Ausstellungen / Archiv / 2009

"NIE ZUVOR WAREN HIERZULANDE SO VIELE BILDER VON BOTTICELLI VERSAMMELT."

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Michael Hierholzer, 13. November 2009 zur Ausstellung "Botticelli" (13. November 2009 bis 28. Oktober Februar 2010)

28. November 2009 bis 07. März 2010 - Graphische Sammlung

PETER ROEHR. WERKE AUS FRANKFURTER SAMMLUNGEN

Eine Ausstellung des Städel Museums und des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main.

In einem Gemeinschaftsprojekt präsentieren das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main und das Städel Museum vom 28. November 2009 bis 7. März 2010 die Ausstellung "Peter Roehr - Werke aus Frankfurter Sammlungen". Die Ausstellung umfasst rund 100 Arbeiten aus allen Schaffensperioden und Werkgruppen des Frankfurter Künstlers (1944-68), dessen seriell geprägtes Werk in nur sechs Jahren entstanden ist. Gezeigt werden Arbeiten aus dem MMK, das eine umfangreiche Roehr-Sammlung besitzt, und Werke aus der Sammlung des Städel Museums, das im Rahmen der Ausstellung erstmals die zehn "Schwarzen Tafeln" aus seinem Bestand der Öffentlichkeit präsentiert. Darüber hinaus versammelt die Ausstellung maßgebliche Arbeiten aus privaten Sammlungen, die noch immer in Frankfurt verortet sind oder dort ihren Ursprung nahmen. Die anhand dieser exzellenten öffentlichen und privaten Sammlungen zusammengetragene Werkauswahl ermöglicht erstmals einen umfassenden Einblick in das Schaffen des jung verstorbenen Künstlers.

Kuratoren: Dr. Martin Engler (Sammlungsleiter für Kunst nach 1945, Städel Museum) und Prof. Dr. Andreas Bee (bis Juli 2009 Stellvertretender Direktor des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, jetzt Hochschule für Bildende Künste Braunschweig)

Wissenschaftliche Mitarbeit: Tanja Zocher (Städel Museum), Corinna Dirting (MMK)

Gefördert durch den Museumskooperationspools der Stadt Frankfurt am Main

Katalog zur Ausstellung: Zweisprachig: deutsch-englisch, 184 Seiten, 114 Farbabbildungen, 24 x 30 cm, 24,90 Euro, Zur Bestellung


04.September 2009 bis 07. März 2010 - Kabinett zum Main, Kuppelsaal und Galerie

KONSTELLATIONEN V

Die Präsentation beginnt im Kabinett zum Main mit einer für das "Bildermuseum" Städel untypischen Eröffnung: Nichts hängt, alles steht; auf knapp 38 Quadratmetern versammelt sich ein ebenso raumfüllender wie qualitätvoller Querschnitt durch die Sammlung von Skulpturen nach 1945. Präsentiert werden unter anderem Arbeiten von Bernhard Schultze, Joseph Beuys und Jonathan Meese. Dass beim Blick vom 21. auf das 20. Jahrhundert immer mehr das Verbindende neben dem Trennenden deutlich wird, zeigt die Hängung im Kuppelsaal. Großformatigen Werken von Emil Schumacher und Ernst Wilhelm Nay werden dort Arbeiten von Wolfgang Tillmans und Armin Boehm gegenübergestellt. Ein Stockwerk tiefer kreisen malerische wie skulpturale Arbeiten um eines der Kardinalthemen der bildenden Kunst: das Abbild des Menschen. Zu sehen sind Arbeiten von Pablo Picasso, Francis Bacon sowie Georg Baselitz und Karel Appel. Der abschließende, vierte Raum bildet den ästhetischen Gegenentwurf zu diesen figürlichen Variationen. Hier gehorcht alles der bildimmanenten Systematik des Formats: Die zentrale "Erfindung" der Moderne, die geometrische Abstraktion, wird mit Victor Vasarely, Josef Albers und Hermann Glöckner im Nebeneinander von Vorkriegs- und Nachkriegsavantgarde vorgeführt.

