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FRANÇOIS BOUCHER (1703 - 1770)

FRANÇOIS BOUCHER

1703 - 1770

Boucher, François, frz. Maler, Pastellmaler, Zeichner, Stecher, Entwerfer von Stichen, Tapisserien, Porzellan, Bühnenbildern und Skulpt., Kunstsammler, * 29. 9. 1703 Paris, † 30. 5. 1770 ebd.

Lernte vermutl. bei seinem Vater Nicolas B. Eine Susanna vor den Richtern, die B. 17jährig malte, veranlaßte François Lemoine, ihn auszubilden; Betuel empfängt Eliezer (Strasbourg, Mus. des BA; Entwurf im Louvre) zeigt dieses Schülerverhältnis am deutlichsten. Er lernte vielleicht auch bei Louis Galloche und Jean-François de Troy, dessen verschollene Skizze „Armida von der Liebe für Rinaldo entwaffnet“ er kopierte. B. gewann am 28. 8. 1723 mit Evilmerodach befreit Joachim (vermutl. zerst.; nicht zu verwechseln mit dem etwa gleichzeitigen Joseph und seine Brüder beim Pharao, Columbia Mus. of Art, Kress Coll.) den ersten Preis der Académie.

Da er wegen der Günstlingswirtschaft des Duc d’Antin kein Rom-Stip. erhielt, verdiente er sich seine Reise dorthinwährend der nächsten fünf Jahre selbst; v.a. lieferte er für Jean-François Cars und Robert Hecquet Entwürfe für Thesenblätter, malte Bilder (z.B. Tod des Adonis, 1726?), u.a. einige, die er zu Fronleichnam 1725 auf der Place Dauphine ausstellte, stach 119 Zchngn von Watteau für die „Figures“ von Jean de Jullienne (1726 und ’28 publ.) und schuf 25 Zchngn (Louvre) für die Histoire de France von G. Daniel (1729 publ.). Im Frühjahr 1728 reiste er mit drei Mitgl. der Vanloo-Fam. nach Rom und schuf dort viele Zchngn (v.a. nach barocken Gem. und Skulpt.) und kleine Genrebilder, u.a. vermutl. La vie champêtre (Belton House, Lincs.) und Noah betritt die Arche sowie Noahs Opfer (Fort Worth, Priv.-Slg.). 1731 wieder in Paris, stach er 12 der Diverses Figures Chinoises Peintes par Watteau. Am 24. 11. 1731 „agréé“ der Acad. R. als Historienmaler (30. 1. 1734 Mitgl., 2. 7. 1735 „adjoint à prof.“, 6. 7. 1737 Prof., 29. 7. 1752 „adjoint à Recteur“, August 1761 Recteur, 23. 8. 1765 Dir., Rücktritt im Juli 1768). Danach malte B. für den Anwalt François Derbais eine Ser. großformatiger Gem., u.a. Venus bittet Vulkan um Waffen für Äneas (1732, Louvre), Aurora und Cephalus (1733", Nancy, Mus. des BA), Geburt der Venus (Paris, Rumän. Botschaft), Der Knabe Merkur wird den Nymphen von Nysa anvertraut und Raub der Europa (beide London, Wallace Coll.) sowie Moses und der brennende Dornbusch (Paris, Priv.-Slg). Die ebenfalls zur Ser. gehörenden Gem. L’Amour oiseleur, Moissonneur (vor Juni 1734 von Bernard L´epicié gestochen), L’Amour vendangeur (Stich von E. Fessard) und L’Amour nageur sind die ersten seiner späteren, überall nachgeahmten Puttenbilder. Als Ill. der OEuvres de Molière (1734–35) schuf B. 33 Zchngn (schwarze Kreide und graue Tusche; Paris, Bibl. nat.).

