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PERUGINO (PIETRO VANNUCCI) (um 1453 - 1523)

PERUGINO (PIETRO VANNUCCI)

um 1453 - 1523

Aus dem umbrischen Städtchen Castel della Pieve stammend, soll sich Pietro Vannucci laut Vasari zunächst bei einem – namentlich nicht bekannten – Maler in Perugia in die Lehre begeben haben. In den frühen 1470er-Jahren setzte er, zusammen mit seinem Altersgenossen Leonardo, seine Ausbildung bei Verrocchio in Florenz fort. Nachdem er sich 1472 in das Libro Rosso der Compagnia di S. Luca in Florenz als Maler eingetragen hatte, war Perugino in den Jahren 1475 und 1478 zunächst in Umbrien tätig (Freskenfragmente im Palazzo dei Priori in Perugia sowie in der Gemeindekirche von Cerqueto). Um 1481 war er zusammen mit Ghirlandaio, Botticelli und Cosimo Rosselli an der Ausmalung der soeben fertig gestellten Cappella Sistina beteiligt, wo er bedeutende Wandbilder schuf (teilweise zerstört), darunter die Darstellung der Schlüsselübergabe an Petrus. Die folgenden Jahre waren durch eine starke Reisetätigkeit geprägt, wobei der Meister zugleich in Rom, Umbrien, der Toskana und den Marken präsent war und prestigeträchtige Aufträge für sich gewinnen konnte. Aus diesem Jahrzehnt datieren wohl auch Peruginos Arbeiten für das 1529 zerstörte Kloster S. Giusto fuori le Mura bei Florenz. Sein sich immer klarer herausbildender Stil war durch ruhige Linienführung und große Farbflächen charakterisiert, die der kontemplativen Grundstimmung seiner Kunst bildwirksam Ausdruck verliehen. Nicht von ungefähr rekrutierten sich Peruginos Auftraggeber vor allem aus dem Umfeld kirchlicher und weltlicher Korporationen.

Seine produktivste Phase erlebte Perugino in den 1490er-Jahren: Es entstanden zahlreiche Altarbilder, Fresken und Glasmalereientwürfe, darunter Hauptwerke wie das große San-Pietro-Polyptychon, der Freskenzyklus im Collegio del Cambio, beide in Perugia, oder die große „Beweinung“ für die Nonnen von S. Chiara in Florenz, heute in der Galleria Palatina. Der übergroßen Nachfrage kam er zusehends durch die Wiederverwendung eigener Kartonvorlagen nach, die zur Grundlage für den Betrieb einer großen Werkstatt wurden. Entsprechend zahlreich war seine Schülerschaft. Nach 1500 begann der von kontemplativen Idealen geprägte Stil des Meisters dann zunehmend altmodisch zu wirken. Der von Vasari überlieferte Skandal um das SS.-Annunziata-Polyptychon, der seinen Rückzug in die Provinz bewirkt haben soll, entbehrt wohl nicht eines wahren Kerns. Peruginos Bedeutung wird jedoch oft unterschätzt: Er war einer der einflussreichsten Künstler seiner Generation, dessen von einer spezifisch umbrischen Spiritualität geprägtes Idiom den Nerv der Zeit traf und in modernisierter Form in den Werken seines bedeutendsten Schülers Raffael ein intensives Nachleben fand.

Pietro Perugino eigtl. Pietro Vannucci und Raffael eigtl. Raffaello Santi da Urbino, Madonna mit Kind und Johannesknaben, Ende 1490

Pietro Perugino: Madonna mit Kind

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