Kurator: Dr. Martin Engler (Städel Museum)


18. September 2009 bis 07. März 2010 - Galerie

MORD IM MITTELALTER. DER GEWALTSAME TOD DES GRAFEN DIETRICH VON WERNIGERODE

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt zu Gast im Städel

Die mittlerweile fünfte Präsentation im Rahmen der Kooperation zwischen dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt und dem Städel Museum Frankfurt nimmt mit dem zu Beginn des 15. Jahrhunderts entstandenen Wernigeröder Altar ein Werk der niedersächsischen Tafelmalerei in den Blick. Im Zentrum des Werks steht der am 22. Juli 1386 gemeuchelte Graf Dietrich von Wernigerode. Sein Schicksal lässt ein legendenumwobenes Stück Familiengeschichte des Wernigeröder Grafenhauses lebendig werden. Wurde Dietrich von seinen adligen Standesgenossen für einen angeblich begangenen Landfriedensbruch gerichtet oder fiel er einem hinterhältigen Mordkomplott zum Opfer? Das Altarretabel trägt den Charakter eines sechshundertjährigen Beweisstücks und bietet ausreichend Stoff für einen mittelalterlichen Kriminalfall. Mit seinem ungewöhnlichen Bildprogramm gibt der Wernigeröder Altar eine eindeutige Antwort aus Sicht der Wernigeröder Grafen, die das Altarbild Jahrzehnte nach der Bluttat zum Gedenken an Dietrich stifteten.

Kuratoren: Prof. Dr. Jochen Sander (Städel Museum) und Dr. Theo Jülich (Hessisches Landesmuseum Darmstadt)


13. November 2009 bis 28. Februar 2010 - Ausstellungshaus

BOTTICELLI

Das Städel Museum präsentierte mit ca. 80 Werken Botticellis, seiner Werkstatt und Zeitgenossen die erste Ausstellung zu dem großen Meister der italienischen Renaissance im deutschsprachigen Raum, die sich mit einer Auswahl von Bildnissen, mythologischen Allegorien und Marienbildern seinem Schaffen widmete.

Sandro Botticellis Malerei ist zu einem Markenzeichen der italienischen Renaissance geworden, sein monumentales "Weibliches Idealbildnis" (um 1480) gehört zu den Hauptwerken der Sammlung des Städel Museums. Die ideale Schönheit seiner mythologischen Gestalten und die elegante Anmut seiner Madonnenfiguren machen Botticellis Schöpfungen zum Inbegriff der Florentiner Kunst im Zeitalter der Medici-Herrschaft unter Lorenzo dem Prächtigen. Der viel gepriesene Zauber seiner Bildsprache liegt dabei nicht vorrangig in der meisterhaften Umsetzung von Renaissance-Idealen, sondern in der einzigartigen Ausdruckskraft seiner Figurenschöpfungen begründet, die ihre klassisch graziöse Schönheit feierlich und vielfach mit melancholischer Note in Szene setzen.

Kurator: Dr. Andreas Schumacher (Städel Museum)

Gefördert durch die Commerzbank-Stiftung

Mit zusätzlicher Unterstützung von Alnatura Produktions- und Handels GmbH, HA Hessen Agentur GmbH, Tourismus+Congress GmbH Frankfurt am Main, Deutsche Bahn AG, Weleda AG, Filiale Douglas Zeil, Frankfurt am Main, Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, Italienische Kulturinstitut Frankfurt am Main, ikarus design kaufhaus und JWT Frankfurt


03. Juli 2009 bis 18. Oktober 2009 - Graphische Sammlung

EDVARD MUNCH. DRUCKGRAFIK IM STÄDEL MUSEUM

Die Graphische Sammlung im Städel Museum verwahrt über achtzig druckgrafische Werke des Norwegers Edvard Munch (1863–1944), darunter Geschenke des Künstlers und viele Erwerbungen, die bereits zu seinen Lebzeiten erfolgten. Eine Ausstellung dieses stattlichen Bestandes möchte die herausragende Aussagekraft der Druckgrafik Edvard Munchs würdigen und ihre wegweisende Bedeutung für die Kunst des 20. Jahrhunderts anschaulich werden lassen.