Am 21. 4. 1733 Heirat mit der Zeichnerin Marie-Jeanne Buseau (Kinder: Jeanne-Elisabeth-Victoire * 24. 3. 1735, † 1770/73, verh. mit B.s Schüler Jean- Baptiste Henri Deshayes; Juste-Nathan, Architekt und Zeichner; Marie-Emilie * 27. 4. 1740, † 1784, verh. mit B.s Schüler P.-A. Baudouin). Am 10. 1. 1734 wurde B. mit Rinaldo und Armida (Louvre) in die Acad. aufgenommen. Im Juni 1735 Publ. des Livre d’Etude d’après les Desseins Orig. de Blomart. „Adjoint à prof.“ der Acad. nach Abgabe von Quatre petits Morceaux, représentants les quatres Saisons, par de petites femmes et des enfants (vermutl. zerst.; wahrsch. durch die im Juni 1737 publ. Stiche von Aveline überliefert). 1735 muß B. die ersten seiner 8 Zchngn für den Frontispiz der Tombeaux des Princes, des Grands Capitaines ... von Owen Mc- Swiny (Paris 1736–37) und die ersten Gem. der Fêtes de village à l’italienne, die als Kartons für Beauvais-Tapisserien dienten (1736 erstmals gewebt), geschaffen haben. Ebenso führte er seinen ersten kgl. Auftrag, 4 monochrome Tugenden für die Decke der Chambre de la Reine in Versailles aus. Dieser Durchbruch bedeutete für ihn die Unabhängigkeit von Verlegern,wie das Ausbleiben von Zchngn B.s für die von Jolly im Mai angekündigte Ed. von Racine zeigt. B. begann nun eine Zusammenarbeit mit Gabriel Huquier, der im Jan. 1735 einen Stich als Berger et bergère en conversation (nach einem Gem. B.s, 1954 im Bes. von L. Koetser) und im April erneut (zus. mit dem Recueil de fontaines) als Pastorale ankündigte.

Hier wird auch erstmals B.s einflußreichste Erfindung, die „sentimentale Pastorale“, greifbar, deren spätere Versionen wechselseitige Einflüsse mit dem Théâtre de la Foire zeigen (bes. mit den Singspielen der befreundeten Favarts). 1736–43 wurden von Nicolas de Larmessin u.a. vier der „Contes“ von La Fontaine angebl. nach Gem. B.s gestochen; die einzig erh. Vorlagen sind La Courtisanne Amoureuse (Zchng, 1736; Waddesdon Manor, Bucks.) und Le Calandrier des Vieillards (monochrome Ölskizze, 1740; Paris, Priv.-Slg). 1737 stellte er in der Acad. Divers sujets champêtres für die Petits Appartements in Fontainebleau und die Chasse au léopard (13. 3. 1737 Schlußzahlung; wie die am 17. 12. 1738 bezahlte Chasse au crocodile für die Gal. des Petits Appartements du roi in Versailles bestimmt; beide Amiens, Mus. de Picardie) aus. 1737–39 erste Entwürfe für die Acad. R. de Musique („l’Opéra“).

Um 1737 Auftrag für 4 Supraporten (Venus, Cupido, Merkur, Drei Grazien und Psyche) für das Deuxième Cab. im Hôtel de Mazarin (Zchngn Stockholm, Nat.-Mus.; 2 evtl. zurückgewiesene Gem. in der Slg Prousteau; 2 veränderte Gem. im Los Angeles County Mus., 1738 bzw. 1741; weiteres verändertes Gem. in New York, Priv.-Slg). 1738 stellte B. im Salon 4 von 7 Supraporten mit geschwungenen Rahmen (Mythologien, Pastoralen) sowie eine auf neue Weise (unter dem Einfluß von Jean-Baptiste Oudry) gemalte Paisage für das Hôtel de Soubise (Arch. nat. Paris) aus. Er lieferte 1738 auch 2 von 4 Jeux d’Enfans für das Cab. de la Reine in Versailles (alle verloren; nach vermutl. hiervon gemachten Zchngn publ. Huquier im April Stiche von Aveline).

