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FRANCIS BACON (1909 - 1992)

FRANCIS BACON

1909 - 1992

Bacon, Francis, engl. Maler, * 28. 10. 1909 (nicht 1910) in Dublin als Sohn engl. Eltern, † 28. 4. 1992 Madrid. Autodidakt.

1925 Übersiedlung nach London, danach lebte er zwei Jahre in Paris und Berlin und verdiente sich als Innenarchitekt den Lebensunterhalt. 1928/29 ließ er sich in London nieder und arbeitete zunächst weiterhin an Entwürfen für Inneneinrichtungen und Möbel, deren stilisierter Funktionalismus den Einfluß des Bauhauses zeigt. In den 30er Jahren verschiedene Gelegenheitsarbeiten. 1941–42 beim Zivilschutz, da er wegen einer Erkrankung an Asthma zum Kriegsdienst untauglich erklärt wurde. 1946–50 lebte er abwechselnd in London und Monte Carlo, in diese Zeit fiel auch der Beginn seiner Freundschaft mit dem Maler Graham Sutherland. 1950 unterrichtete Bacon für kurze Zeit am R. College of Art in London, A. der 50er Jahre reiste er zweimal nach Südafrika und im Sommer 1956 zum ersten Mal nach Tanger, wo er sich in den nächsten drei Jahren häufig aufhielt.

Preise: 1966 Painting Prize, Carnegie Internat., Pittsburgh; 1967 Rubens-Preis, Siegen/BRD. – 1926 sah Bacon in Paris eine Picasso- Ausst. in der Gal. Paul Rosenberg, die sein Interesse an der Malerei weckte. Bald danach entstanden die ersten Ölbilder, die seine Auseinandersetzung mit dem Kubismus und Surrealismus spiegeln.

Einige dieser frühen Arbeiten wollte er 1936 bei der internat. Surrealismus-Ausst. in den New Burlington Galleries zeigen, seine Teilnahme wurde jedoch mit der Begründung abgelehnt, die Arbeiten seien nicht surrealistisch genug (Bacon selbst hat sich später als „Realist“ bezeichnet).

In den späten 20er und frühen 30er Jahren kündigte sich bereits das für sein späteres Werk so bestimmende Thema der „Kreuzigung“ an. Da sich seine Arbeiten sehr schlecht verkauften, gab er das Malen zunächst fast ganz auf, erst im Jahre 1944 wandte er sich wieder bewußt der Malerei zu.

Ein Großteil seiner künstlerischen Produktion vor dem 2. Weltkrieg wurde von ihm selbst vernichtet, erhalten blieben nur 15 Bilder. Sein Bild Drei Figuren am Fuße einer Kreuzigung, 1944, stellte er selbst an den Beginn seiner künstler. Entwicklung. 1945 zum ersten Mal öffentlich gezeigt, wurde es als Zeugnis einer von Angst und Kriegsgreuel gezeichneten Generation gefeiert. Die Vision des gequälten, entmenschten Individuums, die existentielle Erfahrung des Geworfenseins des Menschen, die B.s gesamtes Werk kennzeichnet, wird in diesem Bild zum ersten Mal eindringlich vor Augen geführt, wobei die biomorphen Figuren der drei Erinnyen noch seine Nähe zu surrealist. Gestaltungsformen zeigen. 1946 entstand Painting 1946, ein Schlüsselbild im Œuvre B.s, das bereits 1948 vom Mus. of Mod. Art, New York, erworben wurde. B. vereint hier mehrere für sein Werk kennzeichnende Motive als Gleichnisse für Qualen und Tod: geschlachtete Tiere aus Kühlhäusern und Fleischereien, der deformierte menschliche Körper sowie die Kreuzigung, die jedoch keinen herkömmlich religiösen Bezug hat. B. selbst hat das Kreuz als „hervorragend brauchbares Gerüst, an dem man alle denkbaren Eindrücke und Gefühle aufhängen kann“, bezeichnet.

