Ausstellungen / Archiv / 2010

"EIN EREIGNIS: DIE RETROSPEKTIVE IM FRANKFURTER STÄDEL ZEIGT ERNST LUDWIG KIRCHNER, WIE WIR IHN NOCH NIE GESEHEN HABEN."

Die Welt, Hans-Joachim Müller, 26. April 2010 zur Ausstellung "Ernst Ludwig Kirchner. Retrospektive"

28. Oktober 2010 bis 24. Juli 2011 - Ausstellungshaus

DIE CHRONOLOGIE DER BILDER: STÄDEL-WERKE VOM 14. BIS 21. JAHRHUNDERT

Das Städel Museum besitzt Meisterwerke europäischer Kunst vom späten Mittelalter bis zur Gegenwart. Da die Galerieräume aufgrund der Sanierungsmaßnahmen derzeit geschlossen sind, bietet sich die einmalige Gelegenheit, die vertrauten Kunstschätze in einem völlig neuen Kontext zu zeigen. Die temporäre Sammlungspräsentation "Die Chronologie der Bilder. Städel-Werke vom 14. bis 21. Jahrhundert", die nun im Ausstellungshaus vorgestellt wird, gibt die üblicherweise bestehende Trennung nach Kunstregionen auf und ersetzt diese durch eine streng chronologische und länderübergreifende Hängung. Auf diese Weise entsteht ein dichter kunsthistorischer Zeitstrahl, der einen neuen, ungewohnten und oftmals überraschenden Blick auf bekannte sowie noch zu entdeckende Meisterwerke des Städel ermöglicht und Teile der Städel-Sammlung auch während der Sanierungsarbeiten erlebbar macht. Begleitet von Schlaglichtern auf politische, gesellschaftliche, kulturelle oder wissenschaftliche Ereignisse bietet die Präsentation nicht nur unkonventionelle Nachbarschaften, sondern vermag auch auf einzigartige Weise die Entwicklungsgeschichte der abendländischen Malerei zu illustrieren.

ÜBER 300 GEMÄLDE: VON JAN VAN EYCK BIS GERHARD RICHTER
Insgesamt zeigte die auf zwölf Räume verteilte Ausstellung über 300 Gemälde aus dem Bestand des Städel, wobei sich der Bogen der Meisterwerke von Jan van Eyck und Andrea Mantegna über Rembrandt, Nicolas Poussin und Giovanni Battista Tiepolo bis hin zu Max Beckmann, Pablo Picasso, Alberto Giacometti und Gerhard Richter spannte. Ein umfassendes Begleitprogramm reflektiert die Werke im monatlichen Wechsel aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Themenschwerpunkte wie technische Innovationen, Naturwissenschaft, Theater- oder Literaturgeschichte. Hierzu zählte beispielsweise die neue Veranstaltungsreihe "Der Gastkommentar", bei der Gäste aus Politik, Wirtschaft und Naturwissenschaften ihre individuelle Sicht auf die vertrauten Werke des Städel Museums eröffneten.

PRÄSENTATION DER KUNSTWERKE IN CHRONOLOGISCHER REIHENFOLGE
Der Bau großer Museumsgebäude und die Entstehung der wissenschaftlichen Kunstgeschichte im 19. Jahrhundert verfestigten die Trennung der Gemäldesammlungen nach geografischen Schulen. Die Kunst vom Mittelalter bis zum Barock wurde mit den Alpen als Scheidelinie zwischen Süd und Nord getrennt; hinzu trat die Ordnung nach nationalen (italienischen, französischen, deutschen oder englischen) Schulen, bald auch die nach Kunstströmungen wie dem Symbolismus, Impressionismus oder Expressionismus. "Die Chronologie der Bilder" gibt diese übliche Trennung auf und präsentiert Gemälde aus der Städel-Sammlung von 1300 bis in die Gegenwart in der chronologischen Reihenfolge ihrer Entstehung. Dieser dichte historische Parcours ermöglichte den Besuchern eine Zeitreise durch sieben Jahrhunderte europäischer Kunstgeschichte, bei der die Bilder von einem Zeitstrahl aus prägenden historischen Ereignissen begleitet wurden. In einem fortlaufenden Band über den Gemälden angeordnet, ermöglichten die subjektiv ausgewählten Geschehnisse aus Politik, Kultur oder Wissenschaft eine historische Einordnung der Werke und boten Raum für zahlreiche Assoziationen.