1739 entstand das Genrebild Le déjeuner (Louvre), für das B. seine Fam.-Mitgl. als Modelle benutzte. Es ist genausowenig ein Fam.-Portr., wie die früheren Gem. La Peinture (Prégny, Slg Edmond de Rothschild) oder Der junge Landschaftsmaler (Louvre) B. oder sein Atelier darstellen sollen. Im Salon 1739 Ausst. des ersten von 5 Gem. der Gesch. der Psyche (ab 1741 in Beauvais gewebt) und vermutl. des ersten seiner vielen Landschaftscapricci mit der Mühle von Quiquengrogne bei Charenton (engl. Priv.-Slg). 1740: Am 18. 5. bezahlte Präs. Crozat de Thugny im voraus für ein kleines Decken-Gem. in seiner Bibl. (verloren) und eine Landschaft; letztere ist vielleicht das seltene Kupfer-Gem. Frère Luce (1742; Moskau, Puskin-Mus. der bild. Künste) aus der Slg seines Bruders, Crozat de Thiers, der neben seinem Exlibris (Zchng Art Inst. of Chicago) auch andere Zchngn B.s selbst radierte. Im Juli kündigte Huquier Stiche Avelines nach B.s Zchngn der Fünf Sinne an, und Graf Carl Gustaf Tessin (1739–42 schwed. Gesandter am frz. Hof) äußerte sich begeistert über die von ihm bestellte Geburt der Venus (Stockholm, Nat.-Mus.). Tessins Slg von B.s Gem. und Zchngn, deren Hauptteil 1749 in den Bes. von Prinzessin (später Königin) Louisa Ulrike kam (heute Stockholm, Nat.-Mus.), vereint den besten Bestand von B.s Werken bis zu dieser Periode. 1741: Publ. von Tessins Faunillane, ou l’Infante jaune mit Ill. von Cochin und Duflos nach Zchngn B.s. Voll. der ersten von 4 Supraporten für das Cab. Des Méd. mit Musen. 4 Supraporten der Poésies (1794 verbrannt; von Duflos gestochen) wurden von Joachim Wasserschlebe mit 130 dekorativen Gem. versch. Künstler für Schloß Christiansborg nach Kopenhagen gesandt. B. voll. Für Ludwig XV. die ersten 3 von ca. 15 Gem. für Choisy; von den 3 Ovalen des Appartement des Bains sind nur Venus entwaffnet ihren Sohn und Amor liebkost seine Mutter (beide 1744; New York, Wildenstein & Co.) sicher identifiziert.

1742 entstanden 2 Versionen von Leda und der Schwan (Slg Resnick bzw. Stockholm, Nat.-Mus., für Tessin), Junge Frau befestigt ihr Strumpfband (Madrid, Slg Thyssen; für Tessin), Un Repos de Diane, sortant du Bain avec une de ses Compagnes (Louvre), der Entwurf zum Bühnenbild von L’Hameau d’Issé (München, Alte Pin.) und 8 Entwürfe für La tenture chinoise für Beauvais (Besançon, Mus. des BA). 1743 malte B. u.a. die Hauptversion von L’Odalisque brune (verloren; 1765 Stich von Pierre-Charles Levesque als „Le Réveil“), das vermutl. Portr. von Mme B. (New York, Frick Coll.), 3 ovale Pastoralen für Marquis de Beringhen (eine rechteckig beschnittene im Louvre; zwei verloren, Stich von Jean Daullé).

