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PETER PAUL RUBENS

Judith enthauptet Holofernes

um 1609-10

Feder in Braun, braun laviert
Inv. Nr. 15690

20.6 × 16 cm

zur  Biographie

Das Buch Judith im Alten Testament erzählt von der Belagerung der jüdischen Festung Betylua durch den assyrischen Oberbefehlshaber Holofernes. Kurz bevor die bedrängte Stadt sich ergeben musste, begab sich die schöne und fromme Witwe Judith in Begleitung ihrer Magd in das Heerlager des Holofernes. Es gelang ihr, seine Zuneigung und sein Vertrauen zu gewinnen, und als er in der Nacht betrunken eingeschlafen war, schlug sie ihm mit seinem eigenen Schwert den Kopf ab. Das assyrische Heer gab, seines Anführers beraubt, die Belagerung auf. Wegen ihres Triumphes über das Böse galt die heldenhafte Judith in der christlichen Kirche als Vorläuferin Mariens.

Rubens hat »Judith und Holofernes« mehrfach behandelt; die Zeichnung des Städel Museums steht in einer engen Beziehung zu seinem frühesten Gemälde des Themas. Es entstand um 1609–10 in Antwerpen, nach der Rückkehr des Künstlers von einem mehrjährigen Italien- und Spanienaufenthalt, bei dem er sich unter anderem in Rom mit Adam Elsheimer angefreundet hatte. Rubens’ Gemälde ist heute zwar verschollen, seine Komposition jedoch durch einen Kupferstich überliefert. In der Zeichnung des Städel Museums hat Rubens die Komposition mit schnellen, fast flüchtigen Federstrichen angelegt und ihr dann mit einem großzügig geführten Pinsel und unterschiedlich getönter Lavierung Tiefe und Licht verliehen. Danach fügte er, wiederum mit der Feder, noch einige Akzente hinzu, etwa das angedeutete Stillleben vorne links, das wohl Helm und Schild meint, oder die veränderte Haltung des Schwertes. Ihn interessierte die Verschränkung der beiden Hauptfiguren, des rücklings über Kopf nach vorne gezerrten Holofernes und der energisch über eine umgestürzte Sitzbank herantretenden, das Schwert über den Kopf schwingenden Judith. Rechts am Rand ist die ängstlich zurückblickende Magd der Judith zu erkennen. Die virtuose Feder- und Pinselzeichnung, deren wilden Schwung Rubens im Gemälde zurücknahm, diente dazu, die von Licht und Bewegung bestimmte Gesamtwirkung der Komposition zu erproben.


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