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MARTINO DI BARTOLOMEO (um 1370 - 1434/35)

MARTINO DI BARTOLOMEO

um 1370 - 1434/35

Über die Anfänge Martino di Bartolomeos ist nur bekannt, dass er aus Siena stammte und sein Vater Bartolomeo den Beruf des Goldschmieds ausübte. Obschon Martino in der 1389 begonnenen sienesischen Malerrolle aufgeführt ist, sind in seiner Vaterstadt aus dieser Zeit keine Werke bekannt. Knapp ein Jahrzehnt später ist er im Pisaner Raum nachgewiesen, wo er 1398 in der Kirche S. Giovanni Battista in Cascina einen Freskozyklus mit biblischen Szenen signierte. Im Jahre 1402 schuf er zusammen mit Giovanni di Pietro da Napoli ein Polyptychon für die Kirche S. Chiara in Pisa (Pisa, Museo di San Matteo), wobei Giovanni vertraglich für die Figuren, Martino für alles Übrige verantwortlich zeichnete. Im Jahr darauf war Martino wieder allein tätig: Er signierte und datierte ein Polyptychon mit Halbfiguren für das Ospedale dei Trovatelli in Pisa (heute ebenfalls im Museo San Matteo); von demselben Auftraggeber wurde er 1404 für dreißig Figuren bezahlt. Im Anschluss daran kehrte Martino nach Siena zurück, wo er schnell Ansehen erlangte, wie zahlreiche öffentliche Aufträge nahelegen: Im Sieneser Dom war er 1405 er in der Crescentius-Kapelle, 1406/07 in der Savinus-Kapelle und in der Nikolaus-Kapelle tätig; 1407 wurde er für die Ausmalung der Gewölbe zwischen der Kapelle des Palazzo Pubblico und der Sala del Concistoro bezahlt. Auch bei der Dekoration der Sala dei Nove (heute „Sala di Balia“) spielte er eine Rolle: Spinello Aretino bemalte die Wände, Martino die Gewölbe. Außerdem arbeitete Martino als Restaurator und als Fassmaler: 1407 überarbeitete er das Altarretabel der „Maestri della Pietra“, 1415 wurde er für Fassarbeiten an Holzskulpturen in der Cappella del Crocifisso im Dom, 1419 für die Neufassung der beiden Holzfiguren der Verkündigung rechts und links des Hochaltars entlohnt. Verschiedentlich vergoldete er auch Zifferblätter großer Turmuhren. Aus dem Jahr 1425 datiert ein signiertes Polyptychon in S. Antonio Abbate in Siena, das vor allem seiner Predellenszenen wegen gelobt wurde, wie Martino überhaupt ein besonderes Talent für die Ausgestaltung derartiger Szenen gehabt zu haben scheint. Am 2. Mai 1434 machte Martino di Bartolomeo sein Testament, im Folgejahr wird er schon als verstorben erwähnt. Obschon kein radikaler Neuerer, wurde Martino di Bartolomeos Beitrag zur Entwicklung der Sieneser Kunst in der Vergangenheit wahrscheinlich zu negativ beurteilt. Sein Verhältnis zu einem Maler wie Taddeo di Bartolo ist wahrscheinlich unabhängiger als angenommen, sein Erfindungsreichtum als Erzähler offensichtlich beträchtlich, sein Farbsinn spannungsreich, aber ansprechend, weshalb es keineswegs erstaunt, dass er sich bei seinen Zeitgenossen einiger Beliebtheit erfreute.
Martino di Bartolomeo, Legende des heiligen Stephanus, Anfang 15. Jh.

Martino di Bartolomeo: Sieben Szenen der Stephanus-Legende

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