Als einer von wenigen schuf B. noch Landschaften, von denen er 3 im Salon 1743 neben Geburt, Toilette der Venus (Ovale; Paris, Priv.-Slg) und zwei Musen des Cab. des Méd. (von 1741 und 1742) ausstellte. 1744: Carl Härleman bestellte 6 Supraporten für den kgl. Pal. in Stockholm (bis 1746 geliefert) und für sich selbst später möglicherweise eine rechteckige Version von Pensent-ils au raisin" (Stockholm, Nat.-Mus.; ovale Version, 1747, Art Inst. of Chicago) nach „Les Vendanges de Tempé“ von Favart (1745). In Beauvais Beginn des Webens von La danse aus der zweiten Ser. der Fêtes italiennes. 1745: Die Ausst. von Zchngn im Salon belegen B.s Einsicht in deren kommerzielle Verwertbarkeit; er soll insgesamt mehr als 10.000 geschaffen haben. Über Tessin bestellte Louisa Ulrike Gem. der Vier Tageszeiten, von denen B. nur Le matin: La marchande de modes (1746; Stockholm, Nat.-Mus.; eigenhändig gestochene Replik London, Wallace Coll.) ausführte. 1746: Bestellung von Venus bittet Vulkan um Waffen für Äneas (Louvre) und Apotheose des Äneas (Marly) für die Gemächer des Dauphins in Versailles; von diesem aus Prüderie abgelehnt, nahm sie Ludwig XV. für sein Schlafzimmer in Marly.

B. entwarf 5 Bühnenbilder für Persée von Quinault und Lully für die Opéra, und Duflos stach 12 Vignetten für Moeurs et Usages des Turcs von J.-A. Guer nach Zchngn B.s. 1747: B. schuf die ersten zwei Gem. für die Beauvais-Tapisserien Les amours des dieux. Mit dem Raub der Europa (Louvre; für Beauvais) wurde er inoffizieller Gewinner des Wettb. von Lenormant de Tournehem. 1748: Im Juli löste ihn Perronet als Entwerfer für die Opéra ab. Auftrag für zwei Gem. zu Tapisserien der Ballette Fêtes de Thalie und Fêtes vénitiennes sowie für 4 Supraporten für Marly; von diesen offenbar nur Arion (1748; Princeton, Art Mus.) und Vertumnus und Pomona (1749; Columbus, Mus. of Art) voll., aber nie installiert. Vermutl. 1748 lehnte er die Einladung des preuß. Königs ab, ihm als erster Hofmaler zu dienen. 1749 Beginn des Patronats der Mme de Pompadour, die bis zu ihrem Tod 1764 B.s Aufträge und Kunst durch ihre Stellung und ihren Geschmack dominieren sollte, durch die Rechnung für das Gem. Apollo und Isse (1750; Tours, Mus. de. BA) und die Kopie einer Zchng B.s (Sèvres, Mus. Nat. de C´eramique), die Pierre Blondeau für sein Modell „Le jeune suppliant“ für die von der Pompadour protegierte Porzellanmanufaktur in Vincennes verwendete (B. lieferte von nun an häufig Entwürfe für Vincennes, später für Sèvres, v.a. für Enfants).

1750 wurde ein Portr. der Pompadour (verloren) zu ihrem Bruder nach Italien geschickt, und B. malte La Lumière du Monde (Lyon, Mus. des BA) als Altarblatt ihrer Kap. im Château de Bellevue. 1751: Wasserschlebe verhandelte über Supraporten für den dän. Außenminister Johan Hartvig Graf Bernstorff in Kopenhagen (erst 1755 geliefert). Mit Renaud endormi lieferte B. das erste Gem. für die Tapisserie-Ser. Fragm. d’Opéra und malte die Toilette de Vénus (Washington, Nat. Gall. of Art) und Bain de Vénus (New York, Metrop. Mus.) für das Appartement des Bains in Bellevue. Im Juni 1752 erhielt B. eine Wohnung im Louvre, machte Innenentwürfe für das Theater des Jean Monnet auf der Foire St-Laurent. 1753 malte er Decken-Gem. für das Cab. du Conseil in Fontainebleau. Im Juli desselben Jahres wurden Guillaume II Coustou und Louis Claude Vassé beauftragt, die beiden letzten der 4 Statuen der Enfants nach Zchngn von B. für die Molkerei der Pompadour in Crécy zu meißeln; im Aug. Ausst. der Entwürfe für ihre Gobelins Le lever und Le coucher du Soleil (London, Wallace Coll.). Im Juni 1754 Bühnenbilder zum Ballett Les Fêtes chinoises von Noverre.