Besuchen Sie unsere Munch-Seite mit vielen zusätzlichen Informationen:
http://munch.staedelmuseum.de

Kuratorin: Dr. Jutta Schütt (Städel Museum)


09. April 2009 bis 30. August 2009 - Kuppelsaal

DIERK SCHMIDTS "SIEV-X – ZU EINEM FALL VON VERSCHÄRFTER FLÜCHTLINGSPOLITIK" ODER GÈRICAULT UND DIE FRAGE DER KONSTRUKTION VON GESCHICHTE

Dierk Schmidts 2001–2003 entstandener 19-teiliger Bildzyklus "SIEV-X – Zu einem Fall von verschärfter Flüchtlingspolitik" ist Historienbild, politisches Statement und Reflexion über die Möglichkeiten der Malerei in unserer Gegenwart in einem. Die im Städel präsentierten Arbeiten des 1965 in Unna geborenen und in Berlin lebenden Künstlers verbinden einen skandalösen Fall von unterlassener Hilfeleistung und desaströser Flüchtlingspolitik Australiens im Jahr 2001 mit einem der Hauptwerke der europäischen Historienmalerei: Theodore Géricaults "Floß der Medusa" von 1819. Schmidts Malerei ist das Ergebnis eines komplexen investigativen Prozesses. Sie zeigt, wie der Schiffbruch der französischen Fregatte "Medusa" und der willentlich in Kauf genommene Tod Aberhunderter Boat People vor der Küste Australiens einander strukturell wie ästhetisch auf frappierende Weise ähneln. Einen weiteren Bezugspunkt bildet Eugène Delacroix’ Gemälde "Die Freiheit auf den Barrikaden". Der Bildzyklus von Dierk Schmidt ist ein Neuzugang in der Sammlung des Städel Museums und wurde aus Mitteln des "Städelkomittees 21. Jahrhundert" erworben.

Kurator: Dr. Martin Engler (Städel Museum)


09. April 2009 bis 30. August 2009 - Kabinett zum Main

FOKUS AUF ANDREA MANTEGNA: DER EVANGELIST MARKUS, UM 1450 (INV. NR. 1046)

Die mittlerweile siebte Ausstellung der Reihe "Fokus auf" rückt mit dem um 1450 entstandenen Gemälde "Der Evangelist Markus" von Andrea Mantegna (1431–1506) eines der frühesten bekannten Werke dieses für die Kunst der Frührenaissance in Oberitalien zentralen Künstlers in das Zentrum der Betrachtung und wirft dabei Schlaglichter auf die vielfältigen Fragestellungen, die mit dem Werk verbunden sind. Neben Aspekten wie der Ikonographie, der Zuschreibung, der Maltechnik und der Datierung zählt hierzu insbesondere die Frage nach den möglichen Vorbildern, deren sich der junge Mantegna für seinen "Evangelisten Markus" bediente. Zudem geht das heutige Erscheinungsbild auf eine nachträgliche und tiefgreifende konzeptuelle Veränderung zurück, die anhand der gemäldetechnologischen Befunde von Röntgenbild und Infrarotreflektographie nachvollziehbar gemacht werden soll. Mit der Frage nach der ursprünglichen Komposition ergibt sich zugleich diejenige nach dem möglichen Kontext, für den die Leinwand in der ersten Konzeption gedacht gewesen sein könnte.

Kurator: Gabriel Dette (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Städel Museum)

