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HANS BURGKMAIR (1473 - 1531)

HANS BURGKMAIR

1473 - 1531

Burgkmair, Hans, d. Ä., dt. Maler, Zeichner für den Hschn. und von Entwürfen für Glasmaler, Bildhauer, Medailleure, Plattner, * zw. 1. 1. und 10. 5. 1473 Augsburg, † zw. Mai und Aug. 1531 ebd.

Sohn von Thoman B. Lt. eigenhändiger Aufschrift auf dem Bildnis Martin Schongauers (München, AP) war B. 1488 „sein Junger“. Die Bekanntschaft mit Schongauer könnte auf dessen mutmaßl. Aufenthalt in Augsburg 1483 oder auf den seit 1486 in der Stadt ansässigen Bruder Ludwig Schongauer zurückgehen.

Darüber hinaus ist B. an keinem anderen Ort außer Augsburg zu einer bestimmten Zeit nachweisbar. Auch die Dauer seines Aufenthaltes im Elsaß ist ungewiß und allenfalls über die Art seiner Anknüpfungen an Gem. von Schongauer zu erschließen. Wohl 1490 zurück, doch erst E. 1497 wieder in Augsburg dok. durch zwei Kostümstudien, in denen er sich selbst in Bräutigams- und Hochzeitsgewand darstellt (Wien, Albertina).

Heiratete am 3. 7. 1498 Anna, Tochter des Kürschners Jörg Allerlay, ab 29. 7. Meister in der Zunft der Augsburger Maler, Glaser und Bildschnitzer. Auf dem Augsburger Reichstag von 1500 erste Kontakte mit Kaiser Maximilian, in dessen Rechnungsbüchern B. erscheint. Ab 1501 bewohnte B. ein anderes Haus als sein Vater, hatte also wohl die Werkstattgemeinschaft mit diesem aufgegeben, und nahm drei Lehrlinge auf. In den folgenden Jahrzehnten regelmäßig, u.a. durch Steuerzahlungen dok., die 1528, auf ihrem höchsten Stand, nicht mehr als ein bescheidenes Vermögen erkennen lassen.

Die Verleihung eines Wappens durch den Kaiser 1516 kennzeichnete einen Höhepunkt öff. Anerkennung. Aus den Werken ist eine Reise nach Köln um 1503 und eine nach Oberitalien um 1507 zu erschließen. Bes. Bedeutung gewann B.s Bekanntschaft mit Humanisten, für die er v.a. Buch-Ill. oder Portr. schuf. Die wichtigste Verbindung blieb zeitlebens die zu Konrad Peutinger, der die langjährige Tätigkeit für Kaiser Maximilian vermittelte sowie zahlr. weitere Aufträge. Von den Fresken an den Häusern der Fam. Fugger (am Weinmarkt, vor 1517) und Welser (dat. 1514) blieb nichts erhalten.

B. hinterließ keine Wkst., keinen bed. Schülerkreis. Wichtigster Schüler war Hans Weiditz, wenn man in ihm den Petrarca-Meister erkennen will. Weiditz kehrte 1523 in seine Heimatstadt Straßburg zurück. Christoph Amberger, als Schüler B.s in Erwägung gezogen, gilt heute als Schüler von Leonhard Beck.

Obwohl B.s graph. Werk bis in die Niederlande wirkte, geriet sein Name auch in Augsburg bald in Vergessenheit. Erst Joachim von Sandrart, der einige Zeit in Augsburg gelebt hatte, machte ihn in der „Teutschen Academie“ (1675) wieder bekannt.