Im März 1755 beschuldigte er Claude Augustin Duflos, seinen Ruf zu schädigen, indem er Stiche nach Zchngn schuf, die seine schlechtesten Schüler heiml. von seinen Gem. angefertigt hatten; hier zeigt sich, welch wichtige Rolle B. Stichen für die Steigerung seines Ruhms (und Profits) zumaß. Um am 27. 5. 1755 der Nachfolger von Oudry als Inspecteur sur les Ouvrages in den Gobelins werden zu können, willigte er ein, nach der Ser. La Noble Pastorale seine Arbeit für Beauvais einzustellen. 1755–56 malte B. 4 Supraporten von Sylvie et Aminte für das Hôtel de Toulouse in Paris (2 noch dort, heute Banque de France; 2 in Tours, Mus. des BA), erhielt am 22. 4. 1756 den Auftrag für 4 weitere mit Landschaften für das Petit Cab. des Dauphin in Versailles (vielleicht nie ausgef.) und fertigte 1756–57 für den Pal. von Graf Adam v. Moltke in Kopenhagen deren 5 sowie 2 Kaminbilder von Kindern als Personifikationen der Künste (heute Amalienborg). Im Salon von 1757: Portr. der Mme de Pompadour (1756, München, Alte Pin.) und die für sie 1757 gemalte Ruhe auf der Flucht nach Ägypten (St. Petersburg, Ermitage) sowie Venus in der Schmiede Vulkans (Auftrag 15. 5. 1757), eines der 4 Modelle versch. Künstler für die Gobelin-Ser. Les Amours des Dieux. 1757 entstanden auch 6 Entwürfe für Sèvres-Biscuitfiguren und der erste Stich in Crayon- Manier (von Delafosse und Magny) nach B.s Kopf eines alten Orientalen. 1758: Erster Stich in Tusche-Manier von Jean-Charles François nach B.s Cupido, Herr der Welt. Im Aug. Zahlung für das Gem. Jeux de l’Amour für ein Pendant zur Tapisserie von Vulkans Schmiede. 1759: Ausst. des vermutl. für Pompadour gemalten Le Silence (Moskau, Puskin Mus.). Nov.-Dez. voll. B. ein Paar von Pastellen mit Frauenköpfen für Caroline Louise, Markgräfin von Baden, und bot sich an, für sie ein Paar von Pastoralen (L’Ecole de l’Amour und L’Ecole de l’Amitié, 1760; Karlsruhe, Staatl. Kunsthalle) zu malen. 1760: Mme de Pompadour radierte mit uneingestandener Hilfe von B. (und eingestandener direkter Unterstützung von Charles- Nicolas Cochin) dessen Zchng Rodogune Acte V, Scène IV (1759; Paris, Bibl. nat.; 2 Studien in New York, Pierpont Morgan Libr.). 1761: B. malte für Pompadour Les Génies des Arts (Angers, Mus.) als Vorlage für Gobelins. Im Salon u.a.: Repos des Voyageurs (Boston, Mus. of FA) sowie die für Christian IV., Herzog von Zweibrücken, geschaffenen Jupiter und Callisto (Cambridge, Fitzwilliam Mus.) und Schlafende Bacchanten von Satyrn entdeckt (engl. Priv.- Slg; auf Betreiben des Herzogs wurde Johann Christian Mannlich 1765–66 B.s Schüler). Entwurf für 2 spektakuläre Bühnenbilder für Armide et Renaud von Quinault und Lully (3. 11. 1761; zus. mit seinem Sohn) sowie Castor et Pollux von Bernard und Rameau (24. 1. 1764) für die Opéra.