Gefördert durch die Shering Stiftung  


1. April 2009 bis 26. Juli 2009 - Ausstellungshaus, 1. OG

CARAVAGGIO IN HOLLAND. MUSIK UND GENRE BEI CARAVAGGIO UND DEN UTRECHTER CARAVAGGISTEN

Jüngst hat das Städel Museum in Frankfurt ein bedeutendes Gemälde des Utrechter Malers Dirck van Baburen aus dem Jahre 1622 erworben, das einen jungen Sänger zeigt, der in virtuoser Weise eine Probe seiner Kunst gibt. Dieses Meisterwerk der Beobachtung wie der Inszenierung steht im Kontext einer ganzen Reihe von eng verwandten Musikantendarstellungen, die alle in den 1620er-Jahren in Utrecht entstanden sind. In diesem Zeitraum war die holländische Stadt geradezu ein künstlerisches Laboratorium, in dem die Maler mit der neuartigen Bilderfindung experimentierten und im Wettstreit miteinander immer wieder neue Lösungen entwickelten. Die drei Großen unter ihnen, Hendrick Terbrugghen, Gerard van Honthorst und Dirck van Baburen, hatten zuvor jeweils fast ein ganzes Jahrzehnt in Rom verbracht, wo sie die Kunst Caravaggios studierten und bald auch mit eigenen Bilderfindungen im Stile des Vorbilds reüssierten. Die Ausstellung versammelt zum ersten Mal eine umfangreiche und hochkarätige Auswahl von Musikanten- und Bordellbildern dieser sogenannten Utrechter Caravaggisten. Den Werken der Utrechter werden exquisite Gemälde Caravaggios gegenübergestellt, mit denen sich die Maler auseinandersetzten. Caravaggios berühmter "Lautenspieler", die Inkunabel des barocken Musikantenbildes, steht dabei im Mittelpunkt. Museen aus ganz Europa und den USA unterstützen dieses Projekt mit wichtigen Leihgaben. Zu den Leihgebern zählen u. a. das Kunsthistorische Museum in Wien, die Alte Pinakothek in München, das Rijksmuseum in Amsterdam, das Centraal Museum in Utrecht und das Museum of Fine Arts in Boston.


Kurator: Prof. Dr. Jochen Sander (Städel Museum)

Wissenschaftliche Mitarbeit: Gabriel Dette M.A. und Dr. Bastian Eclercy (Städel Museum)

Gefördert durch die Stiftung Flughafen Frankfurt/Main für die Region


5. November 2008 bis 28. Juni 2009 - Saal 4

"DAS HEILIGE KÖLN" – KÖLNER MALEREI IM SPÄTMITTELALTER UND DER FRÜHEN NEUZEIT

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt zu Gast im Städel

Mit der Präsentation "Das Heilige Köln – Kölner Malerei im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit"
führen das Städel Museum und das Hessische Landesmuseum Darmstadt ihre im Februar 2007
begonnene Kooperation fort und ermöglichen zum vierten Mal eine Gegenüberstellung erstrangiger
Werke beider Häuser. Der Fokus der aktuellen Sammlungspräsentation richtet sich auf das künstlerische Schaffen von etwa fünf Malergenerationen mit bedeutenden Werken der Kölner Hauptmeister Stefan Lochner und Barthel Bruyn d. Ä, die die bildkünstlerische Vielfalt im "Heiligen Köln" des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit veranschaulichen. Zwischen der Pflicht, kölnische Maltradition zu bewahren, und der Neigung, neue Darstellungsinteressen auszuprägen, stärkten sie die Stadt Köln als Kunstzentrum ersten Ranges und beförderten einzigartig die Entwicklung hin zu einem neuzeitlichen Bildverständnis.
Eine hochmittelalterliche Siegelumschrift benennt das "Heilige Köln", dessen zahlreiche Kirchen, Kapellen und Klöster besonders im 15. Jahrhundert die Kölner Kirche als prägende geistliche Kraft bezeugen. Auf städtische Initiative hin wurde 1388 die Universität gegründet, die der Stadt eine hervorragende geistige Stellung sicherte. Handelsbeziehungen von Kölner Kaufleuten überspannten das gesamte Hansegebiet und beförderten wirtschaftliche Macht und politisches Ansehen der Stadt. Reiche Patrizier realisierten städtische Neubauten, private Kapellen sowie unzählige Altar- und Messstiftungen. Städtischer Wohlstand und bürgerliche Freiheit, eine lebendige Frömmigkeit und nicht zuletzt das Repräsentationsbedürfnis weltlicher wie kirchlicher Stifter lockten Maler aus allen Regionen nach Köln.