Die frühesten sicheren Werke der Malerei B.s sind das inschriftl. 1490 dat. Portr. des Straßburger Münsterpredigers Johannes Geiler von Kaysersberg (Augsburg, BSGS) und das stilist. verwandte Portr. von dessen Freund, dem Augsburger Bischof Friedrich von Zollern (Augsburg, SKS). Aus den frühen 90er Jahren sind ihm dann v.a. Buch-Hschn. des Verlegers Erhard Ratdolt zuzuschreiben, die ihn bereits als einen souveränen Illustrator ausweisen. 1501 liefert B. den ersten von drei Beitr. zu dem Zyklus der großen Lunettenbilder mit Darst. röm. Stationskirchen für den Kapitelsaal (nicht den Kreuzgang, wie Sandrart angibt) des Klosters St. Katharina, dem wichtigsten künstler. Auftrag in Augsburg um 1500. Mit diesen Gem. erweist er sich neben Hans Holbein d. Ä. als führender Maler der Stadt. Die südl. Motive des ersten Bildes, der Petersbasilika, namentl. der Dekor der dargestellten Kirche, berühmt als frühestes Renaiss.-Ornament in Deutschland, können auch erklärt werden, ohne daß man annimmt, daß B. zu dieser Zeit schon in Italien gewesen war. Daß sich B. hingegen vor der Fertigstellung des 3. Bildes von 1504 in Köln aufgehalten hat, ergibt sich nicht nur aus den Details der Darst., die eine genaue Kenntnis der Stadt verraten, sondern auch aus drei regelrechten Kopie-Zchngn nach Kölner Gem., u.a. dem Columba-Altar des Rogier van der Weyden.

Bis 1505 war B.s Ruhm so weit verbreitet, daß Kurfürst Friedrich von Sachsen, viell. aufgrund der Vermittlung durch Konrad Peutinger, den heute in Nürnberg bewahrten, um 1600 weitgehend umgestalteten Flügelaltar bei ihm in Auftrag gab. 1505 entstand eine große Ölberg-Darst., von der in Hamburg ein Fragm. erh. ist. In die Jahre 1506 und 1507 fällt B.s Italienreise, die laut T. Falk mit den nur im Probedruck erh., ursprüngl. 151 Hschn. für das Heiltumsbuch von Hall in Tirol in Verbindung gestanden haben könnte. Sie muß zwar kurz gewesen sein, denn er ist in beiden Jahren auch in Augsburg dok., doch von großem Einfluß auf den offenbar für die Erfahrung der Bildwelt der Renaiss. aufnahmebereiten Maler. Architektur- und Ornamentformen sowie Komp. des 1507 dat. Hschn. der Lukasmadonna zeigen die ital. Anregung bezeichnenderweise zuerst in der Umsetzung in die graph. Technik.

Anders als Dürer müssen B. weniger die Errungenschaften des Quattrocento als vielmehr die zeitgen. oberital. Malerei beeindruckt haben. Der ebenfalls 1507 dat., in süddt. Trad. stehende Rosenkranzaltar (Augsburg, BSGS) gibt zwar keine deutl. Hinweise in dieser Richtung, sp¨atestens aber die Madonna von 1509 (Nürnberg, GNM) zeigt eine neue Stufe farbiger Intensität und kompositor. Geschlossenheit, obwohl sie sich in anderen Zügen „so herzhaft auf die anti-ital. Seite stellt“ (Wölfflin).

Aus der erfolgreich beg. Laufbahn als Maler kirchl. und anderer relig. Auftragswerke wurde B. durch die Hschn.-Projekte des Humanistenkreises um Kaiser Maximilian gerissen. Spätestens ab 1504 war B. mit Hschn.-Entwürfen für Peutingers und Konrad Celtis’ Publ. beschäftigt. Durch den kaiserl. Rat Peutinger, der es verstand, diese Aufgaben nach Augsburg zu ziehen, wurde die Stadt in der Folge zu einem bes. gegenüber Nürnberg selbständigen Zentrum der dt. Hschn.-Kunst mit B. an der Spitze, an den Peutinger auch in der Folgezeit nach Möglichkeit große Aufträge vermittelte. Dazu zählen zunächst Werke zum Ruhm des Kaisers, die ihn einmal in die Nachf. der römischen Cäsaren (Peutingers Kaiserbuch, um 1506), ein andermal auf gleiche Stufe wie den Papst stellen (Dyalogus Iohannis Stamler, 1508) oder ihn als christl. Ritter (Holzschnittpendants St. Georg und Maximilian, 1508) verbildlichen. Auch für den Entwurf der steinernen Reiterstatue des Kaisers beim Kloster St. Ulrich und Afra ist B. herangezogen worden.