Im Okt. 1764 war B. einer von 4 Künstlern, die „Les généreuses actions des souverains“ für die Gal. von Choisy malen sollten, aber das Projekt scheiterte an B.s und des Königs Gleichgültigkeit. Obwohl er die Wahl (1. 12. 1764) zum Dessinateur du Cab. du Roi aus Gesundheitsgründen ablehnte, wurde er Nachfolger von Carle Vanloo als Premier peintre du Roi (8. 8. 1765) und Dir. der Acad. (23. 8. 1765). Im Salon 2 (von 3) Pastoralen für Marchal de Syncy (Edinburgh, Nat. Gall. of Scotland), eine Ser. von 4 Pastoralen für Mme Geoffrin (u.a. Le départ du courrier, Metrop. Mus.) sowie Jupiter und Callisto und Angelica und Medoro (Metrop. Mus.). Selbst ein Freimaurer, malte B. eine Grisaille (Metrop. Mus.) für die Loge d’Amitié von Bordeaux. Am 13. 12. 1765 Aufführung von Thésée von Quinault und Lully an der Opéra mit 2 Bühnenbildern B.s. 1766: Zahlr. Zchngn für die von Mme Geoffrin für König Stanislas August von Polen in Auftrag gegebene Enthaltsamkeit des Scipio. Im Frühjahr reiste B. zus. mit einem wichtigen Sammler seiner Zchngn, Randon de Boisset, kurzzeitig in die Niederlande. Am 18. 11. Aufführung des Balletts Sylvie von Laujon mit 2 Bühnenbildern B.s. Bezahlung für Vénus sortant des eaux (Raleigh, North Carolina Mus. of Art) für die „Tenture de B.“. Für St-Louis in Versailles malte er Petrus versucht auf dem Wasser zu laufen. 1767 La pêche und La diseuse de bonne aventure (Versailles, Mus.) für die „Tenture de B.“. Am 18. und 25. 5. Ankündigungen von Stichen von Bonnet und von Demarteau nach Zchngn B.s. Im Aug. 1768 bestellte Prinz Galitzin nicht genauer bez. Gem. für Katharina d. Gr. (nie ausgef.). B. malte ein Paar großformatiger Pastoralen (Metrop. Mus.) für Roslin d’Ivry für Château d’Hénonville, die kleine L’obéissance récompensée (Nîmes, Mus. des BA) für Papillon de la Ferté und ein Paar kleiner Landschaften (Linköping, Östergötlands Läns Mus., bzw. Manchester, City Art Gall.) für Duc de Caylus("). Im Salon 1769 Ausst. von Une Marche de Bohémiens, ou Caravanne dans le gôut de Benedetto di Castiglione (ein Maler, von dem B. während seiner ganzen Laufbahn sowohl stilist. wie auch themat. beeinflußt wurde); das Bild (Boston, Mus. of FA) gehörte Pierre-Jacques-Onésyme Bergeret (de Grancourt), einem wichtigen Sammler von B.s Gem. und Zchngn. Für dessen Bruder, Jean-François Bergeret (de Frouville), malte er 1768 6 große mytholog. Darst. für dessen Hôtel in der Rue de Vendôme in Paris (4 in Fort Worth, Kimbell Art Mus.; 2 schmalere in Malibu, J. Paul Getty Mus.). Im Nov. zum korrespondierenden Mitgl. der AK von St. Petersburg ernannt (Aufnahmestück wohl das frühere Gem. von Pygmalion, Ermitage). Am 10. 1. 1770 wurde B. vom Prince de Condé für das Ovalbild Jupiter und Callisto (Raleigh, North Carolina Mus. of Art) bezahlt, das in einer „Tenture de B.“ für sein Schlafgemach im Pal. Bourbon verwendet wurde. 1770 dat. die Grisailleskizze (Öl auf Papier) der Purification (Louvre) und das Bauernmädchen auf dem Weg zum Markt (am 26. 11. 1986 in Rom bei Christie’s). Im Frühjahr Zchngn für die Dekoration des Treppenhauses der Archevêché von Paris; 2 davon, Hoffnung und Religion, wurden als B.s letzte Arbeiten verkauft, obgleich ihnen dieser Rang von 2 anderen mit Stehenden Schäfern streitig gemacht wird. Das Gem. unbek. Themas, an dem er zuletzt gearbeitet hatte, vermachte B. seinem Arzt und Freund, M. Poissonnier l’aîné. –

 

B. war der umstrittenste Künstler seiner Zeit. Kaum ein frz. Künstler der folgenden Generation war von ihm nicht beeinflußt; sein größter Nacheiferer, Jean-Baptiste Huet, war nicht einmal sein Schüler. Einer, sein einstiger Schüler und Mitarbeiter Jean-Honoré Fragonard, ist ohne B. als Vorläufer undenkbar. Obgleich B. die Spitze der akad. Hierarchie erreichte, blieb er doch (getreu seinen Ursprüngen) der Praktiker schlechthin.

