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WASSILY KANDINSKY (1866 - 1944)

WASSILY KANDINSKY

1866 - 1944

Kandinsky, Wassily, Maler, * 4.12.1866 Moskau, † 13.12.1944 Neuilly-sur-Seine bei Paris.

In Odessa aufgewachsen, studierte K. in Moskau Jura und Volkswirtschaft und befaßte sich außerdem mit Ethnographie. Die ihm nach Promotion und Assistentenzeit an der Juristischen Fakultät in Moskau offenstehende Universitätskarriere schlug er nicht ein, sondern ging 1896 zum Kunststudium nach München. Sein Zugang zur Kunst blieb wissenschaftlich geprägt. Systematisch schrieb K. Beobachtungen zur Farbenwirkung nieder im Hinblick auf eine Theorie von objektiver Gültigkeit. Nach kurzer Ausbildungszeit in der Kunstschule Anton Ažbès und an der Akademie bei Franz Stuck unterrichtete K. in der "Phalanx" selbst, u. a. Gabriele Münter. Mit ihr unternahm er Reisen nach Holland, Tunesien und Italien und verbrachte das Jahr 1906/07 in Sèvres bei Paris. Seit 1908 ließen sich beide wieder in München nieder und malten während der Sommermonate gemeinsam mit Alexej Jawlensky und Marianne von Werefkin in Murnau (Oberbayern) sowie mit Franz Marc in Sindelsdorf.

Die Jahre bis 1914 waren von kunstpolitischem Engagement K.s geprägt, der Künstler auf internationaler Ebene miteinander in Verbindung bringen wollte: Er leitete 1909 die "Neue Künstlervereinigung München", gab mit Marc 1912 den Almanach Der Blaue Reiter heraus und organisierte zwei Ausstellungen der "Redaktion des Blauen Reiter". K. verfaßte theoretische Schriften wie sein Buch Über das Geistige in der Kunst (1911), dessen kulturkritischer Charakter den Nerv der Zeit traf, die als Antwort auf vernichtende Kritik entstandenen autobiographischen Rückblicke (1913), ferner den Gedichtband Klänge (1913) sowie Bühnenkompositionen. Über die Verwendung einer über die Gegenstandsbegrenzung hinaus flutenden Farbe, einer unklaren Räumlichkeit, der Trennung von malerischen und graphischen Elementen (seit 1911) und über die Reduktion der Gegenstände auf wenige, wiederholt eingesetzte Chiffren (Moskau, Berg, Reiter, Ruderboot) gelangte K. schrittweise zu einem hohen Abstraktionsgrad in seinem Werk.

Das in seiner Moskauer Zeit 1915-21 geschaffene, zum Teil wieder gegenständliche Werk spiegelt die Schwierigkeit K.s wider, gegenüber dem Suprematismus (Kasimir Malevi?) die eigene Position zu finden. Die Revolution begrüßend, engagierte sich K. bei dem Aufbau neuer Kunstinstitutionen, wurde aber mit seiner spirituellen Geisteshaltung zunehmend zum Außenseiter. Er folgte 1922 dem Ruf von Walter Gropius an das Bauhaus und zog mit diesem von Weimar nach Dessau und schließlich nach Berlin. Die enge Zusammenarbeit mit Paul Klee, die Lehrtätigkeit und die Arbeit an seiner zweiten theoretischen Hauptschrift Punkt und Linie zu Fläche (1926) kennzeichnen diese Jahre.

Nach der Schließung des Bauhauses 1933 ging K. mit seiner zweiten Frau Nina nach Neuilly-sur-Seine bei Paris, wo er ein Spätwerk von großer, durch naturwissenschaftliche Illustrationen angeregter Formenvielfalt schuf. Die Wirkungsgeschichte K.s umfaßt neben seinem Einfluß auf die deutsche und russische Avantgarde seit 1912 auch den auf junge amerikanische Künstler, den literarischen "Sturm"-Kreis um Herwarth Walden, den Dadaismus und auf die Generation der Bauhaus-Schüler. K. gilt nicht mehr als "erster abstrakter Maler", hat jedoch die Entwicklung zur Abstraktion mit unvergleichlicher Konsequenz und Systematik betrieben.

Marion Ackermann

© Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hrsg. v. Rudolf Vierhaus, K. G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München 2005-2008.

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