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ALEXANDER CALDER (1898 - 1976)

ALEXANDER CALDER

1898 - 1976

Calder, Alexander (Sandy), US-amerikan. Bildhauer, * 22. 7. 1898 Philadelphia, † 11. 11. 1976 New York.

Sohn von Alexander Stirling C. und Nanette Lederer C. Stud.: 1915–19 Stevens Inst. of Technology, Hoboken/ N. J. (Maschinenbau); 1923–26 Art Students League, New York (u.a. Zchng bei Boardman Robinson; Einfluß von John Sloan auf seine Gem. von New York).

Ab 1926 in Paris, wo er Zeichenklassen an der Acad. de la Grande Chaumière besucht. C. schuf nun aus Holz und Draht Tiere mit beweglichen Elementen und entwarf die ersten Stücke von Circus (New York, Whitney); 1927–30 entstanden auch menschl. Figuren und Portr.

Nach einem Besuch im Atelier von Piet Mondrian (1930) entstanden die ersten abstrakten Konstruktionen (z.B. Universes, 1931); 1931 wurde er eingeladen, „Abstraction-Création“ beizutreten. C. entwickelte seine Formen u.a. aus den biomorphen Gestalten von Miró, Hans Arp und Alberto Giacometti. Um 1930, als astronom. Entdeckungen Schlagzeilen machten und sich in seinem Schaffen niederschlugen, interessierte sich C. für kosm. Formen in den Werken von Wassily Kandinsky und Lászó Moholy-Nagy.

1932 prägte Marcel Duchamp den Begriff „Mobile“ für C.s erste Konstruktionen, in denen Bewegung eine Rolle spielt. 1934 erwarb das MMA in New York A Universe, in dem (wie in anderen, gleichnamigen Werken) eine offene Sphäre dem Weltall entspricht und Holzbälle den Planeten; C. griff hier auf Formen alter astronom. Instrumente zurück und wandte seine Kenntnisse von Laboraufbauten aus der Kinetik-Lehre an. In The White Frame (1934; Stockholm, Mod. Mus.) sind versch. Arten von Bewegung (Rotation, vertikale Bewegung und period. Schwingung) innerhalb der Grenzen eines weißen Holzrahmens angeordnet; die Komp. beruht auf den Grundfarben, geometr. Formen und kinet. Basiskategorien, wie sie in Lehrbüchern der elementaren Physik Verwendung fanden. In C.s ersten Mobiles dominierten geometr. Formen, ab 1934 kamen biomorphe Elemente stärker zur Geltung; später verfeinerte er seine vom Wind bewegten Mobiles zu raumgreifenden Konstruktionen elegant schwingender Drähte.

Während der 30er Jahre blieb er der Abstraktion verpflichtet. 1937 vollendete C. sein erstes „Stabile“, Whale (New York, MMA). Der Auftrag für Mercury Fountain, unmittelbar neben „Guernica“ von Picasso im span. Pavillon der Pariser WA 1937 installiert, war für C. ein künstler. und techn. Erfolg; er setzte seine Fähigkeiten als Ing. ein, um mit ungewöhnl. Mat. (u.a. Quecksilber) mobile und stat. Formen zu kombinieren. Für die New Yorker WA 1939 entwarf er ein Wasserballett vor dem Pavillon der Consolidated Edison Company, bei dem vierzehn Wasserstrahlen fünf versch. „Szenen“ aufführten; sie schossen bis zu 17m hoch, um dann mit lautem Knall ins Becken zurück zu platschen.

Obgleich die Choreographie nicht richtig funktionierte, hatte Eero Saarinen 1954 dieses Wasserballett vor Augen, als er C. den Auftrag für einen Brunnen des General Motors Technical Center in Warren/Mich. erteilte. 1949 fanden C.s Mobiles in Rio de Janeiro im Ballett „Symphonic Variations“ Verwendung. Während der 50er Jahre entwickelte er neuartige Mobiles, u.a. die an Wänden befestigten Towers und die Geräusch-Mobiles Gongs. 1954 ließ sich C. in Saché/Indre-et-Loire nieder. 1958 Voll. von drei öff. Aufträgen: Whirling Ear (WA Brüssel), Spirale (UNESCO-Gebäude, Paris) und .125 (Kennedy Internat. Airport, New York).

Nach 1960 erhielt C. viele Aufträge für öff. Skulpt., v.a. in leuchtenden Farben bemalte Stabiles aus Metall. Seine Bogenformen, dynam. Oberflächen und biomorphen Bildwelten waren die ideale Ergänzung zur geometr. Strenge mod. architekton. Komplexe. Teodelapio, ein 1962 urspr. für eine Ausst. in Spoleto konzipiertes Stabile, dient nun als mon. Tor zur Stadt. 1967 entstand Man für die WA Montréal, 1969 für Grand Rapids/Mich. La Grande Vitesse. Flamingo (1974, Chicago, Federal Center Plaza), ein leuchtendrotes Stabile, vermittelt zw. dem menschl. Maßstab und den gewaltigen Dimensionen des Wolkenkratzers von Mies van der Rohe.

Kurz vor seinem Tod vollendete C. das kolossale Stabile La Defense in Paris. In Washington/D. C. wurden zwei Werke postum errichtet: 1977 im Atrium der von I. M. Pei entworfenen NG of Art ein Mobile von fast 10m Durchmesser, das trotz speziell installierter Gebläse kaum Bewegung aufweist und C.s urspr. Intentionen nicht erfüllt; 1985 Mountains and Clouds (Capitol, Hart Senate Office Building), in dem in bemerkenswertem Kontrast zur Heiterkeit früherer Stabiles schwarze Wolken (ein motorisiertes Mobile) über fast unbezwingbaren Bergen (einem enormen Stabile) hängen.

C.s Mobiles war in der westl. Welt ein ungeheurer Erfolg beim Laienpublikum beschieden, der dazu führte, daß Mobiles fast zur Standardausstattung mod. Wohnungen der 50er und 60er Jahre gehörten. Darüber hinaus war C. Wegbereiter für die zahlr. entstehenden kolossalen Abstraktionen in Industriestahl, die heute das Bild der Kunst im öff. Raum, an dessen Neubelebung er maßgebl. beteiligt war, bestimmen.

J. Marter

© Allgemeines Künstlerlexikon, Internationale Künstlerdatenbank, K.G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München/Leipzig.

Alexander Calder, Mobile (Red Lily), 1950, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Alexander Calder: Mobile (Detail)

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