalline, "reine" Bildstrukturen in kräftiger, unnatürlicher Farbigkeit, die einen neuen, eigenständigen Bildtypus prägten. Der Futurismus aus Italien (Umberto Boccioni) und der Orphismus aus Frankreich (Robert Delaunay) beförderten diese Entwicklung. Dank zunehmender, jedoch nicht gänzlich vollzogener Abstraktion des Bildgegenstandes wollte er die Einheit von Gott, Kunst und Leben herstellen. Diese Zielvorstellung M.s knüpfte an die Absichten der Romantik an (Novalis und Caspar David Friedrich). M. fürchtete eine Welt der Zukunft, in der nur noch wissenschaftlich-technische Werte und persönlich-materielle Vorteile zählten. Diese Einstellung ließ in ihm die Vorstellung von einem untergehenden Zeitalter reifen. 1913 regte M. eine aufwendig gestaltete Bibelausgabe an und lud Erich Heckel, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Oskar Kokoschka und Alfred Kubin ein, daran mitzuarbeiten. Von pseudowissenschaftlichen Theoremen fehlgeleitet, erblickte M. im Krieg die Chance zur geistigen und sittlichen Läuterung Europas und ließ sich bei Kriegsausbruch von der anfänglichen Begeisterung mitreißen, die sich bei M. in mehreren Artikeln und Aphorismen literarisch niederschlug.

Claus Pese

© Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. v. Rudolf Vierhaus, K. G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München 2005-2008.

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