Als simpler Geist war er den Intellektuellen unverständlich; Diderot kritisierte ihn immer wieder, war von ihm entsetzt und dennoch unfähig, der Bewunderung für seine pure Artistik zu widerstehen. Schöpferisch ohne Ende, „mit dem Pinsel in der Hand geboren“, wie Mariette es ausdrückte, war B. doch immer bereit, seine und andere Bildideen zu überarbeiten und erneut zu verwerten, so daß manches, was wie Zchngn nach der Natur anmutet (bes. Tiere) tatsächl. in holl. Gem. seinen Ursprung fand. Als Meister der spontanen Ölskizze und der Pinselführung, die das Auge entzücken will (im Atelierjargon der Zeit als „fouillis“ bez.), war er, wie Diderot zugab, der Maler des Malers; er gab seinen Zeitgen. (v.a. Ludwig XV.,Mme de Pompadour und den Finanziers), was sie verlangten und nicht, was sie nach Meinung der Theoretiker haben sollten. Lieber als an ruhmträchtigen Aufträgen arbeitete B. für Kunden und den Kunstmarkt, bes. als Zeichner (viele seiner scheinbaren Studien sind tatsächl. nachträgl. entstanden). Er war glücklich, modische Interieurs mit Supraporten, Kartons für Tapisserien (er war die Hauptstütze der Manufaktur von Beauvais, die, im Gegensatz zu den Gobelins, aus Verkäufen überleben mußte) und Mustern für Porzellanmaler und -modelleure zu versorgen – alles in dem von ihm geprägten pastoralen Idiom.

Zu erfolgreich, um sich der Bildnismalerei zuwenden zu müssen, gehören B.s wenige Portr. wie die der Pompadour, Mme Boucher und von Duc de Montpensier als Baby (der zukünftige Philippe-Egalité; 1749; Waddesdon Manor) doch zu den eindrucksvollsten seines Jahrhunderts. Um je ein Selbstbildnis zu schaffen, war er zu wenig selbstbewußt. Obgleich Kopien und Stiche seiner männl. Aktstudien in den meisten Kunstschulen Europas Verwendung fanden, war B. v.a. der Maler und Zeichner von Frauen. Sinnlich, erotisch, aber (trotz seines späteren Rufs) nie pornographisch; und obgleich sein Name schon zu Lebzeiten zu einem Synonym für Libertinage gemacht wurde, gibt es keinen Beweis, daß er je etwas anderes als ein guter Ehemann und Vater war. Hier wie in so vielen Dingen ist B. der Rubens des 18. Jh., jedoch ohne die gesellschaftl. Ambitionen, den hohen Ernst um seine Kunst oder den Intellekt jenes Künstlers. Der Mangel an diesen entfremdete ihn den Philosophen wie später den Kunsthistorikern. Bedauerlicherweise gibt es bisher über B. seit dem blendenden Essay der Brüder Goncourt, der die meisten Schlüsselaspekte seiner mannigfaltigen Talente erfaßt, weder eine definitive Monographie mit Cat. Raisonné noch ein inspirierendes kunsthistor. Resumee, die ihm das Ansehen gesichert hätten, das er verdient.

A. Laing  ´

© Allgemeines Künstlerlexikon, Internationale Künstlerdatenbank, K.G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München/Leipzig.

Francois Boucher, Die Wasserfälle von Tivoli, 1730

François Boucher: Die Wasserfälle von Tivoli

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