Kuratoren:
Prof. Dr. Jochen Sander, Leiter holländische, flämische und deutsche Gemälde vor 1800
Dr. Felix Krämer, Leiter Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts und der klassischen Moderne
Dr. Martin Engler, Leiter Kunst nach 1945

Wissenschaftliche Mitarbeit:
Carolin Köchling, Almut Pollmer-Schmidt, Dr. des. Nerina Santorius

Gefördert durch die Techem Energy Services GmbH

Mit zusätzlicher Unterstützung der Stadt Frankfurt


23. April bis 08. August 2010 - Ausstellungshaus

ERNST LUDWIG KIRCHNER. RETROSPEKTIVE

Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938), Gründungsmitglied der Künstlervereinigung "Brücke" und einer der bedeutendsten Künstler des Expressionismus, hatte prägenden Einfluss auf die Kunst der klassischen Moderne. Das Gesamtwerk des Malers, Grafikers und Bildhauers würdigt das Städel Museum nun mit der ersten, 170 Werke umfassenden Retrospektive in Deutschland seit 30 Jahren.
"Ich staune über die Kraft meiner Bilder im Städel", schrieb Kirchner am 21. Dezember 1925 in sein Tagebuch. Kirchners Beziehungen zum Städel und zu Frankfurt waren eng. In Frankfurt fand 1916 nicht nur eine der ersten Kirchner-Ausstellungen überhaupt statt, das Städel war auch das erste Museum, das 1919 Gemälde von Kirchner erwarb. Aufbauend auf der hauseigenen Kirchner-Sammlung, die mit zahlreichen Hauptwerken zu den bedeutendsten weltweit zählt, präsentiert die Ausstellung Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers. Den Gemälden und Arbeiten auf Papier werden Skulpturen und Kunsthandwerk Kirchners zur Seite gestellt, um so den Facettenreichtum seines Œuvres zu veranschaulichen.

Neben Werken aus den klassischen Etappen der "Brücke-Zeit" mit ihren Aktdarstellungen, den Arbeiten aus den vom Großstadtleben bewegten Berliner Jahren mit den Straßenszenen, den Gemälden, welche die Existenzängste im Ersten Weltkrieg widerspiegeln, sowie den Davoser Arbeiten mit Sujets der Schweizer Bergwelt werden auch das weniger bekannte Früh- und Spätwerk des Künstlers vorgestellt. Letztere, kontrovers diskutierte Arbeiten im "Neuen Stil", die durch kompromisslose Flächigkeit und einen hohen Abstraktionsgrad überraschen, werden in Frankfurt erstmals in vollem Umfang gemeinsam mit seinen Hauptwerken zu sehen sein. Bemerkenswert ist dabei, dass sich der Künstler in seinem Frühwerk vor allem durch die französische Kunst inspirieren ließ. Die Retrospektive ermöglicht einen neuen Blick auf die verblüffende Modernität Kirchners, dessen exzessives Leben in seiner Kunst auf unvergleichliche Weise seinen Niederschlag fand.

Für das Ausstellungsprojekt konnten großartige Leihgaben aus vielen internationalen Museen wie dem Centre Pompidou in Paris, der Pinakothek der Moderne in München, dem Kirchner Museum Davos, dem Brücke-Museum und der Neuen Nationalgalerie in Berlin, dem Moderna Museet in Stockholm und dem Museum of Modern Art in New York gewonnen werden.

Kurator: Dr. Felix Krämer, Städel Museum

Eine Ausstellung im Rahmen des Kulturfonds-Projektes "Phänomen Expressionismus"

Ermöglicht durch die Gemeinnützige Kulturfonds Frankfurt Rhein Main GmbH

Gefördert durch die Art Mentor Foundation Lucerne, Bank of America Merrill Lynch und die Roman Norbert Ketterer Stiftung

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