Kuratoren: Prof. Dr. Jochen Sander (Städel Museum), Dr. Theo Jülich (Hessisches Landesmuseum Darmstadt)


6. März bis 7. Juni 2009 - Graphische Sammlung

MICHELANGELO. ZEICHNUNGEN UND ZUSCHREIBUNGEN

Die Graphische Sammlung im Städel Museum zeigte vom 6. März bis 7. Juni 2009 eine Ausstellung, die sich an dem besonders umstrittenen Beispiel von Michelangelo Buonarroti (1475–1564) mit der Frage der Zuschreibung von Altmeisterzeichnungen beschäftigte. Michelangelo hat neben seinen weltberühmten Skulpturen, Fresken und Bauwerken eine große Anzahl von Zeichnungen geschaffen, die zu seinen Lebzeiten sehr bewundert wurden. Da er sie nie signiert hat und viele kurz vor seinem Tod verbrannte, ist heute bei vielen erhaltenen Blättern nicht einfach zu bestimmen, ob sie tatsächlich eigenhändig sind oder ob es sich um Kopien oder Nachahmungen anderer Künstler handelt.

Anlass für die Ausstellung bildete eine Zeichnung in der Graphischen Sammlung des Städel Museums, deren Zuschreibung an Michelangelo in der Vergangenheit kontrovers diskutiert wurde. Zuletzt wurde sie von einigen Experten erneut Michelangelo zugeschrieben. Anhand ausgewählter Beispiele – darunter kostbare Leihgaben aus den Sammlungen des British Museum, London, der Royal Collection, Windsor, der Casa Buonarroti, Florenz – bot die Ausstellung verschiedene Möglichkeiten des unmittelbaren visuellen Vergleichs, um den Besuchern Gelegenheit zu einer eigenen Auseinandersetzung mit dieser Frage vor originalen Werken zu geben.

Kurator: Dr. Martin Sonnabend (Städel Museum)


10. Oktober bis 22. März 2009 - Kuppelsaal

RECONSIDERED. LUC TUYMANS´ WERKAUSWAHL AUS DER STÄDELSAMMLUNG

Der belgische Maler Luc Tuymans, einer der bedeutendsten und gefragtesten Maler der Gegenwart, hat vergangenes Jahr als Nachfolger von William Kentridge die Max-Beckmann-Stiftungsprofessur an der Städelschule angetreten. Im Juni 2007 hielt er zum Auftakt seiner Lehrtätigkeit drei öffentliche Vorträge im Städel Museum, in denen er über seine Erfahrung mit dem Kunstbetrieb sprach. Durchaus skeptisch beurteilte er die Rolle der Kunstkritik, der Kultursubventionen sowie der Einflussnahme von Kuratoren. Luc Tuymans wird nun wie bereits William Kentridge vor ihm die Professur mit einer eigens für das Städel Museum entwickelten Ausstellung beschließen. Während seiner Aufenthalte in Frankfurt nahm er die Gelegenheit wahr, die Sammlungsbestände und vor allem die Depotbestände des Museums eingehend zu besichtigen. Aus dem Gesamtbestand wählte der Künstler eine Reihe von 15 Bildnissen aus fünf Jahrhunderten aus, die er im Rahmen der Ausstellung "Reconsidered" ergänzt durch ein eigenes Triptychon mit dem Titel "Eyes" aus dem Jahr 2001 im Kuppelsaal vorstellt und schriftlich kommentiert. Außerdem nimmt Tuymans in den Galerieräumen zur Kunst des 19. Jahrhunderts eine weitere Intervention vor und stellt Fernand Khnopffs Bild "Der Jagdaufseher" sein Gemälde "Against the Day" gegenüber, das damit im Städel erstmals öffentlich präsentiert wird.

Kurator: Luc Tuymans

Projektleitung: Dr. Eva Mongi-Vollmer (Städel Museum)


10. Oktober 2008 bis 22. März 2009 - Kabinett zum Main

FOKUS AUF AUGUSTE RODIN: FAUN / LE VIEIL ARBRE / LE VIEUX CHÊNE, UM 1885 (SGP 6)