Seine um 1508 entstandene Zchng, vermutl. die verbindl. Vorlage für den Bildhauer Gregor Erhart, vermittelt die genaueste Vorstellung des Mon., dessen Torso 1510 liegen blieb und noch bis zur Säkularisation auf dem Klosterhof zu sehen war. Während die Idee eines freistehenden Reitermonumentes aus Italien übernommen sein mag, knüpfen die Einzelheiten der Zchng in pointierter Weise an die ma. dt. Vorbilder in Magdeburg und Bamberg an. In das 2. Jahrzehnt des Jh. fallen die Arbeiten an den großen Hschn.-Zyklen für den Kaiser. 1513 erschien der Theuerdank mit 13 Schnitten von B. Die Arbeit an den 110 Schnitten B.s für den Weißkunig, deren Stöcke z.T. erhalten sind, dauerte fast das ganze Jahrzehnt. Bei diesen Hschn., die unter der persönl. Einflußnahme des Kaisers entstanden, verfeinerte B. seinen graph. Stil in einer Weise, die die vielfigurigen Szenen überschaubar macht und mit einer stets gelobten Strenge und Klarheit der Komp. begabt. Da das Werk unvoll. blieb, hatte es keinen Anteil an der künstler. Wirkung B.s auf die Nachwelt. Auch an der Ehrenpforte, dem Triumphzug Maximilians sowie mit drei Zchngn an dem Gebetbuch des Kaisers (1515) war B. beteiligt. Wichtig für die Qualität der graph. Arbeiten war die Zusammenarbeit mit dem hervorragenden Antwerpener Formschneider Jost de Negker. Auch B.s Tätigkeit als Porträtist entfaltete sich in der Umgebung des Kaisers, wobei bezeichnenderweise einzelne Hschn.- Bildnisse zu den bed. Leistungen gehören. Das Portr. Hans Baumgartners von 1512, ein Chiaroscuro-Schnitt, der bei drei farbigen Platten auf eine Strichplatte ganz verzichtet, ist zugleich techn. ein Meisterwerk.

Erst gegen E. des Jahrzehnts entstanden wieder hervorragende Gem., wie der Johannes-Altar von 1518. 1519 dat. der Kreuzigungsaltar, der wohl im Auftrag der Fam. Peutinger geschaffen wurde, in deren Besitz er sich E. des Jh. befand (beide München, AP). Auf den Außenseiten der Flügel erscheinen die Patrone der Brüder Konrad Peutingers, die Hll. Sigismund und Georg. Der Bedeutung dieser beiden Hw. der Malerei B.s kommt in der Folge nur noch seine Beteiligung an dem Zyklus von Historienbildern für Kurfürst Wilhelm IV. von Bayern gleich, zu dem er die Darst. von Esther vor Ahasver (1528; München, AP) und die der Schlacht von Cannae (1529) beisteuerte. Deren Beurteilung wird von Altdorfers Beitr. zu demselben Zyklus, der Alexanderschlacht, verdunkelt, sie stellen aber für sich betrachtet hervorragende Leistungen einer um Genauigkeit und Texttreue bemühten Historienmalerei dar. Aus den 20er Jahren sind 5 jeweils von 8 Stöcken gedruckte und 1 m hohe Hschn. mit Szenen der Passion bemerkenswert. Man hat vermutet, daß mit den konfessionell nicht festgelegten Bll. während der Reformation kontroverse Darst. überklebt werden sollten (W. Schade). Auf dem 1529 dat. Doppelbildnis von B. und seiner Frau (Holz; Wien, Kunsthist. Mus.), als das späteste und vollkommenste Werk B.s gefeiert, ist 1936 die Sign. eines als Maler unbek. Schülers entdeckt worden, doch kann es kaum ohne des Meisters Mitarb. entstanden sein. 

G. Seelig

© Allgemeines Künstlerlexikon, Internationale Künstlerdatenbank, K.G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München/Leipzig.

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