Der Mund, zur Grimasse verzogen oder im Schrei weit aufgerissen, kennzeichnet seine Figuren in den frühen Arbeiten. Wie viele seiner Bildvorstellungen wurden auch diese Motive durch Photographien aus Zeitungen, Filmen oder Büchern angeregt, die B. mit Abb. von Gem. alter Meister in großer Zahl sammelte. So fand er den weit aufgerissenen Mund auf einem Standphoto aus dem Film „Panzerkreuzer Potemkin“ von Eisenstein und in medizin. Abb. von Mundkrankheiten. Auch die Darst. der bewegten Figur in seinem Werk ist ohne photographische Vorbilder nicht denkbar.

Besonders die Studien Edward Muybridges, die die Phasen eines Bewegungsablaufs in Photosequenzen festhalten, dienten ihm in vielen seiner Figurenstudien als Anregung. 1948 begann er der Serie der Köpfe; 1949 entstand Kopf IV, in dem das typische Raumgerüst seiner Bilder festgelegt ist: die Figur wird isoliert und durch ein Liniengerüst gleichsam eingegrenzt. Seine meist schrecklich deformierten Figuren, die häufig auf Körper und Kopf reduziert sind, bewegen sich nicht im realen, sondern imaginären Raum, der durch Möbelversatzstücke oder abstrakte Linienfigurationen genau definiert wird. Erst in den 60er Jahren vereinfachte er die Binnengliederung, der Raum wird dann durch einheitliche Bildflächen – oft in einer einzigen Farbe – strukturiert.

In den Arbeiten der 50er Jahre tritt die Symbolik des Dargestellten in den Hintergrund. Vermehrt baute er alltägliche Gegenstände des modernen Lebens –Möbel, Vorhänge, Glühbirnen etc. – in seine Bilder ein, um wie die Surrealisten mit verfremdet alogischen Dingen die Kraft seiner gewaltsamen Bildwelt zu steigern. 1951–65 entstand die Serie der Papstbilder – einige Arbeiten daraus lassen sich unmittelbar auf Velasquez’ berühmtes Portr. Innocent X im Pal. Doria, Rom, zurückführen. 1953–57 die Serie Studien für ein Portrait, die bis zu sieben Einzelbilder umfassen. 1957 entstanden die Variationen zu van Gogh, deren ungestüme, vehemente Farbigkeit und Gestik der Malweise ihn für einen kurzen Zeitraum in die Nähe expressiver Ausdrucksformen rückte, die so in seinem Schaffen singulär bleiben sollte.

Ab 1962 Arbeit an großformatigen Triptychen und an Serien von Portr. und Porträtköpfen von sich selbst und seinen Freunden. Die Bildidee des Triptychons entwickelte er vor der Panorama-Lw. eines Kinos, die die Zuschauer auf drei Seiten umfasst. In Drei Studien für eine Kreuzigung, 1962, verband er das Triptychon, ohnehin der traditionelle Bildtyp von Altarbildern, mit dem Thema der Passion. 1965 war für B. das Thema der Kreuzigung abgeschlossen. 1972–74 folgt die Serie der drei Schwarzen Triptychen, ausgelöst durch den Tod seines Freundes George Dyer.

Seit den 70er Jahren hat er seine Arbeiten stärker konstruiert, der Raum wurde klar definiert, das Bildgerüst ruhiger – ohne jedoch die große Ausdruckskraft früherer Arbeiten zu verlieren. Die Farbgebung der Bilder wurde leuchtender, er verwendete kräftige Orange- und Rottöne. B. ist ausschl. Maler, es gibt von ihm keine Aqu., Zeichnungen oder Vorstudien. B.s Malerei, die zu den bedeutendsten Leistungen figurativer Kunst der Gegenwart gehört, blieb ohne Nachfolge, denn zu persönlich sind Bildsprache, Ikonographie und Symbolik.

Er gilt, gemeinsam mit Alberto Giacometti, als Wegbereiter der Neuen Figuration.

S. Berchtold

© Allgemeines Künstlerlexikon, Internationale Künstlerdatenbank, K.G. Saur Verlag, ein Imprint der Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, München/Leipzig.

 Francis Bacon, Studie für die Kinderschwester in dem Film "Panzerkreuzer Potemkin", 1957, © The Estate of Francis Bacon / VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Francis Bacon: Studie Krankenschwester (Detail)

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