Im Mittelpunkt der sechsten Ausstellung der Reihe "Fokus auf" steht die knapp 40 cm hohe bronzene Figurengruppe "Faun" des französischen Bildhauers Auguste Rodin. Entnommen aus dem kleinteiligen Programm des ab 1880 entwickelten "Höllentors" – dem ursprünglich zweiflügeligen Bronzeportal zum Pariser Musée des Arts décoratifs – und um das Jahr 1885 fertiggestellt, wirft diese zahlreiche Fragen auf: Warum haben ihre zwei Figuren – ein bocksbeiniges männliches Wesen und eine ihn bestürmende weibliche Gestalt – so merkwürdige Proportionen? Wie kam Rodin zu jener aufwühlend-bewegten Darstellung des Faunenpaares? Und wieso kombinierte er zwei inhaltlich nicht zueinander gehörige Figuren zu einem komplexen Werk? Dies zu klären ist Ziel der Ausstellung "Fokus auf Auguste Rodin: Faun/Le vieil arbre/Le vieux chêne, um 1885 (Inv. Nr. SGP 6)". Das Thema der nach wie vor eigenwilligen wie irritierenden Figurengruppe – die wilden Waldwesen in entfesseltem Zueinander –, ihre Erwerbs- und Publikationsgeschichte sowie der Einsatz einer Assemblage als künstlerisches Mittel werden für den Betrachter anschaulich gemacht.

Kuratorin: Dr. Eva Mongi-Vollmer (Städel Museum)

Gefördert durch die Schering Stiftung


7. und 8. März 2009 - Ausstellungshaus, EG

MICHAEL RIEDEL. VIER VORSCHLÄGE ZUR VERÄNDERUNG

Auf Einladung des Städel Museums führt der Künstler Michael Riedel (geb. 1972) ein Parallelprojekt zur Ausstellung "Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden" (21. November 2008 bis 1. März 2009) durch. Im Zentrum seines Interesses stehen dabei weniger die Kunstwerke selbst als vielmehr die Weiterverarbeitung des Bildmaterials der Ausstellungsstücke. Speziell die Vermittlungsmedien – Plakat, Flyer, Postkarten, Katalog der Ausstellung – werden von Riedel benutzt, um jeweils vier Variationen der einzelnen Druckerzeugnisse herzustellen. Um die Vorlagen zu vervielfältigen, separiert er die vier beim Farbdruck üblichen Vorgänge (Cyan, Magenta, Yellow und Key = Schwarz). Das heißt, der in Cyan gedruckte Katalog oder Flyer enthält nur die Cyan enthaltenden Elemente usw. Somit ergeben sich vier unterschiedliche, auch im Layout verschiedene Druckprodukte, die sich vom ursprünglichen sinngemäßen Zusammenhang entfernen, dabei jedoch eine eigene Bildsprache formulieren. Die Präsentation der veränderten Begleitmedien fand parallel zur Ausstellung "Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden" statt, indem an den für die jeweiligen Druckerzeugnisse vorgesehenen Orten (Plakatwände in der Stadt, Katalogregal, Flyer- und Postkartenständer im Museum) unkommentiert einfarbige Versionen auftauchten. Nach Ablauf der Ausstellung nutzt Michael Riedel nun die leeren Räume bzw. deren Ausstellungsarchitektur, um darin seine "Vier Vorschläge zur Veränderung" zu präsentieren.

Kuratorin: Dr. Eva Mongi-Vollmer (Städel Museum)

Gefördert durch die 1822-Stiftung der Frankfurter Sparkasse


10. Oktober 2008 bis 1. März 2009 - Ausstellungshaus, 1. OG

KONSTELLATIONEN IV. MATERIAL / FORM / MENSCH / STADT

"Konstellationen IV" präsentiert die Sammlungen des Städel Museums nach 1945 in einer ungewohnten Lesart. Unabhängig von Epochen- grenzen und kunsthistorischen Kategorisierungen werden die Werke in vier Räumen unter vier Begriffen geordnet: Material, Form, Mensch und Stadt. Das führt auf den ersten Blick Gegensätzliches zusammen und beleuchtet Bekanntes in neuen Zusammenhängen. Die vier Themen sind bewusst offen gewählt, ohne Anspruch auf grund- legende oder allgemeine Gültigkeit. Sie bieten dem Betrachter eine modellhafte Lesart, die ihm an Beispielen vorführt, wie auch im Everything Goes der Gegenwartskunst Erklärungsmuster und Deutungen möglich sind.

Kuratoren: Dr. Martin Engler, Dr. Jutta Schütt (Städel Museum)

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